Werdende Mütter fühlen sich häufig überfordert

Von: Stefan Schaum
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Seit kurzem zu Gast in der Kit
Seit kurzem zu Gast in der Kita „Löwenburg”: Claudia Blau (r.) bietet nun auch dort Beratungstermine an. Kita-Leiterin Beate Scheen begrüßt das Angebot sehr.

Nordkreis. Eine unbändige Vorfreude auf das Baby schwingt in den Gesprächen nur sehr selten mal mit. Dort stehen ganz andere Dinge im Vordergrund: finanzielle Nöte, Stress mit dem Arbeitgeber, dem Partner, den Eltern. Oder die Angst, nicht richtig für das Kleine sorgen zu können; noch nicht bereit zu sein für die große Aufgabe.

„Der Beratungsbedarf nimmt zu”, sagt Katja Bock. Die Diplom-Sozialarbeiterin gehört zum Team der Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Der hat sein Angebot im Nordkreis jetzt erweitert.

Frustration statt guter Hoffnung

Allein im vergangenen Jahr haben gut 100 Frauen Rat bei Katja Bock gesucht. Im städtischen Familienzentrum Florianstraße in Alsdorf ist sie Ansprechpartnerin für werdende Mütter aus Alsdorf, Herzogenrath und Würselen. Die, die zu ihr kommen, bleiben heute oft länger als noch vor ein paar Jahren. Es sind Langzeitfälle, wie sie sie nennt. Denn bei diesen Frauen ist es längst nicht damit getan, einen passenden Geburtsvorbereitungskurs zu empfehlen oder eine Hebamme. Sie stehen oft vor einem ganzen Haufen von Problemen, die möglichst vor dem Geburtstermin gelöst sein wollen.

Nicht selten sind es besonders junge Frauen, die vor ihr sitzen. Manche ohne Schulabschluss, viele ohne berufliche Perspektive, die meisten ohne Geld. Ungeheure Frustration statt guter Hoffnung. „Da hat ein junges Paar vielleicht gerade eine neue Küche finanziert - prompt verliert der Mann seine Arbeit und die Frau ist schwanger”, sagt Katja Bock. Dann überlegt sie gemeinsam mit den Betroffenen, welche Ansprüche auf Unterstützung es gibt, wo die passenden Ansprechpartner in Behörden oder bei Stiftungen sitzen.

Auch eigene finanzielle Unterstützung können die Beratungsstellen anbieten, wenn andere Quellen erschöpft sind. Genug Geld kann die Beraterin etwa für die Erstausstattung eines Neugeborenen oder Umstandskleidung gewähren. Eben das dringend Nötige. Anschließend geht es darum, nach Wegen zu suchen, wie sich Kind und ein Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Beruf vereinbaren lassen. Leicht ist das nicht. Bock: „Kinder sind heute auch ein Armutsrisiko. Wir nehmen das mit Erschrecken zur Kenntnis.”

Was würde sie wohl als Erfolg ihrer Arbeit werten? „Es ist doch schon ein Erfolg, wenn Frauen, die sich in ihrer Lage oft sehr einsam fühlen, einfach mal reden und sich hinterher erleichtert fühlen.”

Die Balance halten

Dass die Balance aus Zuhören und Helfen stets ein Balanceakt ist, weiß auch ihre Kollegin, die Diplom-Sozialpädagogin Claudia Blau. Sie betreut die Beratung in Baesweiler. „Die Arbeit ist eigentlich immer eine Gratwanderung. Die Frauen sollen sich nicht bevormundet fühlen. Gegenseitiges Vertrauen spielt da eine große Rolle.” Auch sie bietet ihre Gesprächstermine in Kindergärten an, etwa der integrativen Kita „Löwenburg” in Setterich.

Die Wahl des Ortes kommt nicht von ungefähr. „Ein Kindergarten bietet Frauen eine besonders entspannte, angenehme Atmosphäre. Hier begegnen sie auch Kindern, was für manche, die noch Probleme mit dem Gedanken an eine Muterrolle hat, sicher hilfreich ist.” Darum geht es in den Gesprächen auch immer - den Frauen ein Gespür für das Muttersein zu vermitteln. „Die Beratung ist immer ganz auf den Einzelfall abgestimmt. Da sind wir gefordert.”

Kontaktadressen und Angebot im Überblick

Beratungstermine in der Kita an der Florianstraße in Alsdorf finden donnerstags statt. Jeweils von 8 bis 12.30 Uhr sind Ratsuchende aus Alsdorf, Herzogenrath und Würselen nach vorheriger Anmeldung dort willkommen. Zusätzlich bietet Diplom-Sozialarbeiterin Katja Bock jetzt auch an jedem ersten Montag eines Monats dort Sprechzeiten an, jeweils von 14 bis 17 Uhr.

In Baesweiler findet die Beratung an zwei Stellen statt. Am zweiten Freitag eines Monats ist Diplom-Sozialpädagogin Claudia Blau zu Gast im Familienzentrum „Sonnenschein”, Im Kirchwinkel 19. Von 9 bis 12 Uhr sind Termine dort möglich. Ebenfalls in dieser Zeit findet am jeweils vierten Freitag eines Monats die Beratung in Setterich statt, dort in der Kita „Löwenburg”, Emil-Mayrisch-Straße.

Eine telefonische Anmeldung für die kostenlosen Termine ist in jedem Fall erforderlich. Vermittelt werden die Gespräche vom Sozialdienst katholischer Frauen in Stolberg, 02402/951640.

Eine Begleitung durch die Beraterinnen ist auch über den Geburtstermin hinaus möglich. Bis zum dritten Lebensjahr des Kindes kann die Beratung auf Wunsch dauern. Auch ein Elterntraining zur Vorbereitung auf die Elternrolle gehört zum Angebot.

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