Stolberg-Zweifall - Adventssägen: Alle wollen sie die Säge in Aktion sehen

Adventssägen: Alle wollen sie die Säge in Aktion sehen

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
9013362.jpg
Das historische Sägegatter aus dem Jahr 1934 fasziniert die Besucher und zieht die Blicke von Jung und Alt magisch an. Die betagte Maschine verarbeitet einen kompletten Baumstamm am Stück säuberlich zu Brettern. Foto: D. Müller

Stolberg-Zweifall. Es klappert nicht die Mühle am rauschenden Bach, es rattert vielmehr die Säge im Solchbachtal. Das historische Sägegatter aus dem Jahr 1934 verarbeitet einen ganzen Baumstamm zu Brettern und Jung und Alt schauen gebannt zu.

Das Museumssägewerk ist heute besonders gut besucht, denn das Adventssägen findet statt – längst eine Kultveranstaltung, die eigentlich um 11 Uhr beginnen soll. Doch die ersten Besucher kommen schon um 10.30 Uhr und „seitdem ist das Adventssägen sehr gut frequentiert“, beschreibt Rolf Hansen vom Förderverein des Zweifaller Museumssägewerks.

500 Holzsterne

Mehr Besucher denn je, darunter viel auswärtige, finden den Weg in das idyllische Solchbachtal. Viele Gäste verbinden den Besuch im Museum mit einem Spaziergang über den Waldlehrpfad, andere wiederum kommen „nur“ zum Adventssägen, das mit vielen Angeboten aufwartet: Fleißige Freiwillige versorgen die Besucher mit frischen Waffeln, heißen Getränken und allerlei Leckereien, die windgeschützt in zwei großen Zelten oder unter Heizstrahlern verzehrt werden. Auch Weihnachtsgeschenke werden erworben. Inzwischen zu echten Klassikern avanciert sind die Holzsterne in verschiedenen Größen. 500 Stück haben die Männer vom Förderverein ausgesägt, und kurz nach der Mittagszeit sind noch gerade einmal 50 übrig.

Sägegatter in Aktion

Wildprodukte aus dem Hürtgenwald und selbst gebackene Plätzchen erfreuen sich reißenden Absatzes, und das Museums-Team hat die Auswahl an Holzprodukten wieder erweitert. Etwa um hölzerne Engel, von denen „80 Stück in einer Stunde weggingen“, berichtet Hansen. Ebenfalls neue Kerzenständer aus Holz oder Tannenbäume aus Fichtenschwarten, kleine Nikoläuse und Rentiere zum Bemalen, Vogelhäuschen, Sterne, Tisch- und Fensterdekorationen eignen sich als Geschenke oder werden von den Besuchern für den eigenen Bedarf gekauft.

Wie von der Kulisse am Rande des Waldes nicht anders zu erwarten, lautet das Motto des vorweihnachtlichen Basars „Natur pur“, und bei Glühwein und anderen kulinarischen Genüssen wird Geselligkeit großgeschrieben. Man trifft sich wieder oder lernt sich kennen, kommt im beschaulichen Rahmen ins Gespräch.

Doch die angeregten Gespräche verstummen, die Schlemmereien und die Weihnachtseinkäufe werden unterbrochen, sobald das historische Sägegatter von den Mitgliedern des Fördervereins in Betrieb genommen wird. Nahezu magisch zieht die 80 Jahre alte Maschine die Blicke auf sich, wenn sie sich einen kompletten Baumstamm „einverleibt“ und säuberlich zu Holzbrettern schneidet. „Ich wollte unbedingt die Säge in Aktion erleben“, sagt zum Beispiel Susanne Forstmann aus dem belgischen Raeren. Sie ist von der alten Technik fasziniert und gehört zu den zahlreichen Gästen, die zum ersten Mal beim Adventssägen dabei sind. Und ihr Urteil fällt eindeutig aus: „Es ist sehr gemütlich hier und wirklich adventlich schön.“

Forstmann hat auch praktische Vorteile ausgemacht: „Man kann in der Nähe gut parken und findet den Weg hierher ganz leicht. Ich bin einfach den anderen Leuten hinterher gegangen.“ Für die Belgierin ist klar, dass dies nicht ihr letzter Besuch des Adventssägens in Zweifall ist. „Neulinge“ im Museumssägewerk sind auch Dagmar Bayer und Hans-Dieter Rabe – und zwar im doppelten Sinne. „Wir sind im Sommer erst nach Zweifall gezogen“, sagt Bayer und ist froh, noch einen der Holzsterne erstehen zu können. „Die angebotenen Dekorationen und Geschenke aus Holz sind für mich ein Hauptgrund gewesen, zum Adventssägen zu gehen“, erklärt sie.

An Sägegatter Beruf erlernt

Rabes Hauptaugenmerk gilt indes dem historischen Sägegatter, auch wenn es im Moment stillsteht. Er kann es kaum erwarten, dass es zu rattern beginnt. Rabe sieht die Säge zum ersten Mal, weiß aber genau, wie sie arbeitet. Denn „ich war beruflich Schreiner“, sagt der Rentner, „und habe in meiner Jugend an einem solchen Gatter den Beruf erlernt.“

Zu den „Wiederholungstätern“ beim Adventssägen in Zweifall zählt Adalbert Wolff aus Langerwehe. Seit drei Jahren ist er treuer Besucher des Museumssägewerks, heute hat er Bekannte aus Bielefeld zum Adventssägen mitgebracht. Wolff gehört wie auch Robert Jansen, Forstdirektor und Vorsitzender des Fördervereins, dem Drechsler-Forum an.

„Wir haben hier schon unseren Stammtisch abgehalten, und vor zwei Jahren haben vier Drechsler das traditionelle Handwerk hier im Solchbachtal vorgeführt“, beschreibt Wolff. Und sein Engagement in Stolberg will der Hobbydrechsler noch intensivieren.

Drechsler im Rathaus

Etwa im Rahmen der Kupferstädter Weihnachtstage: An dem kommenden Wochenende nimmt Wolff mit einem Drechslerkollegen an der Schmiedeweihnacht mit Kunsthandwerkermarkt teil. „Wir werden Samstag und Sonntag jeweils von 13 bis 19 Uhr im Foyer des Rathauses präsent sein und Drechselarbeiten anbieten sowie das Handwerk auch vorführen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert