Städteregion - „RückHalt“ vermisst die Rückendeckung

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„RückHalt“ vermisst die Rückendeckung

Von: red
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Agnes Zilligen kritisiert, dass die Landesförderung bislang nur bis Ende 2018 gesichert ist.

Städteregion. Auch in Sommerferien und Urlaubszeit sind die Anfragen für Beratung und Begleitung zum Thema sexuelle Gewalt in den Beratungsstellen des Vereins „RückHalt“ nicht weniger geworden. Das Team hat in den vergangenen Wochen trotz eigener Urlaubszeiten für dringende Fälle immer auch noch kurzfristig Beratungstermine zusätzlich angeboten.

Die Statistik macht deutlich, dass sich die Zahlen bis jetzt auf einem ähnlichen Level bewegen wie in den zwei vorherigen Jahren. „Das ist besonders bemerkenswert, weil die Neueröffnung unserer Beratungsstelle in Stolberg im Frühjahr auch viel Zeit und Energie gekostet hat. Und wir haben ja leider nicht mehr Personal für die Arbeit“, stellt Geschäftsführerin Agnes Zilligen fest.

Auch Beraterin Gisela Görres schätzt die Situation so ein, dass die Dichte und Schwere der Beratungsgespräche zunimmt: „Als Momentaufnahme halte ich fest, dass sich viele der Betroffenen bereits über Monate hinweg in Krisensituationen befinden, dass Suizidalität immer öfter eine Rolle spielt, und dass es immer mehr Frauen gibt, die durch die Maschen des Versorgungssystems fallen. Sei es, weil ein Therapieplatz mit Spezialisierung auf Trauma-Behandlung fehlt oder dass eine Frau keine Krankenversicherung hat.“

Gute Lösungen für jede einzelne betroffene Frau zu finden, sei ein Anspruch der „RückHalt“-Mitarbeiterinnen. Diese gemeinsam mit den Betroffenen zu erarbeiten und umzusetzen, benötige Zeit, die bei steigender Nachfrage immer knapper werde.

Landesförderung nur bis Ende 2018 gesichert

Hinzu komme immer wieder die Frage nach der finanziellen Absicherung der Angebote in Aachen und Stolberg. „Auch wenn das Land NRW die Förderung für Fachberatungsstellen zum Thema sexualisierte Gewalt im Sommer 2016 erhöht hat, gilt der aktuelle Bewilligungsbescheid nur bis Ende Dezember 2018“, berichtet Agnes Zilligen. „Und noch immer steht nicht fest, wann es die neuen Formulare geben wird, mit denen die Landesförderung ab dem 1. Januar 2019 beantragt werden kann“, kritisiert die Geschäftsführerin. „Ganz zu schweigen davon, wann uns als ehrenamtlichen Vorstandsfrauen eines gemeinnützigen Vereins dann definitiv eine verbindliche Bewilligung vorliegen wird.“ Auch diese immer wieder unsichere finanzielle Lage zähle neben dem Arbeitsthema an sich zu den Belastungen aller Mitarbeiterinnen, des Vorstands und der anderen Ehrenamtlichen.

Zilligen setzt sich als Sprecherin des Landesverbands autonomer Frauen-Notrufe gemeinsam mit vielen Mitstreiterinnen bundesweit für eine Veränderung der Finanzierung ein. „Niemand kann plausibel erklären, warum die Beratung und Unterstützung für Opfer von sexualisierter Gewalt immer noch eine sogenannte freiwillige Leistung ist. Die politische und gesellschaftliche Verantwortung muss endlich mit einer bedarfsgerechten Finanzierung durch den Staat übernommen werden.“

Auf der einen Seite werde das Ehrenamt hoch gelobt – auf der anderen Seite verschleiße man unzählige Aktive, indem man sie mit der Verantwortung für ein funktionierendes Angebot gegen sexuelle Gewalt allzu oft und viel zu lange im Regen stehen lasse. Und das zeigt Wirkung, betont Agnes Zilligen: „Sie glauben gar nicht, wie froh ich war, als ich gehört habe, dass es bei ‚Rückhalt‘ überhaupt noch Ehrenamtliche gibt, die bei der nächsten Mitgliederversammlung wieder für ein Vorstandsamt kandidieren werden.“

 

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