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Parkstad: Sieben Städte stellen sich gemeinsam der Zukunft

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Unbekanntes Wesen: Die meisten Deutschen kennen die Parkstad Limburg nur, weil der Begriff auf vielen Verkehrsschildern steht. Foto: Harald Krömer

Heerlen. Die Hinweisschilder mit Aufschriften wie „Parkstad 9800-9900” entlang der Autobahn im niederländischen Teil Limburgs sind so ziemlich das einzige, was der Deutsche von der Parkstad mitbekommt. Abschnitte von Industriegebieten werden es wohl sein, ist der naheliegendste Gedanke.

Das stimmt auch. Die Parkstad Limburg - Nachbar und Partner der Städteregion im Westen - ist aber weit mehr als das.

Das, was der Name verkörpert, ist der Versuch eines ehemaligen Bergbaugebiets, wieder ökonomisch Fuß zu fassen. „In den 50er Jahren waren wir noch die reichste Region der Niederlande”, sagt der Vorsitzende der Parkstad-Verwaltung, Toine Gresel, gleichzeitig Bürgermeister von Heerlen.

Zwischen 1965 und 1975 wurde dann eine Mine nach der anderen geschlossen. Bis heute kämpfen die Parkstad-Gemeinden Heerlen, Simpelveld, Kerkrade, Onderbanken, Voerendal, Landgraaf und Brunssum mit den Auswirkungen.

60.000 Arbeitslose gab es auf einmal. Abwanderung und eine Überalterung der Bevölkerung folgten. Zwölf Jahre lang erhielten Unternehmen Subventionen, wenn sie sich in dem Gebiet ansiedelten und blieben.

Das Ende der Förderung war auch das Ende ihrer Präsenz. Landschaftlich vollzog Limburg Ost den Wandel von Schwarz nach Grün: Gruben wurden zugeschüttet, Industrieanlagen abgerissen, Parks angelegt. „Wenn man mit dem Flugzeug über Ost-Limburg fliegt, sieht man nah aneinander liegende Siedlungen, aber auch viel Grün. Deshalb auch der Name Parkstad”, erklärt Gresel.

Die Gemeinden erkannten dann in den 90er Jahren, dass es nicht reicht, wie bisher nur bei Naherholungs-Angeboten zu kooperieren. Wirtschaft und Strukturwandel stehen seitdem im Vordergrund. Unter dem Namen der 1992 gegründeten Parkstad Limburg übertrugen die Gemeinden nun Kompetenzen an den Gemeindeverband.

In Fragen der Wirtschaft, der Raumordnung, des Wohnens und der Mobilität legt der Parkstad-Rat gemeinsame Projekte fest, die Umsetzung erfolgt nach wie vor über die Mitglieder.

Beispielsweise wurde gemeinsam der Wohnraumbedarf der kommenden Jahrzehnte ermittelt und sich darauf verständigt, welche Häuser abgerissen werden. „Einen eigenen Wohnungsbauplan für Heerlen gibt es nicht mehr”, sagt Gresel.

Auf den Bürger wirken sich diese Veränderungen nicht direkt aus, was die Anlaufstellen anbelangt. Wie mit schwindenden Anmeldezahlen in Kindergärten und Schulen umgegangen wird, merken sie sehr wohl. Ein Drittel der Grundschulen in Heerlen muss geschlossen werden.

„Sicher ist das schwer vermittelbar, dass Kinder dann weitere Strecken zurücklegen müssen. Wir versuchen aber beispielsweise, die neue Grundschule mit einer Kindertagesstätte und anderen Angeboten zu kombinieren”, sagt Gresel. Von tiefgreifenden Prozessen spricht er, die notwendigerweise zentral gesteuert werden müssten.

Strukturwandel und Identität

„Wenn es nach uns ginge, hätten wir mehr Kompetenzen auf Parkstad-Ebene. Aber das passt bisher nicht zusammen mit dem demokratischen Defizit, das wir haben”, sagt Gresel mit Verweis auf die Tatsache, dass die Ratsmitglieder der Parkstad nicht direkt gewählt werden, sondern nur von den Gemeinderäten entsandt werden. Von einer Änderung dieser Regelung ist die Parkstad weit entfernt - und schaut neidisch auf die Städteregion.

Auch das Ziel, bis 2010 den Entwicklungsrückstand aufgeholt zu haben, wird um mindestens zehn Jahre verschoben werden müssen. „Es kommt inzwischen auch nicht mehr so sehr darauf an, wo wir im Vergleich zum Rest des Landes stehen.

Wir wollen uns selbst neu definieren”, sagt Gresel. Die Gemeinden seien alle alte Bergbaustandorte - im Gegensatz zu Valkenburg, Maastricht und Vaals.

Mit dem Verlust der Industrie sei auch ein großes Stück Identität weggebrochen. Die Entwicklung einer neuen Identität sei noch nicht abgeschlossen, wichtig seien aber die zwei Standbeine Wirtschaft und Kultur.

„Wir waren einst ein Energielieferant, mit dem Minen-Wasserprojekt und der Solarenergie schaffen wir zu unserer Geschichte wieder eine Verbindung.

Einst war hier die Avantgarde der Moderne vertreten, heute sind wir einer von fünf Orten weltweit, wo der Grand Slam im Breakdance ausgetragen wird”, sagt Gresel.

Zu den kulturellen Ambitionen gehört auch eine Kopplung von Cultura Nova in Heerlen und dem Aachener „September Special”. An zwei Eröffnungsfeiern und einen gemeinsamen Veranstaltungsplan denkt Gresel dabei.


Auch auf anderen Gebieten sieht er geradezu die Notwendigkeit, sich mit der Städteregion enger zusammenzuschließen.
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