Würselen - Strom aus Salamibrot und Salat

Strom aus Salamibrot und Salat

Von: Udo Kals
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Zeitenwende: Bislang gibt es bei der Würselener Kompostierungsanlage wertvollen Kompost, demnächst werden aus Bioabffall und Grünschnitt Strom und Wärme produziert. Foto: Udo Kals

Würselen. Zwar wird auch künftig aus dem Bioabfall auf der Kompostierungsanlage in Würselen kein Gold gemacht. Doch es soll demnächst schon mehr sein als bloßer Kompost.

Und so soll spätestens Ende 2011 aus Grünschnitt sowie Lebensmittelresten wie Salat und Wurst Strom und Wärme gewonnen werden. So sehen es Pläne der Awa Entsorgung GmbH vor, die nach dem Grundstückskauf und der Auftragsvergabe jetzt nur noch von der Städteregion genehmigt werden müssen.

Für insgesamt knapp elf Millionen Euro soll die seit 1995 bestehende Anlage ab Herbst 2010 um eine Vergärungs- und Intensivrottestufe erweitert werden, erläutert Awa-Geschäftsführer Ulrich Koch. Ein bislang einmaliges Projekt in der Aachener Region, das dazu führt, dass demnächst jährlich 30.000 statt der bisherigen 11.000 Tonnen Bioabfall in Würselen verarbeitet werden können. Dabei betont Koch, dass es zu keinen Auslastungsproblemen kommen werde: „Die Anlage ist nicht zu groß dimensioniert.”

Schließlich fallen in der Städteregion und im Kreis Düren jährlich rund 100.000 Tonnen an Bioabfall und Grünschnitt. „Aber da in der Hochsaison zwischen April und Oktober weitaus mehr Abfall anfällt als im Winter, haben wir uns für diese Größenordnung entschieden”, sagt Koch. Denn die Anlage, die auf einer Fläche von rund 3750 Quadratmetern am nördlichen Stadtrand Würselens entsteht, soll ganzjährig durchlaufen.

In der Vergärungsanlage als Herzstück des Projekts entsteht künftig Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk verstromt wird. „Wir können jährlich drei bis vier Millionen Kilowattstunden Strom liefern - genug, um 1000 Haushalte damit zu versorgen”, frohlockt Dr. Thomas Griese, der für die Grünen im Awa-Aufsichtsrat sitzt und das Projekt maßgeblich forciert hat. Mit der Vermarktung des Stromes und der erzeugten Wärme werden die Aachener Stadtwerke Stawag betraut werden. Ein möglicher (Groß-) Kunde könnte das benachbarte Medizinische Zentrum in Bardenberg sein.

Griese betont: „Am Ende hat jeder Bürger etwas davon.” Schließlich würden trotz der enormen Investitionen die Behandlungskosten, die die Kommunen pro Tonne Biomüll aufbringen müssen, von derzeit rund 90 Euro auf demnächst circa 68 Euro reduzieren. „Das macht sich später für jeden Gebührenzahler bemerkbar”, sagt Griese und findet nach längerer politischer Debatte inzwischen auch die Zustimmung der SPD. „Die Anlage darf sich nicht zu Ungunsten der Bürger auswirken”, betont deren Fraktionschef im Städteregionstag, Josef Stiel.

Zudem sieht Grünen-Chef Greise mit Michael Kirsch, Umweltexperte vom städteregionalen Koalitionsparter CDU, einen weiteren Vorteil. Da künftig weniger überschüssiger Bioabfall in andere Anlagen außerhalb der Aachener Region gebracht werden müsse, entfielen jährlich 115.000 Lkw-Transportkilometer. Bislang können in den Kompostierungsanlagen Würselen, Warden und Brand nur rund 30 Prozent der Mengen kompostieren. Der Rest wird nach Köln und in den Rhein-Erft-Kreis gebracht.

Während sich diese Quote in Zukunft auf circa 50 Prozent erhöht, bleibt vieles beim Alten, betont Joseph Stiller, Awa-Projektleiter Kompostierung: „Wir werden weiterhin hochwertigen Kompost anbieten. Und da der Bioabfall künftig noch länger als bisher in geschlossenen Räumen bleibt, werden die Anwohner noch weniger Gerüche wahrnehmen.”
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