Wo in Würselen aus Müll Strom und Wärme entsteht

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Städteregion Aachen. Wer da nicht die Nase rümpft, muss schon ganz schön hart im Nehmen sein. Als Joseph Stiller die Tür zur großen Halle der Vergärungsanlage in Würselen öffnet, schlägt ihm und seinen Gästen gleich ein unangenehmer Geruch entgegen.

Und wie befürchtet: Drinnen wird es nicht besser. Aber da muss man durch, wenn man sehen will, wie die neue Vergärungsanlage funktioniert - also rein.

Stiller, der beim Betreiber, dem Abfallentsorger AWA, für die Vergärungs- und Kompostieranlagen zuständig ist, geht vor, es folgen Politiker der Grünen, die sich die Anlage anschauen wollen. Drinnen liegen große Berge Bioabfall. Das ist der Rohstoff, aus dem in Würselen Gas und Kompost entstehen. Was so stinkt, ist Ammoniak. Das entsteht bei dem Gärungsprozess.

Was genau abläuft, erklärt Stiller: Die Abfälle werden aufgeschüttet. Am liebsten sind den Betreibern Küchenabfälle. Mit Laub lässt sich nicht viel Gas gewinnen. Sieben Fermentationstunnel gibt es. Die sind 26 Meter lang und fünfeinhalb Meter breit und vier Meter hoch.

Da bleibt der Biomüll 21 Tage drin. Dabei entsteht das Gas - das wird eingefangen und genutzt, um ein Blockheizkraftwerk anzutreiben, das Strom produziert, der in das Netz der Stawag eingespeist wird. Gleichzeitig entsteht Wärme, die an ein benachbartes Unternehmen verkauft wird, das damit Brennholz trocknet. So muss die Wärme nicht weit transportiert, werden. Und AWA findet einen Abnehmer, der die Wärme im Sommer, dann wenn die meisten Bioabfälle anfallen, benötigt.

Nach der Fermentation geht das, was noch übrig ist, für 18 Tage in die Intensivrotte. Gemischt mit neuem Bioabfall wird daraus Kompost.Insgesamt werden 45.000 Tonnen Biomüll jährlich in Würselen angeliefert. 30.000 Tonnen kann die AWA davon selber verarbeiten. „Im Sommer gibt es sehr viel Biomüll. Aber so ist die Anlage auch im Winter ausgelastet”, sagt AWA-Geschäftsführer Ulrich Koch. 18.000 Tonnen gehen durch den Vergärungsprozess. Der Rest wird anschließend zur Kompostierung genutzt.

All das erzählt Stiller in der Halle - der Gestank ist allgegenwärtig. Das hält Dr. Thomas Griese, Mitglied des Städteregionstags und Staatssekretär in Rheinlandpfalz, Bundestagsmitglied Oliver Krischer, Landtagsmitglied Grudrun Zentis und grüne Lokalpolitiker aus der Region nicht davon ab, Fragen zu den ablaufenden Prozessen zu stellen. Besonders Griese und Krischer wollen es genau wissen.

Kein Wunder, schließlich zählten sie zu den Initiatoren der Anlage. „Damals mussten wir grundlegende Überzeugungsarbeiten leisten. Dass es jetzt so weit ist, dass wir die Anlage haben, ist grandios”, sagt Griese. „Wir nutzen hier eine erneuerbare Energiequelle, die wir sonst einfach verschwenden würden”, sagt er. Die Nettoinvestitionssumme für die Anlage liegt bei zehn bis elf Millionen Euro. „Damit liegen wir genau im Plan”, sagt Koch.

Seit Januar läuft die Anlage im Probebetrieb. „Aktuell läuft die sogenannte Leistungsfahrt”, sagt Stiller. Dabei will man herausfinden, ob die Gasmengen und die Qualität, den Vorstellungen entsprechen.
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