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Alkohol an Karneval: Keine harten Sachen für die Halbstarken

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Kein Alkohol an Jugendliche, auch nicht an Karneval: Yasmin Saddik und Basma Novini vom Stolberger Jugendamt und Hans Kreutz von der Polizei bitten Ladeninhaberin Andreea Tomoiaga um Mithilfe. Foto: S.-L. Gombert
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In den Kiosken auf der Mühle gibt es auch harte alkoholische Getränke. An Jugendliche unter 18 Jahren dürfen Wodka und Co. nicht verkauft werden.

Stolberg. Ein wenig entgleiten der jungen Frau an der Kasse eines Supermarktes in Stolberg die Gesichtszüge. Dass eine Stunde vor Feierabend zwei junge Frauen, bewaffnet mit Plakaten und Buttons, begleitet von der Polizei, auf sie zukommen, hat sie offenbar nicht erwartet. Yasmin Saddik und Basma Novini, die für das Stolberger Jugendamt im Jugendtreff „Westside“ arbeiten, sind an dem Abend mit Polizist Hans Kreutz auf Streife. Ihr Ziel: Ladenbesitzer und Gastwirte vor der heißen Phase der Karnevalstage noch einmal für das Jugendschutzgesetz sensibilisieren.

„Viele der Ladenbesitzer kennen uns schon und wissen genau, warum wir gerade kurz vor Karneval bei ihnen vorbeischauen“, erklärt Hans Kreutz. Die Mühle ist sein Bezirk, hier ist der Beamte fast jeden Tag zu Fuß unterwegs.

So auch ein Kiosk-Besitzer, der den Polizisten und die jungen Sozialarbeiterinnen freundlich grüßt. Ja, gerne hänge er die Plakate auf und verteile Buttons mit der Aufschrift „Partymachen statt absaufen“ an seine Kundschaft. „Ich habe selbst Kinder“, sagt der Mann, „und ich will ja auch nicht, dass ihnen jemand Alkohol verkauft.“ Außerdem sei für ihn als Ladeninhaber das Risiko viel zu groß: Denn wer beim Verkauf von Alkohol an Minderjährige erwischt wird, für den wird es teuer.

Doch nicht alle Händler halten hohe Bußgelder davon ab, Wodka oder andere Schnäpse an minderjährige Kunden abzugeben, wie Walter Reinartz vom Stolberger Ordnungsamt berichtet: „Die Profitgier ist eben hoch“, so der erfahrene Beamte. Und auch sei es manchmal für die Mitarbeiter der Kioske oder Tankstellen schwierig, sich durchzusetzen, wenn ganze Gruppen von jungen Menschen auf einmal den Laden stürmen.

„Wir haben zwar seit ein paar Jahren keine größeren Schwierigkeiten mehr in der Stadt gehabt“, sagt Josef Offergeld, stellvertretender Leiter des Jugendamts. „Aber wir wollen schließlich auch nicht, dass die alten Probleme wiederkehren.“ Die alten Probleme, das seien Szenen auf dem Kaiserplatz gewesen, wenn ganze Gruppen von Schülern am Fettdonnerstag direkt nach dem Unterricht zum Feiern in die Stadt gekommen seien.

„Mittlerweile haben die meisten Schulen an diesem Tag schulfrei“, sagt Offergeld. Trotzdem: Das Thema Jugendschutz sei kein freundlicher Appell an die Ladeninhaber: „Das ist ein Gesetz, an das sich alle zu halten haben“, betont Offergeld.

Bei all der Vorsicht und Präventionsarbeit, die von Stadt und Polizei geleistet werden: „Letztlich ist das Thema Jugendschutz vor allem auch eine Aufgabe der Eltern, und auch der Gesellschaft“, sagt Josef Offergeld. Wer im Rahmen einer Karnevalsparty Jugendliche sehe, die an der Schnapsflasche hängen, solle sie ruhig mal ansprechen, findet er.

Und um diejenigen Schüler, die nicht zu Hause bleiben dürfen – das sind die von der Kogelshäuser-Hauptschule und der Sekundarschule – kümmern sich Yasmin Saddik und Basma Novini mit ihren Kollegen im Jugendtreff „Westside“: Hier wird in der Zeit von 11.11 Uhr bis 13.13 Uhr eine Party veranstaltet – und zwar eine etwas andere, als man sie sonst an Fettdonnerstag erwarten würde. „Wir haben festgestellt, dass viele der Schüler sich gar nicht wirklich für Karneval interessieren“, sagt Yasmin Saddik.

Darum hat sich das Team vom Jugendtreff entschieden, eine „Black and White“-Party zu organisieren, bei der alle in schwarzer und weißer Kleidung kommen sollen. „Alkohol gibt es bei uns natürlich keinen, dafür leckere alkoholfreie Cocktails“, sagt Yasmin Saddik. Einen DJ hat man engagiert, der Musik auflegen wird, die die Jugendlichen anspricht: Hiphop, R‘n‘B oder Rap, beispielsweise.

Um auf die Gefahren von Alkohol aufmerksam zu machen, werden Spiele mit der „Rauschbrille“ angeboten, die die Wahrnehmungsschwierigkeiten nach übermäßigem Alkoholgenuss simuliert. Rund 200 bis 300 Schüler feiern jedes Jahr im Jugendtreff, schätzt die Sozialarbeiterin. „Wichtig ist, dass unser Angebot niederschwellig ist“, sagt Yasmin Saddik. Finanzielle Unterstützung für diese Aktion im Jugendtreff bekommt die Stolberger Stadtverwaltung seit Jahren von der Sparkasse.

Wenn die Party im „Westside“ vorbei ist, ist es der Arbeitstag der städtischen Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit noch lange nicht. „Wir sind mit einem Stand am Festzelt in Zweifall vertreten“, erklärt der Sozialarbeiter Herman Moonen. Mit der dort ansässigen KG arbeite man sehr gut zusammen. Auch hier kommt es auf ein niederschwelliges Angebot an: „Die jungen Leute kaufen sich zum Beispiel zwischendurch eine Portion Pommes und setzen sich zum Essen an unsere Tische. Dann sprechen wir mit ihnen, das klappt ganz gut“, sagt Moonen.

Ganz gut klappt auch der abendliche Einsatz der Jugendamtsmitarbeiter und der Polizei in der Stolberger Innenstadt. Noch nicht alle Händler kennen die Aktion: Andreea Tomoiaga hat erst vor wenigen Monaten ihr Lebensmittelgeschäft mit rumänischen Spezialitäten eröffnet. Es gibt Wurst, Gebäck, Getränke. Auch Weine gehören zu ihrem Angebot: Das ist nichts für junge Leute.

Der obligatorische Ausdruck des Jugendschutzgesetzes hängt zwar in ihrem Laden. „Ich bin aber froh über das Informationsmaterial“, sagt die junge Ladeninhaberin.

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