100 Mitarbeiter stehen bei CAE zur Disposition

Von: Jürgen Lange
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Steuert neue Strukturen in Eur
Steuert neue Strukturen in Europa an: CAE setzt für die Zukunft auf seinen Trainingsbetrieb. Der Entwicklung und Fertigung von Simulatoren, hier ein NH-90-Cockpit, werden sinkende Marktchancen eingeräumt. Foto: CAE

Stolberg. Von der neuen Kündigungswelle bei der CAE Elektronik in der Steinfurt erfahren die Beschäftigten erst im Nachgang der Pressekonferenz zu den Quartalsergebnissen von Marc Parent im Montreal.

Seine Worte sind mehr als deutlich: „Wir haben im vergangenen Mai unsere Operationen für den militärischen Bereich in Europa auf eine niedrigere Nachfrage ausgerichtet”, sagt der Vorsitzende der kanadischen Muttergesellschaft: „Seitdem haben sich die Marktbedingungen weiter verschlechtert.”

Und das hat schwerwiegende Kon­sequenzen für den kanadischen Konzern wie für den Stolberger Standort. „Das Ergebnis sind geringere Einnahmen und Gewinne in Deutschland, die unsere gute Performance im übrigen militärischen Bereich einfach zunichte machen”, betont Parent.

Während der Konzern weltweit gute Geschäfte macht und seinen Umsatz in den ersten beiden Quartalen des CAE-Finanzjahres (1. April 2012 bis 31. März 2013) um 104,6 Millionen auf 781,2 Millionen Euro steigerte, brach gleichzeitig die Umsatzentwicklung auf dem deutschen Markt fast um die Hälfte auf 30 Millionen Euro ein. Pro Aktie um einen auf 14 kanadische Cent - oder in der Summe ausgedrückt von 30,2 auf 28,7 Millionen Euro - sinkt die Renditeerwartung der Anteilseigner.

Das ist Anlass zum Gegensteuern, denn die CAE erwartet angesichts der Reformen bei der Bundeswehr und den Einsparungen in weiteren europäischen Ländern eine zunehmende Absatzkrise im bisherigen Kerngeschäft von Entwicklung und Simulatorbau.

„Die Landschaft in Europa verändert sich”, sagt Parent, der die größeren Chancen für sein Unternehmen auf diesem Markt im Service für den Trainingsbetrieb sieht. „Wir müssen unsere Kapazitäten in der europäischen Region auf diese Realitäten ausrichten”, verweist Parent auf die nachhaltige Schwäche im Rüstungsbeschaffungsgeschäft. Zwar blickt die CAE konzernweit stolz auf ein weltweites Auftragsvolumen von 2,1 Milliarden Euro, aber die für Europa geplante Ausrichtung auf den Servicebetrieb wird die Umsatzentwicklung abflachen - allerdings auch längerfristig sichern.

Zu der angestrebten Restrukturierung stellt Montreal 11,8 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Volumen von rund 100 der insgesamt 600 Arbeitsplätze steht zur Disposition an den vier europäischen Standorten Stolberg und Bückeburg, Budapest und Burghess Hill in England.

Eine Projektgruppe soll sie auf Redundanzen überprüfen und effizienter ausrichten, betont Konzernsprecherin Pascale Alpha im kanadischen Montreal gegenüber unserer Zeitung. „Ziel ist eine eindeutige Konzentration auf den Servicebereich, der bislang nur die Hälfte des Geschäfts ausmacht.” Bis Weihnachten sollen die Ergebnisse vorliegen, so Alpha.

Burghess Hill, der Sitz der britischen CAE UK Plc., ist überwiegend, der Standort Bückeburg ausschließlich ein Trainingszentrum. Dieses gehört zur Stolberger CAE Elektronik GmbH, die insgesamt 419 Mitarbeiter beschäftigt - darunter auch knapp 50 Entwicklungsingenieure bei einer Tochtergesellschaft im ungarischen Budapest.

Am Standort Stolberg sind derzeit 290 Mitarbeiter tätig. „Da kann man sich ausrechnen, welcher Standort am stärksten von der Restrukturierung betroffen sein wird”, sagt Betriebsratsvorsitzender Erich Meyer. Sein Eindruck wird von Pascale Alpha durchaus bestätigt, die allerdings betont, dass „noch keine Vorentscheidungen getroffen sind”, sondern vor allem Synergieeffekte zur Kostenreduzierung erzielt werden sollen.

Dennoch schlägt die Nachricht aus Montreal in der Steinfurt wie eine Bombe ein. „Wir hatten gehofft, dass nach dem massiven Stellenabbau im Frühjahr nun Ruhe einkehrt”, sagt Meyer. Ein Drittel der Arbeitsplätze wurde gestrichen. „Jetzt liegt die Motivation der Belegschaft ganz am Boden.” Die Aussichten seien düster. „Keiner weiß, ob er Weihnachten noch seinen Job hat.”

Im Vergleich zu der Situation vor einem halben Jahr, als 145 Stellen und im Nachgang weitere 14, darunter auch die des langjährigen Geschäftsführers Ulrich Ader­hold, gestrichen wurden, habe sich allerdings die Gesprächskultur zwischen Belegschaft und Geschäftsführung verbessert.

Ian Bell, der neben der Leitung der britischen CAE auch die Geschäftsführung in Stolberg übernommen hat, „ist sehr kommunikativ und informiert uns regelmäßig”, hebt der Betriebsratsvorsitzende hervor. Zeitnah zur Quartalspressekonferenz wurde die Belegschaft unterrichtet, und am Montag tagte der Wirtschaftsausschuss. Noch vor den Feiertagen soll feststehen, „wer, wo, wenn gehen muss”, sagt Meyer.

Dass die Konzernleitung bei der zweiten Restrukturierungsphase schnelle Entscheidungen herbeiführen will, hat durchaus einen guten Grund. „Die Marktbedingungen in Deutschland haben sich noch schneller verschlechtert, als wir das erwartet haben”, so Marc Parent, „und es hat aufgrund des deutschen Arbeitsrechtes länger als erwartet gedauert, die Kostenstruktur senken zu können.”
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