bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Vennbahntrasse: Grünes Licht für neuen Radwanderweg

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
ravel_bild
Demontage: In der Eifel werden die Schienen der alten Vennbahntrasse abgebaut, um Platz für Radfahrer zu machen. Foto: Peter Stollenwerk

Aachen. Natürlich gab es Skepsis. Wegen der Kosten. Denn immerhin werden rund 11,3 Millionen Euro aufgerufen, um ein knapp 70 Kilometer langes Teilstück des geplanten Radwanderwegs zwischen Aachen und Troisvierges in Luxemburg zu bauen, der insgesamt mit rund 16 Millionen veranschlagt wird. Das ist viel Geld. Und das sorgte für viele Fragezeichen und für so manche Sorgenfalte.

Doch es gab auch viel Zuspruch für die Idee eines grenzüberschreitenden Radwegs. Im deutschsprachigen, im wallonischen und im europäischen Belgien, sprich Brüssel. Aber auch in Deutschland, in Stadt und Kreis Aachen. Und am Ende, da überwog schließlich die Zuversicht.

Nachdem die Finanzierung stand, gab die Euregio Maas/Rhein jetzt grünes Licht für das Projekt Vennbahnroute, das die Radler entlang der stillgelegten Bahnstrecke - und das ist der Clou - mit einer maximalen Steigung von zwei Prozent auf 130 Kilometern durch drei Länder führt.

„Jetzt geht es endlich los, jetzt werden die definitiven Pläne erstellt”, sagt Bernd Gentges, den man getrost als geistigen Vater des Projekts bezeichnen darf. Und er atmet dabei etwas tiefer durch. Denn es war ein langer Weg, alle Partner von der Idee einer touristischen Nutzung der Trasse zu überzeugen und die Gelder zu akquirieren.

Wobei für den Vize-Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens nie in Zweifel stand, dass der Radwanderweg gebaut werden würde. Zumindest sagt er das heute. „Ich habe nie den Glauben daran verloren.”

Aber, und das gesteht der für Tourismus zuständige Minister dann auch ein: „Es gab schon spannende Momente.” Vor allem, was die Finanzierung betraf. Aber auch auf diplomatischer Ebene mussten Irritationen beigelegt werden. Auslöser war der im Jahr 2007 für den Radwanderweg begonnene Abbau der Vennbahntrasse, die zwar durch deutsches Gebiet führt, aber durch den Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg an Belgien abgetreten worden war.

Was dann folgte, bezeichnet Gentges als „Sturm im Wasserglas”. Zwar wurde auch in Berliner Ministerien die Meinung eines ostbelgischen Regierungskommissars zur Kenntnis genommen, dass die Rückgabe des belgischen Staatsgebiets eine Konsequenz aus dem Abbau der Trasse sein könnte - wenn denn Deutschland darauf Anspruch erheben würde. Aber dies beabsichtigt niemand.

Schließlich geht es den Verantwortlichen in der Region nicht darum, Belgien ein paar Quadratkilometer zu verkleinern, sondern um Zusammenarbeit. Vor allem auf touristischer Ebene. Denn es gibt ein Ziel: „Die deutsch-belgisch-luxemburgische Mittelgebirgsregion Eifel-Ardennen hat das Potenzial, zu einer touristischen Top-Adresse zu werden”, wird Kreisdirektor Helmut Etschenberg nicht müde, die Werbetrommel zu rühren.

Und zumindest auf zwei neuen Wegen sollen die Touristen in die Drei-Länder-Region strömen: Der jüngst eröffnete Eifelsteig von Aachen nach Trier soll in Verbindung mit dem Ardennensteig, der 2012 fertig sein soll, die Wanderer in die Region locken, während die Radler spätestens 2012 über die Vennbahnroute durch Eifel und Ardennen rollen sollen. Etschenberg sieht durchaus die Chance, „Eifel und Ardennen zur Naturerlebnis-Region Nummer eins in Europa zu machen”.

Lücken schließen

Dafür ist indes noch jede Menge zu tun. Während die Gleise zwischen Raeren und Walheim nicht angetastet werden, um eine mögliche Reaktivierung der Bahnlinie nicht zu verbauen, werden zwischen Monschau und der belgischen Grenze weiterhin fleißig Schienen demontiert.

Außerdem müssen Lücken des in Teilen bereits genutzten Vennbahn-Netzes geschlossen werden - in Aachen sind dies sechs, im Kreisgebiet rund 28,5 Kilometer. Auf einem drei Meter breiten und asphaltierten Weg sollen die Radler schließlich unterwegs sein. Brücken, Tunnel, Schilder, Unterstellplätze und Info-Tafeln stehen überdies auf dem Bauprogramms.

Dabei sei klar, betont Thomas König von der Stabstelle für wirtschaftliche Strukturentwicklung beim Kreis, dass Politik und Verwaltung nur die Rahmenbedingungen schaffen können. Will heißen: „Touristische Pakete wie etwa ein Shuttle-Service oder Angebote wie ein rad-Hotel müssen von den Machern vor Ort gestemmt werden.” Das unterstreichen Gentges und Etschenberg, die vom Erfolg überzeugt sind.

„Es wird mitten in einer Mittelgebirgsregion zumeist fernab der Straßen einen Radweg ohne Steigungen geben, auf dem man Natur und Bahngeschichte hautnah erleben kann”, schwärmt Etschenberg und verweist auf positive Erfahrungen der Rad-Touristiker in Rheinland-Pfalz. „Es gibt einen starken Trend, der zurück zur Natur geht. Es ist einfach erstaunlich, was in diesem Bereich derzeit geschieht.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert