Surfen, bis der Schlaf kommt: Neues Projekt gegen Onlinesucht

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Surfen statt Spielen: Manche G
Surfen statt Spielen: Manche Grundschüler verbringen bis zu sechs Stunden pro Tag vor dem Computer. „Das ist extrem”, sagt Dr. Frank Löhrer, der das Projekt zusammen mit der AOK gestartet hat. Foto: imago/Petra Schneider/ Heike Eisenmenger (4)

Stolberg. Beim Wort Sucht denkt man an Alkohol, Heroin oder auch Kokain, nicht aber an den Computer, der längst fester Bestandteil im Haushalt ist. Mit einem Mausklick ist der User in New York, in Grönland oder er kämpft als Superheld in Fantasiespielen gegen das Böse.

So faszinierend und nützlich das Internet auch ist¬ es birgt auch Gefahren. Eine davon ist Online-Sucht, und insbesondere junge Menschen sind dem schutzlos ausgeliefert, wenn sie nicht sensibilisiert sind, warnt Professor Dr. Frank Löhrer, Experte für Suchterkrankungen.

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Stolberg und die AOK Rheinland/Hamburg haben vor diesem Hintergrund eine regional angelegte Aufklärungskampagne für Viertklässler gestartet. Ziel ist, Kinder für einen maßvollen Umgang mit dem Computer zu sensibilisieren.

Die Grundschule an der Grüntalstraße in Stolberg machte den Anfang: Die Kinder aktiv einzubeziehen, ihnen spielerisch zu erklären, wo die Gefahr liegt - das ist der Ansatz. Löhrer befragt die Kinder nach ihrem Alltag. Wie oft gehen sie raus zum Spielen? Was machen sie am liebsten? Wo und wie oft treffen sie ihre Freunde? Wie oft sind sie online?

Die Grundschüler sind selbst überrascht, wie viel Zeit der eine oder andere vor dem Bildschirm verbringt. Trauriger Spitzenreiter ist ein Schüler, der bis zu sechs Stunden täglich vor dem Computer und Fernseher hockt. „Das ist extrem”, sagt der Mediziner erschrocken.

Doch wie viel Internet ist gut? Man muss auch bedenken, dass in Zukunft mehr denn je Internet und Co. unsere Welt bestimme. Ein Kind, das mit den neuen Medien nicht umzugehen lernt, wird es beruflich später schwer haben.

Eine festgelegte Minutenzahl, wie lange ein Kind im Netz sein soll, will und kann Löhrer nicht nennen, wohl aber eine Faustregel: „Wenn das Kind anfängt, seine Interessen, seine Freunde zu vernachlässigen, weil es nur noch im Internet surft, ist das Maß definitiv überschritten.” Dass sich die Situation im Zuge des Fortschritts verschärfen werde, glaubt der Facharzt jedoch nicht. Er setzt auf die „Kultur des Lernens”: „Nehmen wir amerikanische oder französische Filme aus den 60-Jahren als Beispiel: Damals hatte doch jeder eine Zigarette im Mund und das Whiskeyglas in der Hand, das war selbstverständlich. Solche Bilder würde heutzutage kein Regisseur mehr drehen, sofern es nicht zur Geschichte gehört.”

Damit die Kultur des Lernens sich entwickeln könne, sei es notwendig, dass Eltern Vorbildfunktion einnehmen. Das Verhalten der Eltern ist sogar elementar, daher dürfe ein Kind nicht vor dem Bildschirm „geparkt” werden. „Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind mit Freunden trifft oder in einem Verein aktiv ist.”

Erstaunlich ist übrigens, dass Online- wie Spielsucht im naturwissenschaftlichen Sinne nicht als Sucht definiert wird. „Als Sucht werden bislang nur stofflich gebundene Abhängigkeiten anerkannt”, bedauert Löhrer. Fragt sich, was es sonst sein soll als eine Krankheit, wenn jemand nur noch in der Welt von Bites und Bytes lebt oder Haus und Hof „verzockt”.

Schulen, die Interesse haben, beim Projekt mitzumachen, sollen sich bei Wolfgang Grief, Präventionsexperte der AOK, melden: 02403 9616201, E-Mail wolfgang.grief@rh.aok.de .
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