Neue Leitstelle: „Wir schalten erst ab, wenn alles funktioniert”

Von: Udo Kals
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Seit dem 1. Juli für sechs Ja
Seit dem 1. Juli für sechs Jahre im Amt: Kreisbrandmeister Bernd Hollands.

Herzogenrath/Simmerath. Es brennt zwar nicht mehr lichterloh, doch Bernd Hollands hat in einer recht brenzligen Situation sein neues Amt übernommen. Seit dem 1. Juli ist der frühere Herzogenrather Feuerwehrchef Kreisbrandmeister.

Und in dieser Funktion hat er ziemlich viel damit zu tun, vor allem im neuen Zusammenspiel zwischen den neun Wehren im Altkreis, der Städteregion und der Stadt Aachen immer mal wieder aufflammende Glutnester zu löschen. Der Streit entzündet sich vor allem an der geplanten städteregionalen Leitstelle, wo demnächst alle 112-Notrufe aus der gesamten Städteregion eingehen sollen.

Der Grundstein für den Bau an der Stolberger Straße in Aachen ist zwar nach längerer Verzögerung im vergangenen Juni gelegt worden. Doch die Diskussionen darüber, wie die Partner demnächst zusammenarbeiten, sind noch längst nicht beendet. Dabei geht Hollands pragmatisch an „die große Aufgabe”, wie er sagt, heran: „Die Entscheidung für eine städteregionale Leitstelle ist politisch gefallen. Jetzt müssen wir handwerklich und atmosphärisch das Beste daraus machen.”

Es gibt genügend Zündstoff: Die neun Feuerwehren zwischen Baesweiler und Monschau fühlen sich von der Stadt Aachen bei den technischen Planungen nicht genügend berücksichtigt, die Städteregion nicht genügend informiert. „Mit der Stadt und dem Altkreis Aachen treffen zwei Systeme aufeinander” sagt Hollands: „Es wird auch noch in fünf oder zehn Jahren unterschiedliche Positionen geben. Es kommt aber auf die Form an, wie man Probleme löst.” Inzwischen habe es erste Gespräche gegeben, um die Diskussion zu versachlichen, sagt der 52-Jährige. Dieses „zarte Pflänzchen” wolle er nun hegen, mit dem Aachener Feuerwehrchef Jürgen Wolff stehe er überdies in Kontakt.

Und die Zeit drängt. Im Frühjahr 2012 soll die Leitstelle bezugsfertig sein und nach einer längeren Probezeit im kommenden Jahr schließlich in Betrieb gehen. Das das passiert aber erst, betont Hollands, wenn alles funktioniert: „Es darf keine Fehlerquellen geben. Erst dann schalten wir die zentrale Leitstelle in Simmerath ab.”

Ob dann auch alle Kommunen ihren Notruf auf die neue Leitstelle aufgeschaltet haben, ist jedoch noch fraglich. Denn mit Alsdorf, Eschweiler und Stolberg fahren weiterhin drei Städte im ehemaligen Kreisgebiet eine eigene Zentrale und haben noch Bedenken, diese Kompetenz abzugeben. Ein Gerichtsurteil hat jüngst Eschweiler in seiner Haltung bestätigt.

Dabei wird in der Diskussion oftmals die bessere Ortskenntnis der einheimischen Feuerwehrleute ins Feld geführt. Dem kann Hollands nicht viel abgewinnen: „In den Niederlanden wird es demnächst nur noch sechs Leitstellen geben”, nennt er ein Beispiel und führt aus, dass immer mehr Notrufe per Handy abgesetzt werden. „Das ist bei einem Drittel der Anrufe der Fall - Tendenz steigend. Da muss das Personal auch immer gezielt nachfragen, wo sich was ereignet hat. Die Mitarbeiter der Leitstelle sind geschult.” Ob die drei Städte durch eine entsprechende Änderung im Feuerschutzhilfeleistungsgesetz künftig gezwungen werden, den 112-Notruf aufzuschalten, werde man sehen.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich: So richtig gerissen um diesen Job hat sich niemand, das gibt der 52-Jährige zu verstehen. „Doch ich habe die Katze nicht im Sack gekauft”, meint Hollands, der drei Jahre lang Stellvertreter seines Vorgängers Walter Scholl war. Zudem weiß er, wie die Chefs der neun Feuerwehren ticken. Schließlich hatte Hollands in Herzogenrath mehr als neun Jahre das Sagen. Das hat er als Kreisbrandmeister übrigens nur in eingeschränktem Maße: „Zwar habe ich die Fachaufsicht. Aber ich habe keine kämpfenden Truppen mehr. Die sind den einzelnen Feuerwehren unterstellt. Jeder einzelne Wehrführer ist alleine verantwortlich.” Und so sieht er neben dem städteregionalen Harmonisierungsprozess seine zweite Hauptaufgabe darin, seine Partner kollegial zu begleiten.

Die Feuerwehren im Altkreis sieht der für sechs Jahre gewählte Hollands „alle ganz gut aufgestellt”. Auch mit Blick auf die Aachener Berufsfeuerwehr betont er: „Wir haben eine gute Truppe, die sich nicht zu verstecken braucht.” Wobei ihm perspektivisch der Nachwuchs etwas Sorgen bereitet. „Noch haben wir eine ausreichende Zahl”, sagt Hollands, der nach seinem Schreiner-Meisterbrief sein Hobby zum Beruf machte und ganz zur Feuerwehr wechselte: „Doch wir müssen immer darum kämpfen, dass die jungen Leute trotz vieler Konkurrenzangebote bei uns bleiben.” Derzeit sind fast 2100 Feuerwehrleute zwischen Baesweiler und Monschau im Einsatz, davon 1870 ehren- und 199 hauptamtliche Kräfte.

Viele Gremien: Zwei Krisenstäbe und zwei Einsatzleitungen im Katastrophenfall

Beim Thema Katastrophenschutz kommen Stadt Aachen und Städteregion nicht voran. „Wenn es beispielsweise zu einem großflächigen Stromausfall oder einer Schneekatastrophe käme, hätten wir ein Problem”, meint Kreisbrandmeister Bernd Hollands. Hintergrund: Sowohl in der Stadt als auch im Altkreis würden - wegen der zurzeit getrennten Strukturen - jeweils ein Krisenstab und eine Einsatzleitung eingerichtet, die jeweils dem OB und dem Städteregionsrat unterstellt seien.

Das Problem: Das seit 2009 zusammengelegte städteregionale Gesundheitsamt beispielsweise müsste beiden Krisenstäben und Einsatzleitungen zur Verfügung stehen. „Das wird gerade im Schichtbetrieb bei größeren Krisen schwierig umzusetzen sein”, meint Hollands.

Die Lösung aus seiner Sicht: „Es muss politisch gewollt sein, dass jeweils nur ein Gremium für die gesamte Städteregion einberufen wird.” Es bleibt aber die Frage, wer dann das Sagen hat.

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