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Uni-Abbrecher: Unwissenheit ist ein böser Begleiter

Von: Thorsten Karbach
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Andrang an der Uni: Doch jeder vierte Studienfänger bricht die Ausbildung ab. Viele, weil sie zuvor zu wenig über das Studium wussten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Zeit ist reif, weil die Zeit fehlt. Weil der Alltag von Schülern in Zeiten des Turboabiturs immer mehr beschleunigt wird, bleibt mehr denn je eine Frage auf der Strecke: Was mache ich eigentlich, wenn ich meinen Schulabschluss in der Tasche habe?

Wolfgang Loggen und Silvia Krebs-Oviedo von der Zentralen Studienberatung der RWTH Aachen gehen davon aus, dass beispielsweise fast 40 Prozent der Abiturienten nicht wissen, welchen Studien- oder Berufsweg sie einschlagen. Und so ist es kein Wunder, wenn letztlich jeder Vierte sein Studium abbricht.

In den Geisteswissenschaften häufen sich die Fälle

Auch wenn nicht erhoben wird, wie viele Studienabbrüche auf eine falsche Fächerwahl zurückgehen, gerade in den Geisteswissenschaften häufen sich diese Fälle. Entscheidungen werden mangels Wissen und Alternativen aus der Not heraus geboren, überhaupt etwas zu studieren. Das wissen die Studienberater und das wissen auch die Bezirksschülervertreter.

Das Dilemma liegt dabei wohl auf beiden Seiten. Den Schülern fehlen Zeit und Antrieb, sich früher mit der Zeit nach dem letzten Zeugnis zu beschäftigen. Und den Studienberatern fehlt der Zugang zu den Jugendlichen, die nicht mehr die klassischen Informationswege nutzen - oder ganz konkret per pedes in die Beratungsstelle am Templergraben kommen.

Deswegen haben die Bezirksschülervertretung (BSV) - ein Gremium aller Schülersprecher der Städteregion -, Loggen und Krebs-Oviedo zusammen eine Arbeitsgruppe gegründet, um sich in Zukunft besser zu erreichen. Als eine Art Sofortmaßnahme will die BSV an jeder Schule einen Schülerlotsen ausbilden, der den Kontakt zur Studienberatung herstellen kann. „Damit unsere Arbeit präsenter ist”, sagt Krebs-Oviedo. Hinzugezogen werden sollen künftig aber auch die Kammern für die, die eine Ausbildung anstreben.

„Da muss mehr von der Politik kommen”

Bislang findet der Kontakt auf Vermittlung von Schulleitern und Lehrer statt. Und es ist ein zusätzliches Engagement gerade der Lehrer, den Schülern Berufswege zu eröffnen. „Da muss langfristig mehr von der Politik kommen”, findet Andor Schmitz vom BSV-Vorstand, spricht sich für eine Aufnahme von Berufsberatung in das Curriculum und damit den Lehrplan aus.

„Eine Verpflichtung wäre letztlich auch eine Entlastung der Lehrer, weil es keine Zusatzarbeit mehr wäre”, erklärt Loggen. „Letztlich geht es doch darum, dass jeder Schüler weiß, welche Möglichkeiten er nach seinem Abschluss hat”, sagt Bezirksschülersprecher To Thanh Phung. Unwissenheit in Sachen Uni müsse beseitigt werden. Die Zeit drängt.
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