Städteregion - Schulische Inklusion: Rechtsanspruch wird schrittweise eingeführt

Schulische Inklusion: Rechtsanspruch wird schrittweise eingeführt

Von: Jutta Geese
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Der Rechtsanspruch auf inklusive Beschulung wird sukzessive eingeführt. Allen Kindern mit Förderbedarf konnte in der Städteregion fürs laufende Schuljahr ein Platz an einer „Regelschule“ angeboten werden. Foto: stock/epd

Städteregion. Lange ist über den Rechtsanspruch von Kindern mit Behinderung auf „schulische Inklusion“, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung, gestritten worden. Gegner und Befürworter lieferten sich in den vergangenen Monaten heftige Wortgefechte.

Beide Seiten befürchteten Nachteile bei der Förderung der Kinder beider Gruppen. Das Land NRW verabschiedete schließlich einen Kompromiss: Der Rechtsanspruch wird sukzessive eingeführt, in diesem Schuljahr gilt er nur für die Klassen 1 und 5, und der Elternwille steht im Mittelpunkt.

„Über dem Landesschnitt“

Jetzt haben die Eltern entschieden – mit überraschenden Ergebnissen in der Städteregion: Deutlich mehr Eltern als in den Vorjahren haben für ihr Kind den Besuch einer Förderschule gewählt, zugleich haben aber auch deutlich weniger Eltern als sonst einen Antrag auf sonderpädagogische Förderung gestellt.

In Zahlen ausdrückt: Für das Schuljahr 2014/2015 wurden im städteregionalen Schulamt 480 Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs durchgeführt, davon 245 bei Schulneulingen, im Jahr davor waren es 700 Anträge, davon 340 bei Schulneulingen. Für eine Förderschule für ihr Grundschulkind entschieden sich in diesem Schuljahr 72 Prozent der Eltern, im Jahr davor waren es etwa 50 Prozent. Von den rund 400 Kindern, die in eine fünfte Klasse wechselten, blieb etwa ein Drittel in einer Förderschule.

Warum die Eltern so entschieden haben, vermag Schulamtsleiterin Ruth Meyering nicht zu sagen. Allerdings sei die Entwicklung kein spezielles Phänomen in der Städteregion, sondern im gesamten Land ähnlich zu beachten, sagt sie. „Wir sind dabei, die Daten zu sichten“, sagt Schulrat Wolfgang Müllejans. „Wir haben nicht auf alle Trends Antworten. Da müssen wir ganz genau hinschauen.“ Die Städteregion sei aber nach wie vor Vorreiter bei der schulischen Inklusion“, stellt er fest. „Wir liegen deutlich über dem Landesschnitt.“

Zum Rückgang der Antragszahlen sagt Meyering: „Wir haben keine Erkenntnis darüber, warum Eltern keinen Antrag gestellt haben.“ Insbesondere bei den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“ gab es weniger Anträge – und die wurden meist nur von den Eltern gestellt, die ihre Kinder zu einer Förderschule schicken wollten, oder von Eltern, bei denen die nächstgelegene Grundschule von der Schulaufsicht nicht als Schule des gemeinsamen Lernens bestimmt worden war.

Allen Kindern mit Förderbedarf konnte ein Platz in einer sogenannten „Regelschule“ angeboten werden, betont Meyering, wenn auch nicht immer an der Wunschschule. Dies gilt insbesondere für die Fünftklässler. Die Nachfrage nach Plätzen in Haupt-, Gesamt- und Sekundarschulen habe das Angebot bei weitem übertroffen, erläutert die Schulamtsleiterin. Zahlreiche Anträge auf Aufnahme in einer Hauptschule mussten abgelehnt werden.

Ein Grund: Da Hauptschulen bisher die Schulen warn, die sich intensiv um Inklusion bemüht haben, werden an diesen Schulen überproportional viele Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet, erläutert Müllejans: „Es gibt Klassen mit einem Anteil von 40 Prozent Förderkindern, das ist pädagogisch nicht mehr vertretbar.“ Deshalb habe man mit der Bezirksregierung eine Beschränkung der Platzzahlen vereinbart. Hinzu kommt, dass sieben der 13 Hauptschulen bis zum Schuljahr 2018 auslaufen.

Wunsch nach Erfahrung

Die Kapazitäten an den Gesamt- und Sekundarschulen sind deshalb zwar erhöht worden. Dennoch reichten die Plätze nicht aus, um der Nachfrage gerecht zu werden. Viele Kinder mit Förderbedarf, deren Eltern inklusiven Unterricht wünschten, sind auf Realschulen ausgewichen. Die sind zum Teil jedoch Neulinge auf diesem Gebiet. Die meisten Eltern aber wünschen sich für ihr förderbedürftiges Kind eine Schule mit Erfahrung auf dem Gebiet der Inklusion.

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