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Resistente Keime: Wie sicher ist das MZ Würselen?

Von: Jutta Geese und René Benden
Letzte Aktualisierung:
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Bessere Standards gegen multiresistente Erreger: Die FDP in der Städteregion will, dass das Medizinische Zentrum mit seinen Standorten in Bardenberg (Bild) und Marienhöhe eine Vorreiterrolle einnimmt.

Würselen/Aachen. Das Thema antibiotika-resistente Keime – im Fachjargon MRSA genannt – und Hygiene in Krankenhäusern treibt die Liberalen im Städteregionstag nicht erst seit vergangenen Mittwoch um, als ARD-Recherchen dazu veröffentlicht wurden. Schon Anfang November 2016 hatte die FDP-Fraktion dazu eine Anfrage an Städteregionsrat Helmut Etschenberg gestellt.

Ihr Ziel: Das Medizinische Zentrum (MZ) in Würselen, dessen Gesellschafter je zur Hälfte die Städteregion und die Bundesknappschaft Bahn-See sind, soll beim Kampf gegen solche lebensbedrohlichen Infektionen bei seinen Patienten eine Voreiterrolle übernehmen, nach dem Vorbild der Niederlande.

Keine konkreten Zahlen

Der zuständige Dezernent Gregor Jansen hat die Fragen der Liberalen Mitte Dezember beantwortet. Unter anderem führt er aus, dass das MZ verbindliche Standards zum Umgang mit der MRSA-Bakteriengruppe auf der Basis der Empfehlungen der Kommission für Hygiene und Infektionspräventiuon (KRINKO) des Robert-Koch-Instituts festgelegt hat. Die Umsetzung werde betriebsintern und durch das Gesundheitsamt überprüft. Eine konkrete Fallzahl nennt Jansen nicht, erklärt aber, dass die Zahlen des MZ seit 2014 unterhalb des Durchschnittswerte der Krankenhäuser in Deutschland allgemein liegen.

Insgesamt halten sich Krankenhäuser sehr bedeckt, wenn es um ihre MRSA-Fallzahlen geht. Niemand will konkrete Größen nennen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass nicht immer einwandfrei nachweisbar ist, woher der Keim, an dem ein Patient erkrankt, tatsächlich stammt. Denn nicht selten ist es so, dass Patienten, die sich mit einem multiresistenten Erregen infizieren, ihn bereits trugen, bevor sie ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Aus diesem Grund fordern Kritiker der deutschen Präventionsstandards eine verbindliche Untersuchung auf MRSA-Keime bei jedem Patienten, bevor er ins Krankenhaus überwiesen wird – nach Vorbild der Niederlande. Nur so könnten Hygiene Standards und Prävention verbessert werden.

In Deutschland werden bislang aber nur bestimmt Risikogruppen untersucht. So auch im MZ: Bekannte MRSA-Träger würden gleich bei der Aufnahme isoliert, alle Patienten auf der Intensivstation würden untersucht (gescreent), zudem Risikopatienten wie langzeitpflegebedürftige Menschen, sagt die Verwaltung der Städteregion. Das Screening erfolge auch nach den KRINKO-Kriterien. Die Frage, ob das MZ am sogenannten Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) teilnehme, beantwortete Jansen mit einem schlichten „Ja“. KISS erfasst seit 1997 in einer Datenbank Krankenhausinfektionen, die Teilname ist freiwillig.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) hatte das Thema multiresitente Erreger bereits im kommunalen Wahlkampf 2014 angepackt. Er wollte das MZ nach dem Vorbild der Niederlande in der Eindeämmung der Erreger rüsten. Um diese Initiative ist es allerdings ruhig geworden.

Für die Liberalen in der Städteregion waren die Antworten der Verwaltung nicht ausreichend. Deshalb hat jetzt die Städteregionstagsabgeordnete Claudia Cormann detailliertere Informationen angeforedert, unter anderem zur Zahl der Hygienefachkräfte, zur Häufigkeit und Schwere von Infektionen, und zum Umgang mit bekannten Risikopatienten vor der Aufnahme und vor Operationen. Die FDP hat bislang aber nicht das von Jansen Mitte Dezember überbrachte Angebot der MZ-Geschäftsführung angenommen, sich vor Ort mit den Fachleuten über das Thema Verhütung von Krankenhausinfekten im MZ auszutauschen.

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