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Weniger Verletzte, mehr Tote

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Schon wieder ein Unfall: Rund 18.800 Mal hat es im vergangenen Jahr in Stadt und Kreis Aachen gescheppert - am häufigsten donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Foto: Imago/Stock

<b>Stadt und Kreis Aachen.</b> Ob die 29-jährige Frau, die auf der Landstraße zwischen Alsdorf und Eschweiler mit einem Lastwagen zusammenstieß und starb.

Ob der 37-jährige Radfahrer, der einen mit Blaulicht und Martinshorn neben ihm am Aachener Elisenbrunnen fahrenden Notarztwagen nicht gehört hatte, weil er per Kopfhörer laute Musik gehört hatte; oder ob die 15-Jährige, die bei Monschau als Beifahrerin starb, als der alkoholisierte Pkw-Fahrer von der geraden Fahrbahn abkam und mit der Beifahrerseite gegen einen Baum stieß - die Polizei musste im vergangenen Jahr zu weitaus mehr tödlich verlaufenen Unfällen eilen als noch ein Jahr zuvor.

24 Menschen starben bei 22 Unfällen, im Jahr 2007 waren 17 Menschen ums Leben gekommen.

Ein generelles Erklärungsmuster für diese Entwicklung kann die Polizei nicht nennen. Zu unterschiedlich waren die Unfallhergänge, zu unterschiedlich auch die Unfallorte. Und die fehlenden Unfallschwerpunkte machen es für die Polizei schwierig, gezielt auf die Entwicklung zu reagieren. Das würde sie gerne, denn mit größer angelegten Kampagnen hätte sie im Vorjahr Erfolg gehabt, bilanzierten am Dienstag Polizeipräsident Klaus Oelze und Polizeidirektor Jörg Pionke.

Beispiel Alkohol: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Alkohol am Steuer sank um zwölf Prozent auf 280. Gezielte Kontrollen - vor allem an Wochenenden in der Nähe von Diskotheken und Festen - hätten dazu beigetragen. 400 Alkoholsünder seien aufgefallen, 230 wurden den Lappen los - einer von ihnen mit 3,73 Promille im Blut. Der Spitzenwert fürs Jahr 2008. In diesem Zusammenhang betont Oelze, dass die Polizei weiterhin junge Erwachsene im Blick hat. Schließlich war diese Altersgruppe an 81 von den 280 „Alkoholunfällen” beteiligt.

Beispiel Motorradfahrer: Mit fünf Kradfahrern starb 2008 einer weniger als 2007. Zudem seien durch intensive Kontrollen über 400 Verstöße geahndet worden, sagte Pionke. 57 Raser mussten den Führerschein abgeben. Die Zahl der schwerverletzten Kradfahrer sank um 25 Prozent.

Auch die Zahl der Unfälle mit Radfahrern (minus 13) und Senioren (minus 14) ging zurück, ebenso die der Leichtverletzten (minus 160 auf 2181) und der Schwerverletzten (minus 23 auf 412). Und so betont der Polizeipräsident, dass die Schwerpunkteinsätze der Polizei erfolgreich gewesen seien. Vor allem gezielte Aktionen wie zur Bekämpfung von Kradunfällen in der Eifel, von Radunfällen in der Aachener Innenstadt oder die vermehrten Alkoholkontrollen hätten ihre Wirkung gezeigt.

Sorge bereitet Oelze unterdessen die steigende Zahl der Unfälle mit Kindern (245, davon 46 auf dem Schulweg). Vor allem vor dem Hintergrund der Präventionsarbeit und zahlreicher vorbeugender Projekte. So seien die Verkehrssicherheitsberater der Polizei ständig auf Achse und hätten im Vorjahr bei über 300 Veranstaltungen flächendeckend Eltern und Kinder für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert.

Auf Unverständnis stößt daher bei der Polizei, dass bei Kontrollen vor Schulen und Kindergärten viele nicht angeschnallte Kinder in den Autos saßen. Denn bei 77 Verkehrsunfällen wurden Kinder als Mitfahrer verletzt. Weitere 64 verunglückten als Radfahrer und rund 100 Kinder als Fußgänger.

