Städteregion - Müll und Abwasser: Es wird wohl immer Unterschiede geben

Müll und Abwasser: Es wird wohl immer Unterschiede geben

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
müll-grafik-bu
Schwieriges Unterfangen: Ein Vergleich der Müllgebühren ist problematisch, da jede Kommune andere Leistungen in ihre Kalkulation einfließen lässt. Einen Anhaltspunkt können Modellrechnungen wie diese geben. Hier werden die Gebühren für einen Musterhaushalt mit vier Personen hochgerechnet, der alle 14 Tage je eine 120 Liter fassende Rest- und Biomülltonne leeren lässt. Sparhaushalte, die alle legalen Möglichkeiten zur Müllvermeidung und -trennung nutzen sowie die kleinste Tonne und den längsten Abfuhrrhythmus wählen, haben nach dieser Hochrechnung im Rahmen der jeweils gültigen Abfallsatzung enorme Sparmöglichkeiten.

Städteregion. Ob Müll oder Abwasser: Wenn der Bund der Steuerzahler einen bundes- oder landesweiten Gebührenvergleich vorlegt, sorgt das alljährlich für Zündstoff. „Da werden doch Äpfel mit Birnen verglichen”, schimpfen Kommunen, die als „teuer” gebrandmarkt werden.

Und manch ein Bürger fragt sich beim Blick auf seinen Gebührenbescheid, warum die von ihm zu zahlende Summe von der des Gebührenvergleichs abweicht. Speziell beim Thema Müllgebühren stellt sich in der Städteregion die Frage: Wieso ist die Abfallentsorgung in den zehn Kommunen nicht gleich teuer, obwohl die Kosten für die Müllverbrennung für alle gleich hoch sind?

Tatsächlich zahlen alle Kommunen in den Kreisen Aachen und Düren sowie die Stadt Aachen pro Tonne Haus- und Sperrmüll, die in der MVA in Weisweiler verbrannt wird, an den für die Abfallentsorgung zuständigen Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW) dieselbe Gebühr: 166,62 Euro sind es in diesem Jahr.

Einheitlich bei jetzt 126,83 Euro liegt auch die Gebühr je Tonne angelieferten Sperrmülls mit 50 Prozent verwertbaren Bestandteilen. Lediglich beim Biomüll gibt es leichte Unterschiede. Müssten dann nicht auch die Müllgebühren, die die Bürger an ihre Kommune zahlen, zwischen Aachen und Monschau nahezu gleich hoch sein?

Viele Faktoren

Sind sie aber nicht. Im Gegenteil: Es gibt ganz erhebliche Schwankungen. „Das ist ein schwieriges Feld”, sagt Wilfried Kohl vom ZEW. Zum einen, weil in die städtischen Gebührensatzungen nicht nur die Kosten einfließen, die die Kommunen an den ZEW für die Entsorgung zahlen müssen. „Zusätzlich fallen ja Kosten für das Einsammeln und den Transport an, für Serviceleistungen wie die Grünschnittsammlung, für die Beseitigung des wilden Mülls und des Mülls aus den Straßenpapierkörben und anderes mehr.”

Zum anderen, so Kohl, legt jede Kommune bei der Gestaltung ihrer Gebührensatzung eine andere „Philosophie” zugrunde. „Die einen versuchen, über kostenlose Sperrmüllsammlungen wilde Müllablagerungen in der Landschaft einzudämmen. Andere versuchen, das über Vorgaben bei der Tonnengröße, Mindestentleerungen pro Jahr oder den Abfuhrrhythmus in den Griff zu bekommen.”

In manchen Kommunen ist zudem in der Restmüllgebühr die Bio- und Sperrmüllentsorgung sowie die Entsorgung von E-Schrott und Grünschnitt enthalten, in anderen nur teilweise. Die einen erheben mengenunabängige Grundgebühren je Einwohner oder je nach Grundstücksgröße, die anderen nicht. Manche Kommunen haben Privatunternehmer mit dem Einsammeln des Müll beauftragt, andere haben dafür einen städtischen Eigenbetrieb, und etliche haben sich mittlerweile dem kommunalen Unternehmen Regioentsorgung angeschlossen.

Diese Gemengelage mache Gebührenvergleiche so ungeheuer schwierig, bedauert Kohl. Einigermaßen aussagekräftig, aber auch keineswegs perfekt seien Modellrechnungen wie sie jetzt Stephanie Husmann im Rahmen ihrer Diplomarbeit für den ZEW aufgestellt hat (siehe Grafik). Die ermittelten Zahlen können dennoch nicht exakt mit den tatsächlich erhobenen Gebühren übereinstimmen, liefern aber Anhaltspunkte dafür, wo an der Gebührenschraube gedreht werden könnte.

