Schulsport wird ersatzlos gestrichen

Von: Daniel Gerhards
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Städteregion. Lange war geplant an der Ecke Richardstraße/Gottfriedstraße im Aachener Sourmontviertel eine Sporthalle zu bauen. Und diese Halle bräuchten das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in der Lothringer Straße und das Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg an der Beekstraße dringend. Beide haben kaum Möglichkeiten, das Fach Sport in eigenen Räumen zu unterrichten.

Eine neue Dreifachhalle hätte die Probleme lösen können. Auf dem eigentlich dafür vorgesehenen Gelände ist das ehemalige Gewerbehaus „Kleine-Erfkamp“ längst abgerissen. Aber auf die Sporthalle warten Lehrer und Schüler noch immer – vergeblich.

Die Städteregion als Schulträgerin hätte die Halle gerne gebaut. Auch Geld wäre da gewesen. Aber: Das Grundstück gehört der Stadt Aachen. Deshalb braucht die Städteregion für den Bau das Okay aus der Kaiserstadt – und das wird es nicht geben. Die Stadt plant, den dortigen Spielplatz zu erneuern und einen Quartierspark anzulegen. 750.000 Euro will die Stadt investieren. Die ganze Gegend soll aufgewertet werden. Denn bislang ist die schwer einzusehende Ecke eher bei Drogenabhängigen beliebt. Eine Sporthalle statt eines Parks würde die Wohnqualität im Viertel senken, heißt es, weil sich dann die ohnehin schon angespannte Parksituation – wegen der Schul- und Vereinssportler – noch verschärfen könnte.

Insofern könnte der Park für das Viertel tatsächlich sinnvoll sein. Aber: Schulsport kann dort nun mal nicht stattfinden. Und so fällt weiterhin 90 Prozent des Sportunterrichts für Berufsschüler am Berufskolleg Lothringer Straße aus – ersatzlos. Die „Vollzeit-Schüler“ müssen auf vier oder fünf Hallen in Aachen ausweichen – die aber liegen verteilt in der ganzen Stadt. Nicht grade komfortabel. Das rund 2000 Schüler zählende Berufskolleg hat nur eine sehr kleine eigene Sporthalle, die bei weitem nicht ausreicht.

Das ebenfalls rund 2000 Schüler starke Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg hat lediglich eine kleine Gymnastikhalle. Dort kann aber kein „normaler Schulsport“ stattfinden. Dafür ist die Halle schlicht zu klein, außerdem ist der Bodenbelag dafür nicht geeignet. Ingesamt gibt es im Sourmondtviertel laut Internetseite der Stadt Aachen rund 4300 Schüler, davon rund 2000 Berufsschüler.

Gerne hätte sich Thomas Döring, Leiter des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung, zu dem Problem geäußerte. Aber ein bereits vereinbarter Gesprächstermin mit unserer Zeitung platzte kurzfristig. Der Grund: Dörings Vorgesetzte im Städteregionshaus verpassten dem Schulleiter einen Maulkorb.

Beim Gespräch mit Gregor Jansen, Schuldezernent der Städteregion, wird schnell klar: Er redet nicht gerne über das Thema – am liebsten gar nicht. Nur soviel: Die Probleme seien lange bekannt. Man müsse die Entscheidung der Stadt Aachen respektieren. Die Städteregion habe auch „keinen Zugriff auf irgendwelche Hallen“ der Stadt Aachen. Man könne lediglich versuchen, häufige Fahrten durch „gebündelten“ Sportunterricht zu vermeiden.

Dass die Städteregionsverwaltung versucht, nicht – zumindest nicht öffentlich – über das Thema zu reden, könnte ein Indiz dafür sein, dass das Verhältnis zwischen Städteregion und Stadt Aachen nicht erneut belastet werden soll. Lange stritt man sich um Kompetenzen, sodass auf dem Höhepunkt des Krachs im vergangenen Jahr kaum noch an konstruktive Zusammenarbeit zu denken war. Die 2009 gegründete Städteregion stand kurz vor dem Aus. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg legten ihren Streit im September bei. Beide unterzeichneten ein „Kompromisspapier“ zur weiteren Zusammenarbeit. Seitdem ist es ruhig geworden, was das Verhältnis der beiden Verwaltungen angeht. Steht dieser „Burgfrieden“ auf dem Spiel?

Ob sich in Sachen Sporthalle in absehbarer Zeit noch etwas tut, ist fraglich. Elisabeth Paul ist für die Grünen im Städteregionstag und Vize-Städteregionsrätin. Sie sei immer für die Halle gewesen, sagt die Aachenerin. Sie wolle sich bemühen, eine Lösung zu finden – im Dialog mit der Stadt. Aber da sei „ganz wenig Bewegung“ drin: „Derzeit steht Aachen auf dem Standpunkt: Es gibt kein Grundstück für die Halle. Basta. Aus.“

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