Aachen - „Vienchen“ ist die Schönste der Region

„Vienchen“ ist die Schönste der Region

Von: Jule Klieser
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Vienchen ist die neue „Miss Aachen“, die beste Kuh der Städteregion. Stolz präsentiert ihr Besitzer Thomas Ewig mit Sohn Jannek das Tier bei der Kuhschau. Foto: J. Klieser

Aachen. Die schönste Kuh der Städteregion steht fest. Sie heißt Vienchen und stammt aus Stolberg-Breinig vom Brauneberger Hof. Bei der Kuhschau Aachen hat sie am vergangenen Freitagabend den Titel „Miss Aachen“ bekommen.

Ob sie weiß, wie ihr geschah? Die rund 60 Kühe, die bei der Schau präsentiert wurden, wirkten im Vorführring manchmal ein wenig nervös und versuchten, richtig zu machen, was ihre geduldigen Menschenführer ihnen bedeuteten. Sie konnten ja nicht wissen, wo genau sie sich hinstellen sollen. Scheinwerferlicht, Zuschauer rund um den Ring und die Stimme von Preisrichter Gerd Luyven aus den Boxen galt es zu bewältigen.

Denn das war jetzt der große Moment, wo die Paarhufer gruppenweise und nach Alter geordnet auf den in der Reithalle hergerichteten Präsentationsplatz geführt wurden. „Das haben die Tiere prima hingekriegt. Keine Kuh macht etwas mit, was sie nicht will“, lobte Peter Chorus, Vorsitzender des Rindviehzuchtvereins, im Nachhinein die Vierbeiner.

Gemütlich und angenehm war der Nachmittag für die Kühe gewesen. Nach und nach wurden die Wettbewerbsteilnehmer von ihren Besitzern, Landwirten von Monschau bis Aachen, herangefahren. Sie waren schon so schön sauber, gewaschen mit Wasser und Shampoo. An den Seiten der Halle durften sie auf weichem, duftendem Stroh Platz nehmen, wurden umsorgt von denen, die sie her gebracht hatten. Falls sie mal was fallen ließen, kam sofort jemand herbei, um ihnen mit Küchenrollenpapier das Hinterteil abzuputzen.

Es war so luftig, hell und ruhig in der schön geschmückten Halle. Viele Kinder der Landwirte waren da, fütterten, hüteten und streichelten ihre Lieblinge, das jüngste von ihnen ein niedliches, 12 Wochen altes Kälbchen. Für sich selbst hatten manche Kinder einen Picknickkorb dabei, und das Ganze wirkte wie ein Familienfest mit Kühen. Nur die Väter, Landwirte und Mitglieder im Rindviehzuchtverein, wuselten herum, denn es gab noch viel zu organisieren und herzurichten.

Eine Kuh nach der anderen wurde für ein Weilchen von ihrem Platz abgeholt und zum „Friseur“ gebracht. Da hieß es für das Tier eine Weile stillhalten, denn Ausbüchsen war jetzt nicht angesagt.Ein Kuhfitter oder eine Kuhfitterin kämmt, bürstet und föhnt das Fell. Diese Prozedur war aber eher angenehm, auch wenn vom Euter jedes Härchen abrasiert wurde.

Erica Rejneveld ist Kuhfitterin und für den Anlass aus Holland angereist. Sie liebt ihren Beruf und reiste schon bis Kanada und die USA, um Kühe für Wettbewerbe fein zu machen. „Wir richten die Kühe auf Schauen her, unter anderem, damit die Oberlinie gerade ist“. Dazu werden die Härchen am Rücken geschnitten, toupiert und geföhnt.

„Es kommt darauf an, wie fein das Skelett ist und wie lang der Hals. Harmonischer Körperbau und Rippenausprägung, Vorderhandstärke und Beckenlage spielen eine Rolle, außerdem der Gang, die Beinstellung, klare Gelenke und Euter“, erläuterte Alexander Thoenes, der bei der Städteregion unter anderem für Tierzuchtberatung zuständig ist. Als Vorstandsmitglied im Rindviehzuchtverein hat er die Veranstaltung, die seit Mitte der 1990-er Jahre beim Reiterhof Zintzen bei Gut Kaisersruh stattfindet, mit organisiert.

Also ist die Kuhschau ein reiner Schönheitswettbewerb? Den Landwirten geht es um die Pflege einer Jahrtausende alte Tradition. Und die Schönheit einer Kuh verweist auch auf ihre Qualitäten. „Eine Milchkuh soll möglichst alt werden. Es geht auch darum, wie gebärfreudig sie ist und um ihre Gesundheit“, sagt Peter Chorus.

„Sehr chice Kuh“, „mehr Euterfülle“, „gutes Becken“, „Klasse Kuh von vorne bis hinten“ lauten am Abend dann einige Kommentare des Preisrichters während der Präsentation. Hier bei der Show wird der individuelle Charakter jedes Tieres deutlich. Manche zeigen ihr Temperament, wenn sie hereingeführt werden, indem sie bocken und springen. Andere schreiten stolz einher, als wüssten sie, worum es geht.

Wieder andere folgen lammfromm ihrem Führer oder ihrer Führerein, die alle an diesem Abend in Dirndl und Lederhosen auftreten, denn das Motto des Abends heißt „Oktoberfest“. Besonders werden die Kinder der Jungtierzüchter willkommen geheißen, wenn sie liebevoll und professionell die Kälber führen. Preisrichter Luyven weiß jedes einzelne zu würdigen. Die jungen Leute der Landwirte hatten anschließend einiges zu tun mit dem Übermut der „Teenager“-Kühe.

Zum Star des ganzen Abends schließlich „Vienchen“ auf, eine solide achtjährige Schwarzbunte, Mutter von mittlerweile sieben Kälbern.

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