Aachen - Wasserverband Eifel-Rur: Bäche sollen aus Korsett geholt werden

Wasserverband Eifel-Rur: Bäche sollen aus Korsett geholt werden

Von: Jutta Geese
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Schnurgerade: Der Broicher Bach in Alsdorf soll wie viele andere Gewässer in der Region zumindest in Teilen renaturiert werden. Foto: Stefan Schaum

Aachen. Ziemlich teuer wird die Umsetzung der „Richtlinie 2000/60/EG” der Europäischen Union aus dem Jahr 2000, auch bekannt als EU-Wasserrahmenrichtlinie, für den Wasserverband Eifel-Rur (WVER) in den kommenden Jahren.

Doch entgegen einer ersten groben Schätzung von vor vier Jahren muss der WVER vermutlich „nur” rund 250 Millionen Euro statt der damals kalkulierten 420 Millionen Euro in die Renaturierung von Flüssen und Bächen in der Städteregion sowie den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen investieren. Und er hat für die Umsetzung länger Zeit als ursprünglich gedacht: Eigentlich sollten sämtliche Gewässer europaweit bis zum Jahr 2015 in einen guten Zustand gebracht sein, doch jetzt gibt es eine Fristverlängerung bis zum Jahr 2027.

„In erster Linie geht es bei uns darum, die Struktur der Fließgewässer zu verbessern”, erläutert Robert Steegmanns, Dezernent für Gewässer beim WVER. „Die Wasserqualität in unserem Zuständigkeitsbereich ist in Ordnung.” Früher habe man viele Bäche nach dem Motto „Landwirtschaft geht vor” begradigt, teilweise sogar in Rohren unter die Erde verlegt.

Das habe allerdings mancherorts zu Problemen bei Hochwasser geführt. Und die Tier- und Pflanzenwelt habe erheblich gelitten. Inzwischen laute die Devise daher „Zurück zur Natur”: Verrohrte Bäche werden wieder freigelegt, die Bachläufe und Ufer werden naturnah gestaltet und Überschwemmungsflächen geschaffen.

Ging man bis vor kurzem noch davon aus, dass nur die Renaturierung auf einer möglichst langen zusammenhängenden Strecke die Gewässerökologie spürbar verbessert, hat sich inzwischen die sogenannte Strahlwirkungstheorie bestätigt. Steegmanns: „Das bedeutet, dass von einem ökologisch aufgewerteten Bachstück flussab- und flussaufwärts positive Effekte für Kleinstlebewesen und Fische ausgehen.” Und das auf Strecken von 900 bis zu 5000 Meter.

Dieses „Trittsteinprinzip” senkt die Kosten für die nach der EU-Richtlinie erforderlichen Maßnahmen gewaltig. Untersuchungen haben ergeben, dass im WVER-Gebiet 110 solcher „Trittsteine” geschaffen werden müssen, um die EU-Vorgabe zu erfüllen. Die entsprechenden Pläne werden Zug und Zug entwickelt und in Ansprache mit dem NRW-Umweltministerium umgesetzt. Schließlich trägt das Land 80 Prozent der Kosten.

Erfahrung mit solchen Renaturierungsprojekten hat der WVER schon reichlich. Ungefähr 20 wurden bislang erfolgreich verwirklicht. Das bislang größte und mit etwa drei Millionen Euro teuerste Projekt war dabei die Verlegung der Inde bei Eschweiler. Kleinere, aber nicht minder wertvolle Maßnahmen, wurden etwa an der Wurm sowie am Wild- und am Amstelbach in Aachen, am Grölisbach in Roetgen oder am Broicher Bach in Alsdorf umgesetzt.
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