68 Betroffene auf der CAE-Kündigungsliste

Von: Jürgen Lange
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Sieht Chancen für die Stolber
Sieht Chancen für die Stolberger CAE bei der Nachrüstung, Optimierung und Modifizierung von bestehenden Simulationseinrichtungen sowie dem Training im Auftrag der Bundeswehr: Geschäftsführer Ulrich Aderhold sieht das Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt. Foto: J. Lange

Stolberg. „Es ist ein nicht unerheblicher Aderlass”, gesteht selbst Ulrich Aderhold ein. Aber der Geschäftsführer der Stolberger CAE Elektronik GmbH ist letztlich erleichtert, dass die nahezu zehnmonatigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat zu einem von allen Seiten akzeptierten Abschluss geführt haben.

Im Ergebnis bleibt zwar ein Personalabbau um 145 Stellen, was etwa jedem dritten Arbeitsplatz entspricht, aber die Vereinbarungen zu einem sozial abgefederten und flexiblen Abbau der Stellen bezeichnet auch Betriebsratsvorsitzender Erich Meyer als „eine gute Sache”. Für die werden „dank der Unterstützung des kanadischen Mutterkonzerns etliche Millionen Euro”, so Aderhold, in die Hand genommen.

Angesichts der sich seit August 2011 dahin ziehenden Gespräche über neue Unternehmensstrukturen hat bereits ein großer Teil der Mitarbeiter selbstständig der CAE den Rücken gekehrt und anderweitige Perspektiven gesucht. Jetzt stehen noch 68 Beschäftigte auf der Liste, von denen die letzten Betroffenen zum 1. April 2013 aus dem Unternehmen ausscheiden sollen.

Eckpunkte der Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung sind neben einem Sozialplan mit Abfindungsklauseln und einer Altersbrücke die Gründung einer Transfergesellschaft sowie eine flexible Regelung für die Fälle, in denen weitere Mitarbeiter freiwillig das Unternehmen verlassen, erklärt Erich Meyer. „Dann besteht in Absprache mit der Geschäftsführung die Möglichkeit, dass ein anderer Kollege dem Unternehmen erhalten bleibt”.

Insbesondere für die Abwicklung laufender Projekte biete dieses Modell aus Sicht beider Seiten Perspektiven. Einer reibungslosen Fortsetzung der Arbeit trägt auch die schrittweise Reduzierung des Personals und das Angebot des gleichzeitigen Übergangs in die Transfergesellschaft Rechnung. So sind entsprechend der Entwicklung in einzelnen Auftragsbereichen der 1. Juli, 1. Oktober, 1. Januar und 1. April als Eckpunkte für den jeweiligen Start in der Transfergesellschaft vorgesehen.

Sie soll eine umfassende Leistung den CAE-Leuten bieten, erklärt Aderhold. Angefangen bei Lebenslauf und Bewerbungstraining über Betreuung bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch bis hin zu gegebenenfalls erforderlichen Qualifikationen sollen die frei gesetzten Mitarbeiter für die Dauer von maximal ein Jahr umsorgt werden durch die Transfergesellschaft.

In sie setzt auch der Betriebsrat große Erwartungen. „Bei Bombardier hat dieselbe Gesellschaft 80 Prozent der Mitarbeiter in neue Arbeit vermitteln können”, sagt Erich Meyer. Mehr noch: Beträgt die übliche Entlohnung in einer Transfergesellschaft, 60 Prozent, so stockte CAE den Betrag auf 80 Prozent des bisherigen Netto-Bezugs auf.

Betroffen sind laut Betriebsrat in erster Linie Ingenieure, weniger Positionen aus dem administrativen Bereich wie Druckerei, Zeichner oder technische Redakteure. Schwieriger stelle sich allerdings die Situation für die bisherigen Mitarbeiter aus den Bereichen Hausverwaltung und Kantine dar, die vom 1. Juli an durch Fremdunternehmen geleistet werden. „Wir haben versucht, dass die Kollegen dort übernommen werden, was uns allerdings nicht gelungen ist”, bedauert Meyer.

Im Gegensatz dazu gelang es dem Betriebsrat eine Rentenbrücke zu schlagen für die Beschäftigten, die den Betrieb im Alter von 58 Jahren verlassen. „Die Zeit bis zur Rente mit 63 Jahren wird durch die CAE finanziell abgefedert”, hebt der Betriebsrat hervor, dass nach dem schwierigen Start im vergangenen Sommer die Verhandlungen mit der Geschäftsführung in konstruktiven Vereinbarungen für die Mitarbeiter gemündet sind.

„Wir waren einmal 550 Beschäftigte”, erinnert sich Meyer. Nach einem schleichenden Abbau und der jetzigen Trennung von 145 Mitarbeitern rangiere CAE bei etwa 380 Beschäftigten. „Die Geschäftsführung hat erklärt, dass wir damit für die Zukunft gut aufgestellt sind”, resümiert der Betriebsrat: „Aber wie lange dauert wohl die Zukunft?”

„Wir wollen ja weiter Simulatoren bauen”, macht Ulrich Ader­hold vorsichtig positive Trends aus. Zwar halte sich die Bundeswehr bei neuen Entwicklungen und Beschaffungen noch zurück. Aber bei Nachrüstung, Optimierung und Modifikation von Simulatoren sei eine steigendes Interesse zu erkennen. Auch ein verstärktes Outsourcing des Trainings beim Militär „bietet der CAE positive Möglichkeiten”, sagt Ader­hold.

So hat das Stolberger Unternehmen sein Tornado-Labor so nachgerüstet, dass sensible schalltechnische Daten keinesfalls mehr in unbefugte Hände gelangen können. „Das war bereits eine große Infrastrukturmaßnahme für den Standort”.
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