Stolberg - 15.007 kleine Tonnen sind das Maß aller Dinge

15.007 kleine Tonnen sind das Maß aller Dinge

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Die 35-Liter-Ringtonnen sind in der Kupferstadt bei der Abfallentsorgung das Maß aller Dinge: Sie bleiben auch nach dem Betreiberwechsel im neuen Jahr erhalten. Foto: J. Lange
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Für die Stolberger bleibt fast alles so wie es ist, sagt Ulrich Koch, Geschäftsführer der Regio-Entsorgung, die die Restmüllabfuhr in der Kupferstadt im neuen Jahr übernimmt. Foto: J. Lange

Stolberg. „Viel Vergnügen, wenn sie damit in den Wahlkampf ziehen wollen“, schmunzelt Hildegard Nießen zu Hans Emonds rüber. Der hat soeben für eine Abrechnung des Restmülls nach Gewicht und für eine Abschaffung der 35-Liter-Tonne plädiert.

Die sozialdemokratische Kollegin des UWG-Ratsherrn kann sich noch an viele Debatten erinnern, in denen der Eckpfeiler der Kupferstädter Abfallentsorgung im Mittelpunkt stand. Denn es ist genau diese kleine Ringtonne, an der das Herz vieler Stolberger hängt.

Genau 15 007 dieser 35-Liter-Ringtonnen sind aktuell in der Kupferstadt im Einsatz. Das ist ein Anteil von über 60 Prozent der insgesamt genutzten 24 836 Entsorgungsgefäße. Auch bei den verbleibenden 9829 Tonnen genießen die Stolberger einen ausgesprochen komfortablen Standard. Sie können auswählen unter 40, 60, 80, 120, 240, 770 und 1100 Liter fassenden Abfallbehälter sowie teilweise zwischen wöchentlicher, 14-täglicher und 3-wöchiger und bei den Großgebinden auch monatlicher- oder Sonder-Leerung.

Es sind nicht nur die am Ende der Skala liegenden Gebühren, die die Liebe der Bürger zu ihren kleinen Tonnen begründet. Die Stolberger vermeiden gerne Abfall. Insbesondere in den ländlichen Bereichen des weitläufigen Stadtgebietes wird umfangreich eigenkompostiert. Einen anderen Grund führen Bewohner von Altstadthäusern ins Feld: Dort fehlt einfach Platz für große Tonnen. Kurzum, dem gemeinen Stolberger ist seine 35-Liter-Tonne genauso lieb wie dem Kölner der Dom.

Entsprechend bleibt die Beibehaltung dieses Angebotes ein Eckpfeiler bei der Neuregelung der Abfallentsorgung ab Neujahr. Mit breiter Mehrheit übertrug der Stadtrat „die Aufgabe der Einsammlung und des Transportes von Abfällen aus privaten Haushalten und Abfällen aus anderen Herkunftsbereichen“ auf die Regio-Entsorgung, in dem die Kupferstadt Mitglied ist, als sie dem kommunalen Zweckverband 2008 die Altpapier-Erfassung anvertraut hat.

Neben der UWG lehnt lediglich die FDP im Stadtrat ab, weil sie für eine Neuausschreibung des zum Jahresende auslaufenden Entsorgungsvertrages plädierte. „Die Regio-Entsorgung ist jetzt schon teurer als der derzeitige Entsorger“, sagt Axel Conrads. Die Liberalen glauben durch eine Ausschreibung zu einem günstigeren Ergebnis zu gelangen.

Eine Einschätzung, die weder Verwaltung noch Ratsmehrheit teilen. „Bei einer neuen Ausschreibung nach aktueller Marktlage ist mit steigenden Angebotspreisen zu rechnen“, erklärte Fachbereichsleiter Walter Wahlen bereits bei dem ersten Grundsatzbeschluss im März. Darüber hinaus verfolge im Vergleich zur Privatwirtschaft die Regio-Entsorgung als Anstalt öffentlichen Rechts keine Absichten zur Gewinnmaximierung und rechne lediglich effektive Kosten ab. Darüber hinaus biete sie die Vorteile der Kontrolle durch die Mitgliedskommunen und Transparenz sowie garantiere tarifgebundene Arbeitsplätze nebst betrieblicher Altersversorgung. Und juristisch gesehen kommt die Übertragung der Entsorgungsaufgabe auf ein kommunales Unternehmen einer Eigenerledigung durch die Stadt gleich. Deshalb sei der Einfluss Stolbergs auf die Durchführung größer.

