Stolberg-Büsbach - 23-jähriger Hartz-IV-Empfänger seit vier Wochen ohne Strom

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23-jähriger Hartz-IV-Empfänger seit vier Wochen ohne Strom

Von: André Schaefer
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Strom
André Königs ist seit vier Wochen ohne Strom. Symbolbild: dpa

Stolberg-Büsbach. Die Kerzen sorgen momentan nur für wenig Helligkeit in André Königs Wohnung. Der 23-Jährige wartet auf das sprichwörtliche Licht im Dunkeln. Vermutlich war diese Formulierung für den jungen Mann aus Büsbach nie zutreffender als in diesen Tagen. Denn in Königs Wohnung ist es tatsächlich finster.

Vor knapp vier Wochen führte die Betätigung des Lichtschalters ins Leere. André König wurde der Strom abgedreht.

Zugegeben, ganz unverhofft kam dieser Moment für den jungen Mann und seine Freundin nicht. Schließlich wartet der Hartz IV-Empfänger seit Monaten auf sein Geld vom Jobcenter. „Ich hatte Anfang Oktober fristgerecht meine Unterlagen für den Weiterbewilligungsantrag eingereicht“, betont der 23-Jährige.

Selbst mehrfaches Nachfragen habe zu nichts geführt, bemängelt er. Zwei Monate lang konnte die Mietzahlung nicht erfolgen. Nachdem zunächst der Energieversorger EWV den Strom abdrehte, folgte vor wenigen Tagen von seinem Vermieter die Kündigung. Erst, so schildert er, seitdem sein Anwalt sich der Sache annehme, habe man seitens des Jobcenters betont, dass der Antrag unvollständig sei.

Mehrfach Hinweis gegeben

Beim Jobcenter hingegen bewertet man den Fall anders. Man habe Herrn König mehrfach darauf hingewiesen, dass noch wichtige Unterlagen fehlten. Erst seit einigen Tagen lägen die notwendigen Dokumente vor, die Auszahlung werde nun erfolgen, heißt es.

Fest steht: Das Beispiel des 23-jährigen Stolbergers ist kein Einzelfall. In der Regel komme es zwar nur selten zum Abschalten des Stroms, Anrufe verärgerter Vermieter seien hingegen häufig der Fall. „Wenn das Jobcenter die Mietzahlung für Sozialhilfeempfänger übernimmt, ist das in erster Linie eine Serviceleistung von uns, da wir dem Vermieter die Miete direkt überweisen und sich die Bezieher den Dauerauftrag sparen. Allerdings kommt es bei unseren 26.000 Bedarfsgemeinschaften in der Städteregion häufig vor, dass die Weiterbewilligungsanträge zu spät oder eben unvollständig eingereicht werden“, unterstreicht Christian Neuß, Sprecher des Jobcenters in der Städteregion Aachen.

Damit dürfte allerdings nur die eine Seite des Problems beleuchtet sein. Denn allein ein Blick auf das sechsseitige Formular zum „Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch“, wie es offiziell heißt, lässt vermuten, dass der Antrag den einen oder anderen schlichtweg überfordert. „Die Antragstellung bedarf mit Sicherheit einer großen Konzentration, aber wir bieten unseren Kunden selbstverständlich die Hilfe unserer Mitarbeiter an. Zudem sind die zentralen Begriffe auf Englisch, Türkisch und Russisch erklärt“, verrät Horst Mendez, ebenfalls Sprecher des Jobcenters.

Was auch immer bei André König zum nicht fristgerechten Einreichen der Unterlagen führte, die Abschaltung des Stroms war nur die logische Konsequenz: Da der Strompreis im monatlichen Regelsatz von 382 Euro inbegriffen ist, könne das Jobcenter nicht für die Stromschulden aufkommen, betont Neuß.

Darlehensantrag möglich

Im Dunkeln sitzen müsse so schnell hingegen niemand, meint der Sprecher. „Es besteht bei Stromrückständen immer die Möglichkeit, einen Darlehensantrag bei uns zu stellen. Das Jobcenter prüft dann, warum es zu diesen Rückständen kam und fällt eine Entscheidung. Verpflichtet sind wir dazu aber nicht. Wir raten mittellosen Kunden, sich zunächst mit dem Stromanbieter in Verbindung zu setzen, um über die Möglichkeiten eines Darlehensantrags zu sprechen“, fügt Neuß hinzu.

Generell dauere es ohnehin immer eine gewisse Zeit, bis tatsächlich kein Strom mehr fließe, verdeutlicht Michaela Humphries, Sprecherin des Energieversorgers EWV. „Ganz unverhofft wird bei uns nie der Strom abgedreht. Der Kunde wird grundsätzlich mehrfach angeschrieben und auf die Rückstände hingewiesen.“

André König will davon jedenfalls nur wenig wissen. „Ich habe keine Post bekommen und stand von heute auf morgen ohne Strom da“, klagt der Betroffene weiterhin. Sein Anwalt ist derzeit auf gleich mehreren Baustellen aktiv und bemüht sich, Licht ins Dunkle zu bringen.

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