Die Kommunen im Einzelnen:

Stadt Aachen: Die Zahl der Unfälle ist in Aachen um zwei Prozent auf 10.648 gestiegen. Während die Anzahl der Unfallverletzten um mehr als zehn Prozent (von 1466 auf 1316) zurückging, stieg die Zahl der Unfalltoten auf Aachens Straßen von sechs auf neun. Zwei Pkw-Fahrer, der Fahrer eines Kleinkraftrades, zwei Motorradfahrer, zwei Fußgänger, ein Radfahrer und ein Businsasse starben bei Verkehrsunfällen.

Die Verkehrsunfälle mit Personenschäden konnten um über sechs Prozent auf 1069 gesenkt werden. Die 2007 als Problemfelder herausgestellte Unfallbeteiligung von Senioren ging um neun Prozent, von jungen Erwachsenen gar um 17 Prozent zurück.

In der Stadt Aachen stiegen die Unfälle, bei denen Alkohol am Steuer eine Rolle spielte von 135 auf 140. Den höchsten Alkoholwert mit knapp über drei Promille hatte ein 54-jähriger Autofahrer. Er war gegen ein anderes Auto gefahren, hatte zuvor Blaulicht, Martinshorn und die Aufforderung der Beamten über Außenlautsprecher, er solle stehen bleiben, nicht mitbekommen.

Gestiegen sind die Kinderunfälle um fünf Prozent auf 98 und dabei die Unfälle auf dem Weg zur oder von der Schule gar von sieben auf 18. Es wurden 14 Kinder leicht und vier Kinder schwer verletzt. Die Analysen haben ergeben, dass sich diese Unfälle über das gesamte Stadtgebiet verteilen und es keinen Schwerpunkt in einem bestimmten Ortsbereich gibt. Zudem geschahen die meisten dieser Unfälle nicht in unmittelbarer Nähe der Schule, sondern auf dem erweiterten Schulweg.

Jeweils die Hälfte der Schulkinder war als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs. Die Polizei war 2008 mit den Aktionen „Hell fällt auf” und „Sicher mit dem Fahrrad unterwegs” an vielen Schulen präsent und hat eindringlich auf die Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen.

Alsdorf: In Alsdorf ist die Zahl der Verkehrsunfälle um vier Prozent auf 1297 zurückgegangen. Verkehrsunfälle mit Verletzten stiegen um zwei auf 166. Mitte Februar wurde in der Konrad-Zuse-Straße eine 50-jährige Mofafahrerin von einem rückwärts fahrenden Lkw erfasst und getötet.

Entgegen dem allgemeinen Trend im Kreis konnte die Zahl der Kinderunfälle in Alsdorf leicht gesenkt werden. Von 23 auf 21 Unfälle. Auch die Schulunfälle gingen von drei auf zwei zurück.

Die Unfälle mit Radfahrern und das Fahren unter Alkoholeinfluss, beides eklatant negative Phänomene aus der 2007er Bilanz, konnten wirksam reduziert werden.

Baesweiler: Baesweiler zeigt eine recht „grüne” Statistik auf. So ging die Zahl der Gesamtunfälle um genau 100 Verkehrsunfälle auf 476 zurück. Weiter sanken die Zahlen der Unfälle mit Verletzten, Schwerverletzten und der Schulwegunfälle. Dagegen stieg die Zahl der Kinderunfälle von 10 auf 13.

Anfang Juli verunglückten in Baesweiler auf der B56 zwei 28- und 59-jährige Frauen in einem Pkw tödlich. Aus ungeklärter Ursache war die Fahrerin in den Gegenverkehr geraten und dort mit einem Pkw zusammengestoßen.

Herzogenrath: Die Gesamtzahl der Unfälle ging um vier auf 1025 Unfälle zurück; Unfälle mit Personenschaden gab es elf weniger (136). Angestiegen sind dagegen die Unfälle, bei denen Kinder unmittelbar beteiligt waren (11 auf 15). Genauso stieg die Zahl der Schulwegunfälle von einem auf vier.

