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Respektvoll und einfühlsam Brücken bauen

Von: Silvia Möller
Letzte Aktualisierung:
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Verleihung im Dom: Preisträgerin Dr. Noorjehan Abdul (Mitte) nimmt den Klaus-Hemmerle-Preis und Glückwünsche von Majid Peter Forst (l.) und Maria Magerl (r.) von der Fokolar-Bewegung entgegen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Ich mag Deutschland“, sagt die mosambikanische Ärztin Dr. Noorjehan Abdul Majid, die in Aachen zu Besuch ist. „Ich stamme aus einem heißen Land, doch die Kälte ist mir lieber. Meine Freunde sagen immer, ich würde genau am falschen Ort leben“, fügt sie lachend hinzu.

Bereits zum zweiten Mal ist Majid, die sich in Südafrika seit vielen Jahren für HIV-positive Menschen und insbesondere für schwangere Frauen einsetzt, zu Gast in der Kaiserstadt. Und diesmal hat es einen ganz besonderen Grund: am Freitagabend wurde ihr der Klaus-Hemmerle-Preis verliehen.

Schon morgens erschien sie im Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, um über den Preis und ihre Arbeit zu sprechen. „Es ist gut, anerkannt zu werden“, freut sich Majid über die Ehrung, doch sieht sich dabei nicht als alleinige Preisträgerin: „Das ist nicht nur für mich, sondern für alle, die an Dream beteiligt sind.“ Dream steht für „Drug Resource Enhancement against AIDS and Malnutrition“ und bezeichnet das Programm, nachdem sie mit ihrem Team arbeitet. Entwickelt wurde es von der Gemeinschaft Sant’Egidio und kommt in elf afrikanischen Ländern zum Einsatz.

Schutz vor Malaria gehört dazu

Dr. Majid erklärt, dass zu der Behandlung der Patienten nicht nur ein HIV-Test und eine medikamentöse Betreuung gehören, sondern auch Maßnahmen zum Schutz vor Malaria: „Dazu verteilen wir Moskitonetze und Wasserfilter an die Patienten.“ Zudem ist die Versorgung mit Nahrung inbegriffen. „Wir geben den werdenden Mütter Essen für zwei Wochen. Dann kommen sie wieder zu uns, sodass wir sie untersuchen und mit Medikamenten und der nächsten Essensration versorgen können“, erläutert die Ärztin. „Dazu gibt es Rezepte und die Frauen können sich über neue Gerichte austauschen, so helfen wir ihnen aus der Mangelernährung“, fasst sie zusammen. Und auch sonst tun die Mitarbeiter des Projekts Dream alles, um die Menschen in Südafrika selbstständig zu machen und aufzuklären: „Man muss ihnen alles über HIV erklären, das ist sehr wichtig“, unterstreicht die Ärztin.

Die Behandlung ist kostenlos, ehemalige Patienten, die mit ihrer Aids-Erkrankung zurecht kommen, arbeiten ehrenamtlich mit. Laut Dr. Majid liegt darin besonders ein Vorteil: „Das gibt Hoffnung und Kraft, denn so sehen die Menschen, dass man trotz Krankheit ein normales Leben führen kann. Man kann arbeiten, lehren oder studieren – eben ganz gewöhnliche Dinge tun.“

Für ihre wegweisende Arbeit wurde Dr. Majid Freitagabend von der Fokolar-Bewegung mit dem Klaus-Hemmerle-Preis ausgezeichnet. Mit ihm werden Persönlichkeiten geehrt, die als „Brückenbauer“ den Dialog zwischen den Kirchen, Religionen und Weltanschauungen fördern. Und eine Religionsbrücke wurde schon damit gebaut, dass der Preis an eine Muslima im katholischen Aachener Dom verliehen wurde.

In ihrer Laudatio stellte Annette Schavan, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Vatikan, Dr. Majids großen „Respekt vor der Würde eines jeden Menschen“ heraus und betonte, dass die Preisträgerin „eine gemeinsame Grundhaltung von Christen und Muslimen verkörpert: die Barmherzigkeit.“ Damit sei sie genau die richtige, um den diesjährigen Klaus-Hemmerle-Preis zu erhalten.

Mit der Verleihung wurde nicht nur eine Brücke nach Afrika geschlagen, sondern insbesondere gezeigt, dass eine gute Zusammenarbeit und ein friedvolles Miteinander von Christen und Muslimen durchaus möglich ist.

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