Vom kommenden Jahr an ist die Abfallentsorgung somit eine kommunale Aufgabe, bei der das Steueramt sogar entlastet wird: Die Ummeldung von Tonnen erledigt zukünftig die Regio-Entsorgung.

Die bereitet sich von ihrem Dienstsitz in Eschweiler aus auf die zusätzliche Aufgabe in Stolberg bereits intensiv vor. „Wir wollen, dass die Umstellung mit dem Jahreswechsel reibungslos verläuft“, sagt Ulrich Koch. „Die Bürger sollen die Veränderung nicht, sondern allenfalls positiv bemerken“, betont der Geschäftsführer der Regio-Entsorgung. Die Gremien des Zweckverbandes haben bereits die erforderlichen Beschlüsse gefasst, um die entsprechenden Voraussetzungen schaffen zu können. Lediglich eine redaktionelle Anpassung der Satzung stehe noch aus.

Neben der Einsammlung und Verwertung des Altpapiers wird der Anbieter sich im kommenden Jahr neben der Abfuhr des Restmülls auch um die Organisation der Sperrmüll-Entsorgung sowie des Grünschnitts kümmern, der in allen Stadtteilen Stolbergs an Container-Standorten einmal pro Woche angeliefert werden darf.

Darüber hinaus wird vom kommenden Jahr an die Regio-Entsorgung einen Recyclinghof in der Kupferstadt einrichten und betreiben. Nach ersten Gedankenspielen am Unternehmenssitz, einen regional ausgerichteten Wertstoffhof neu zu errichten, „stehen wir jetzt in Erfolg versprechenden Gesprächen“: Koch möchte eine bestehende Immobilie in der Kupferstadt übernehmen und den Standards der Regio-Entsorgung entsprechend gestalten.

„In konstruktiven Gesprächen“ steht der Geschäftsführer darüber hinaus mit den bisherigen Anbietern, das Stolberger Portfolio der Mülltonnen, die sich im Eigentum der Entsorgungsfirmen befinden, komplett zu übernehmen – inklusive der in der Kupferstadt beliebten 35-Liter-Ringtonnen. „Eine Umtauschaktion zum Jahreswechsel muss ja nicht unbedingt sein“, unterstreicht Ulrich Koch den Anspruch, einen bürgerfreundlichen Service bieten zu wollen. Auch der Personalrat habe sich mit den Stolberger Spezialitäten angefreundet, berichtet der Geschäftsführer.

Der begrüße sicherlich auch die Schaffung von elf zusätzlichen Arbeitsplätzen, die den Standards von Tarif, Arbeits- und Gesundheitsschutz entsprechen, betont Koch. „Bei uns wechseln sich Fahrer und Entsorger alle zwei Stunden ab“. Sollten durch den Betreiberwechsel Mitarbeiter bisheriger Firmen freigestellt werden, unterbreitet ihnen die Regio-Entsorgung schon jetzt ein Angebot: „Alle dürfen sich bewerben“, erklärt der Geschäftsführer, für den die Übertragung der Stolberger Abfallentsorgung auch mit einem weiteren Auftrag verbunden ist.

Der Generationswechsel des Fuhrparks wird beschleunigt; zusätzliche Abfuhrfahrzeuge sollen beschafft werden. Einige Aufträge sind erteilt, für weitere laufen Preisverhandlungen. Vier zusätzliche Müllwagen werden zügig beschafft. Damit die Stolberger den Jahreswechsel genießen können und ihn nicht am Betreiberwechsel der Abfallentsorgung zu spüren bekommen.

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