Ahnenforschung: Propst Grübers Großnichte erinnert sich

Von: Tom Lammertz
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Ein Foto aus dem Fundus der Stolberger Propst-Grüber-Schule: Heinrich Grüber (r.) beim Shakehands mit dem Bruder des ermordeten amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy. Foto: Archiv Rektor Jungbauer
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Das Grüber-Grab auf dem Stolberger Friedhof Am Halsbrech. Foto: Archiv Rektor Jungbauer

Eschweiler/Stolberg. Bei einer Studienfahrt nach Thüringen und Sachsen war es. Mit dem Helene-Weber-Haus ging’s bei dieser Gelegenheit auch zum Mitteldeutschen Rundfunk und dortselbst ins Kasino. Dann die Begegnung mit einer jungen Mitarbeiterin des Senders, die sich erkundigte, woher die Gruppe denn komme.

Stolberg? Welch ein Zufall. Dort sei ihr Urgroßvater begraben. Aber sie habe noch nie Gelegenheit gehabt, diesen Ort kennenzulernen, aus dem übrigens auch ein Großonkel von ihr stamme. Der Name der Frau: Eva Richter. Der Name ihres Großonkels: Heinrich Grüber.

Stolberger auf Spurensuche

Probst Grüber, der berühmte Sohn Stolbergs, der evangelische Pfarrer, der während der Nazizeit so vielen jüdischen Mitbürgern das Leben gerettet hat und selbst in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau gebracht wurde. Die Stolberger versprachen Eva Richter, auf Spurensuche zu gehen. Und so entstanden in der Heimat zuerst Fotos vom Grab der Eheleute Ernst und Alwine Grüber geborene Cleven, das sich auf dem Bergfriedhof befindet.

Hauptlehrer Ernst Grüber, so wissen die Lokalhistoriker zu berichten, ist derjenige, dem die Stolberger ihre Nationalhymne, das Vogelsängerlied, verdanken. Er soll es in der ehemaligen Wirtschaft Haas hinter der Vogelsangkirche niedergeschrieben haben. Ernst Grüber, 1869 geboren und aus Westfalen nach Stolberg gekommen, war neben seinem Beruf, so die alten Schriften, aber auch jahrelang „Armenvater“ mit großem sozialen Verständnis. Er war Vereinsmensch, dem Karneval zugetan, 1904 Gründer des Geflügelzuchtvereins „Fauna“, aber auch Gründer eines „Ziegenzuchtvereins“. Er nannte sich „Bürgermeister von Vogelsang“ und setzte sich für seine Nachbarn ein.

Die Recherchen, die den Grabsteinen folgend möglich waren, führten in der Linie der Alwine Grüber bis ins Jahr 1794 zurück – bis hin zu Eva Richters Ur-ur-ur-ur-großmutter. Die Frau vom Mitteldeutschen Rundfunk bekam die Fotos aus Stolberg und bedankte sich per Mail, in der sie verriet, dass sie zwar nicht viel vom Urgroßvater wisse, wohl aber, dass er ein fast gnadenlos strenger Vater gewesen sein soll, vor dem alle drei Kinder – auch ihre Großmutter und sogar seine Ehefrau Alwine Angst gehabt hätten. Eine unrühmliche Geschichte sei aus familiären Erzählungen bekannt: Der Hauptlehrer soll in größter Wut einem Schüler ein Ohr angerissen haben und dafür hart bestraft worden sei. Und auch Großonkel Heinrich Grüber habe sich zeitlebens nur spärlich zu seiner Kindheit geäußert.

Über das segensreiche Wirken des Theologen Heinrich Grüber sind viele Artikel und Bücher veröffentlich worden. Nicht nur in Stolberg trägt eine Hauptschule seinen Namen, sondern auch in Hellersdorf bei Berlin. Eine Straße in Stolberg ist nach ihm benannt, und gegenüber der Vogelsangkirche ist an einem Haus eine Gedenktafel angebracht, die auf ihn und sein Geburtshaus hinweist. Im Domkirchhof III Wedding ist er in einem Ehrengrab bestattet und auch in Berlin-Steglitz befindet sich eine Gedenktafel.

Ehrendoktorwürde

Propst Dr. Grüber wurde als unbeirrter Kämpfer gegen den Nationalsozialismus und Helfer verfolgter Juden mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Er war selbst in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau – im sogenannten „Pfaffenblock“ – inhaftiert. Dort, so ergaben die Recherchen der Studienfahrtteilnehmer, war auch der katholische Pfarrer Fritz Keller eingesperrt. Grüber schrieb an dessen Schwester Maria: „Ich habe mit meinem lieben Freunde Fritz Keller schwere, aber auch erhebende Stunden erlebt. Wir hatten ein gutes Verhältnis und haben manchen Abend über Stolberg gesprochen.“

Propst Grüber war später einer der ersten Deutschen, die vom Staat Israel nach Jerusalem eingeladen wurden, wo ihm in der Gedenkstätte Yad Vashem eine große Ehrung zuteil wurde. Er traf auch mit Albert Schweitzer und dem Bruder des ermordeten amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy zusammen, wie die Recherchen, die Manfred Görner anstieß und anstellte, ergaben. Er weiß auch zu berichten, dass Eva Richter vorhat, nach Stolberg zu reisen und die Orte kennenzulernen, an denen ihre Ahnen lebten und wirkten. Görner: „Ich finde, man sollte hier in Stolberg immer und immer wieder auf seine großen Söhne hinweisen, auf die man so stolz sein kann. Und Eva Richter ist bestimmt auch sehr stolz auf ihre so berühmten Vorfahren.“

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