Auffällig in Herzogenrath ist die Zahl der Radfahrunfälle (26 auf 32). Offenbar haben sich häufige Kontrollen im Grenzgebiet herumgesprochen. Es gab keinen Unfall, bei dem Drogen im Spiel waren. Die Zahl der Unfälle mit Alkohol am Steuer ging von 26 auf 22 zurück. 2007 hatten vor allem Unfälle, bei denen Senioren beteiligt waren, für Aufsehen gesorgt. 2008 sank die Zahl von 22 auf 17. Verkehrsunfalltote gab es in Herzogenrath nicht.

Würselen: Die Unfallentwicklung in Würselen stellt sich im Großen und Ganzen erfreulich dar obwohl die Zahl der Gesamtunfälle um vier Prozent auf 1396 gestiegen ist. Jedoch gibt es in der Statistik viele „grüne” Bereiche. So sanken die Zahlen bei Unfällen mit Verletzten um 12 Prozent (151), mit Kindern um 26 Prozent (17).

Allerdings hatte es im November auf dem Willy-Brandt-Ring zwei Verkehrstote gegeben. Ein älteres Ehepaar war mit seinem Pkw gegen einen entgegenkommenden Lkw geprallt und hatte dabei tödliche Verletzungen erlitten. Auffällig in Würselen ist die Anzahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss (15 auf 24).

Eschweiler: Eschweiler hatte 2007 aufgrund der vielen Alkoholunfälle ins Auge gestochen. Dies war offensichtlich auf das nächtliche Freizeitangebot junger Erwachsener in Eschweiler zurückzuführen. Diese Unfälle konnten von vormals 47 auf nun 27 heruntergeschraubt werden. Ein Erfolg der zahlreichen Alkoholkontrollen in diesem Bereich.

Dennoch bleiben junge Erwachsene weiterhin im Visier der Ordnungshüter. Ihre Beteiligung an Unfällen stieg von 40 auf 59. Ursachen waren hierbei überwiegend überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit.

Anfang Februar kam auf der Wardener Straße ein 33-jähriger Autofahrer ums Leben als er mit seinem Pkw aufgrund von Glatteis gegen einen Baum prallte. Ende Oktober verstarb ein 37-jähriger Pkw-Fahrer auf der Rue de Wattrelos nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw.

Monschau: Wenngleich die Gesamtunfallzahlen von 304 auf 291 zurück gingen, verletzten sich 77 Verkehrsteilnehmer, drei starben auf den Straßen Monschaus (Vorjahr 1).

Das Jahr 2008 war gerade zwei Stunden alt, als ein 61-jähriger Autofahrer auf der K26 nach einem Unfall verstarb. Nach einer Kollision mit einem Pkw am Kreisverkehr Flora verstarb Anfang Mai ein 43-jähriger Mofafahrer.

Nachhaltig in Erinnerung ist der Unfall vom 8. November vergangenen Jahres, als im Bereich Hatzevenn eine 15-jährige Beifahrerin starb, als der alkoholisierte PKW-Fahrer von der geraden Fahrbahn abkam und mit der Beifahrerseite gegen einen Baum stieß.

Die Ausschläge in der Monschauer Unfallstatistik sind nicht gravierend. Weder nach oben noch nach unten. Auch die Kinder- und Schulwegunfälle sind auf einem gleich gebliebenen niedrigen Niveau.

Roetgen: Von allen Kommunen im Kreis Aachen weist Roetgen die geringsten Fallzahlen auf. Bei den Gesamtunfällen hat es einen Zuwachs um 24 auf 194 gegeben. Unfälle mit Verletzten gab es einen weniger (30). Schwerverletzte, also Unfallopfer mit einem längeren Krankenhausaufenthalt, gab es vier weniger (5).

An der Kreuzung Hahner Straße/Lammersdorfer Straße verunglückte im Sommer ein 61-jähriger Motorradfahrer nach einer Kollision mit einem Lkw tödlich. Zwischen Roetgen und Rott verunglückte im August ein 21-jähriger Autofahrer, als er ins Schleudern geriet und gegen einen Pkw prallte. Der junge Autofahrer verstarb noch an der Unfallstelle.

