Aachen - Zahl der über 65-Jährigen steigt gewaltig

Zahl der über 65-Jährigen steigt gewaltig

Von: Jutta Geese
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Aachen. Kaum ein Thema stellt die Kommunen vor so große Herausforderungen wie der demografische Wandel. Ob Schulpolitik, Straßen- oder Wohnungsbau, Arbeitsmarkt, Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs oder Ehrenamt: Die Politik vor Ort muss Antworten auf die Frage finden, wie sie damit umgehen will, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen ab-, die der alten Menschen aber drastisch zunehmen wird.

Auswirkungen dieser Altersverschiebung sind bereits heute zu spüren, etwa wenn Schulen geschlossen oder zusammengelegt werden müssen, weil es schlicht an ausreichend Kindern fehlt.

Und das ist erst der Anfang. Aktuelle Zahlen des Landesstatistikamtes, von der städteregionalen Stabsstelle Kultur, empirische Forschung und Gleichstellung heruntergebrochen auf die zehn Kommunen in der Städteregion, machen deutlich, wie gravierend sich die Bevölkerungsstruktur bis zum Jahr 2030 verändern wird. Zwar gehört die Städteregion zu den wenigen Regionen, für die ein leichter Bevölkerungszuwachs - von jetzt gut 565.700 auf dann 574.000 Einwohner, das entspricht einer Zunahme von 1,5 Prozent - prognostiziert wird.

Aber, sagt Jessica Lerche von der Stabsstelle, die Zahl der unter 20-Jährigen wird sich um zwölf Prozent verringern, wohingegen die Zahl der über 65-Jährigen um satte 40 Prozent gegenüber heute steigen wird. „Daran wird sich langfristig auch nichts ändern”, sagt Lerche. Denn die Geburtenrate in der Städteregion ist sehr niedrig. Im Jahr 2010 lag sie bei 1,29 - das war der drittniedrigste Wert NRW-weit bei 53 Kreisen und kreisfreien Städten. „Und je weniger Geburten es gibt, desto weniger Frauen gibt es, die potenziell später Mütter werden könnten.”

Unterschiedlicher Verlauf

Allerdings werden die Entwicklungen in den zehn Kommunen sehr unterschiedlich verlaufen, sagt Lerche. Während etwa den Statistikern zufolge die Einwohnerzahl von Würselen bis zum Jahr 2030 um fast 14 Prozent auf dann knapp 43.000 steigen wird, muss Monschau mit einem Bevölkerungsrückgang von rund 13 Prozent auf dann etwa 10 900 Einwohner rechnen. Zuwächse werden auch für Herzogenrath (+ 8,5 ), Roetgen
(+ 4,5 ), Baesweiler (+ 3,8 ) und Aachen (+ 2,7 ) erwartet, auf eine schrumpfende Einwohnerzahl müssen sich dagegen auch Simmerath (- 8 ), Eschweiler (- 5,9 ), Alsdorf (- 5,6 ) sowie Stolberg
(- 1,3 ) einstellen. Wobei Lerche betont: „Das sind keine gesicherten Zahlen, sondern Hochrechnungen.”

Ähnlich unterschiedlich wie die Bevölkerungsentwicklung wird auch der „Alterungsprozess” in den zehn Kommunen verlaufen, erläutert Lerche. „Mit der prozentual stärksten Zunahme an Menschen über 65 müssen voraussichtlich Roetgen und Simmerath rechnen.” Dort wird der Anteil der Älteren um 66 beziehungsweise 63 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 steigen. Für Baesweiler wird eine Zunahme um gut 50 Prozent erwartet, die Zahlen für Aachen, Würselen, Herzogenrath und Würselen liegen um die 40 Prozent, die für Alsdorf, Eschweiler und Stolberg um die 30 Prozent.

Zahlen, die den Handlungsdruck belegen. Die Städteregion hat bereits im vergangenen Jahr reagiert und unter der Federführung von Stabsstellenleiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier ein umfassendes Demografie-Kompendium erarbeitet. Das Ziel beschreibt sie so: „Das Kompendium bietet den Kommunen eine Stärken-Schwächen-Analyse und ermöglicht eine Diskussion vor Ort über Handlungsmöglichkeiten. Außerdem soll es neue Formen der kommunalen Zusammenarbeit initiieren.”

Bei einer Fachtagung am Mittwoch, 21. September, im Städteregionshaus sollen einerseits die drängendsten Handlungsfelder für die Zukunft herausgefiltert und andererseits konkrete Vernetzungsvorschläge erarbeitet werden. Die Bereitschaft, sich der Herausforderung „demografischer Wandel” zu stellen, ist in den Kommunen groß, hat Städteregionsrat Helmut Etschenberg festgestellt. Und das sei auch notwendig: „Bei diesem Thema dürfen wir nicht den Fehler machen, den die Politik häufig macht: Probleme auflaufen lassen und dann erst handeln.” Mit dem städteregionalen Demografie-Kompendium sei eine Basis gelegt. „Jetzt muss jede Kommune sehen, wie sie damit umgeht.”

Diskussion und Analyse in fünf Workshops

In fünf Workshops werden einige der Themen vertieft, die Jessica Lerche, Antje Rüter und Dr. Gabriele Veldkamp von der städteregionalen Stabsstelle Kultur, empirische Forschung und Gleichstellung in ihrem Eingangsreferat vorstellen werden: 1. Generationen; 2. Bildung; 3. soziale Infrastruktur; 4. Arbeit, Wirtschaft, Gewerbeansiedlung; 5. Mobilität, Stadtplanung, Wohnen.

Die Ergebnisse der Workshops werden dann im Plenum ab etwa 17.50 Uhr vorgestellt und diskutiert.

Veranstalter des Demografie-Forums ist die Städteregion in Kooperation mit der Arbeitsagentur Aachen, der Bertelsmann-Stiftung, dem Paritätischen in der Städteregion, der Evangelischen Kirche im Rheinland, der IHK Aachen, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion und unserer Zeitung. Die Moderation übernimmt Prof. Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten.

Anmeldungen zum Demografie-Forum am Mittwoch, 21. September, ab 14 Uhr im Haus der Städteregion, Zollernstraße16 in Aachen, sind bis zum 19. September unter Angabe des gewünschten Workshops möglich und zwar per E-Mail an: jessica.lerche@staedtregion-aachen.de.

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