Unfälle mit Radfahrern waren 2007 noch auffällig (10). Erklären konnte man sich den Anstieg seinerzeit nicht. Die Ursachen und Schwerpunkte waren nicht festzumachen. So ist auch ehrlicher Weise der Rückgang auf nunmehr vier Unfälle mit Radfahrern nicht zu erklären.

Auffällig die Beteiligung junger Erwachsener am Unfallgeschehen in Roetgen. An knapp 20 Prozent aller Verkehrsunfälle in Roetgen waren junge Erwachsene beteiligt. Erfreulich: Die Zahl der Kinderunfälle ging von sechs auf drei zurück. Schulwegunfälle gab es keine.

Simmerath: Zwar ist Gesamtzahl der Verkehrsunfälle von 428 auf 409 gesunken, doch haben die Unfallfolgen zu 82 „Personenschäden” (Vorjahr 60) geführt. Ein Motorradfahrer wurde 2008 getötet, nachdem er auf der L166 in der Zufahrt zum Hof Berensheck mit einem Traktor kollidiert war, der gerade in Richtung Hof abbiegen wollte.

Auch 2008 hat die Gemeinde Simmerath viel Polizei gesehen. Vor allem an Wochenende und Feiertagen im Sommerhalbjahr, der Hauptreisezeit der Motorradfahrer. Wie schon seit Jahren kontrollierte die Polizei nicht nur in diesem Bereich, sondern suchte gezielt das Gespräch mit den Bikern. Dennoch wurden viele Motorradfahrer bei zum Teil erheblichen Verstößen erwischt und erhielten darauf hin eine Verwarnung, Anzeige oder im Extremfall sogar ein Fahrverbot.

Die Kontrollen zeigten Wirkung. Es blieb bei einem tödlichen Unfall in diesem Bereich. In 11 Unfällen waren Kinder verwickelt. Eine drastische Steigerung zum Vorjahr, als es zwei waren. Beide Werte weichen von dem Mittelwert (6) der letzten fünf Jahre ab.

Auch Radfahrer verunglückten in den Ortslagen um Simmerath so oft wie nie zuvor, nämlich 13 Mal (Vorjahr drei). Die Unfälle verteilten sich über den gesamten Bereich von Simmerath. Örtliche Schwerpunkte waren nicht festzustellen. Die meisten Unfälle waren in der Altersgruppe von 45 bis 73 Jahre. In nur zwei Fällen trugen die Radfahrer Schutzhelme.

Stolberg: Mit 1391 Unfällen insgesamt weist die Stolberger Statistik einen Verkehrsunfall weniger als 2007 auf. Ansonsten zeigen sich in Stolberg sehr viele „grüne” Bereiche. Das sah vor Jahren noch ganz anders aus. Niedriger als 2007 sind die Anzahl der Unfälle mit Verletzten (-25), die Unfälle mit jungen Erwachsenen (-9), Unfälle, an denen Senioren beteiligt waren (-7) und so genannte Radfahrunfälle (-2).

Gestiegen sind die Kinderunfälle (von 23 auf 30) und damit auch einhergehend die Schulwegunfälle (von drei auf sieben). Alle sieben Kinder wurden leicht verletzt. Sechs der Unfälle ereigneten sich im engeren Stadtgebiet von Stolberg. Dort, wo sich gleich mehrere Schulen befinden. Vier Mal haben sich die Kinder nicht richtig verhalten, zwei Mal war das Verhalten von Autofahrern ursächlich für den Unfall. In einem Fall war ein 11-jähriges Kind ohne Fremdeinwirkung mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule gestürzt.

Die Verkehrssicherheitsberater haben unmittelbar nach der Häufung der Schulwegunfälle verstärkt Präsenz gezeigt und auch repressive Aktionen im Bereich von Schulen durchgeführt. Vornehmlich waren das Geschwindigkeitskontrollen und Überwachung der Anschnallpflicht.
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