Was aber nun genau zu höheren oder niedrigeren Müllgebühren für die Bürger führt oder welche Strategie ihr Entsorgungsverhalten wie beeinflusst, ist angesichts des Sammelsuriums an unterschiedlichen Leistungen, Bemessungsgrundlagen und Organisationsformen kaum zu sagen. „Festzustellen ist aber zum Beispiel, dass in Kommunen, die keine gesonderte Sperrmüllgebühr haben, das Sperrmüllaufkommen deutlich höher ist als in denen, in denen die Bürger auf jedes Teil eine Marke kleben müssen”, sagt Kohl. „Und es kann ja nicht sein, dass es innerhalb unserer Region ein so unterschiedliches Konsumverhalten gibt. Der Müll geht dann andere Wege, wird vielleicht im Garten verbrannt oder landet auf der grünen Wiese.”

Dennoch: Manches in der Abfallentsorgung ließe sich nach Ansicht von Wilfried Kohl noch optimieren, sprich: gebührensenkend gestalten. Etwa, indem Sammlung und Transport des Abfalls über Stadtgrenzen hinweg organisiert würden. Das habe der Ende 2005 gegründete kommunale Zweckverband Regioentsorgung gezeigt. Da Fahrzeuge und Personal im Verbund flexibler eingesetzt werden könnten, entstünden finanzielle Synergieeffekte.

Die könnten sogar noch größer sein bei größerem Bürgerservice, wenn die Kommunen ihre Gebührensatzungen anpassen würden, meint Kohl und nennt ein Beispiel: „Auf einen Sperrmülltermin müssen die Einwohner kleinerer Ortschaften oft lange warten, weil erst dann abgeholt wird, wenn eine gewisse Anzahl von Anmeldungen vorliegt. Könnten wir Touren über die Stadtgrenzen hinweg planen, wäre das anders. Aber das geht derzeit noch nicht, weil die Kommunen mit der Regioentsorgung stadtscharf abrechnen.”

Städte rücken zusammen

Unterschiede bei den Gebühren werde es wohl immer geben, betont er, schon allein aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen. „In Aachen können Sie in vielen Stadtteilen einen dreiachsigen großen Müllwagen einsetzen, das geht aber in Monschau oder Teilen von Stolberg wegen der engen und steilen Straßen nicht.” Aber Kohl ist überzeugt davon, dass sich in den nächsten Jahren noch einiges tun wird in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit bei der Abfallentsorgung. Auch, weil im Oktober die Städteregion offiziell an den Start geht.

Jeder Bürger produziert 446 Kilo Müll im Jahr

Statistisch gesehen hat jeder der 838.573 Bürger in Stadt und Kreis Aachen sowie im Kreis Düren im Jahr 2007 rund 446 Kilo Müll entsorgt, davon 164 kg Haus- und Sperrmüll, 147 kg Wertstoffe wie Glas, Papier oder Metall, 131 kg Bio- und Grünabfälle sowie 4 kg sonstige Abfälle, etwa Schadstoffe.

Die Mengen variieren jedoch stark je nach Wohnort. So wies Monschau das geringste Haus- und Sperrmüllaufkommen auf (133 kg je Einwohner), Eschweiler das höchste (201 kg). Den meisten Bio- und Grünabfall produzierten die Würselener (155 kg), den wenigsten die Roetgener (21 kg). Bei den Wertstoffen liegen die Eschweiler vorn (166 kg), Schlusslicht sind die Monschauer (131 kg).

Chronologie

Im Jahr 1991 gründen Stadt und Kreis Aachen das zu 100 Prozent kommunale Entsorgungsunternehmen Abfallwirtschaft Kreis und Stadt Aachen GmbH (AWA), das seit 2003 unter dem Namen AWA Entsorgung GmbH firmiert. Hintergrund ist insbesondere das damals gültige Abfallwirtschaftsgesetz NRW. Eine Mehrheit in den beiden Kommunalparlamenten sieht sich dadurch mehr oder weniger gedrängt, in die Müllverbrennung einzusteigen, um die Abfallentsorgung sicherstellen zu können. Jahrelang liefern sich Befürworter und Gegner der Müllverbrennungsanlage (MVA) Weisweiler heftige Diskussionen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten, sondern auch um Umweltfragen.

Am 1. Juli 1994 erfolgt der erste Spatenstich für den Bau der MVA Weisweiler, nach mehrmonatigem Probebetrieb startet im Herbst 1997 die Verbrennung. Für den Betrieb der Anlage wird im Sommer 1997 die MVA Weisweiler GmbH & Co.KG gegründet. Anteilseigner sind zu gleichen Teilen die AWA und ein Privatunternehmen. Nach mehrmaligen Wechsel ist dies heute die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH (EGN) Krefeld.

Am 28. Januar 2003 gründen Stadt und Kreis Aachen sowie der Kreis Düren den Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW) mit dem Ziel, die Restmüllentsorgung in ihrem Gebiet gemeinsam zu sichern. Für die drei Verbandsmitglieder nimmt der ZEW unterschiedliche Aufgaben wahr: für alle die Müllverbrennung und die mobile Schadstoffsammlung, für Stadt und Kreis Aachen zusätzlich die Betriebsführung der Zentraldeponie Warden, für den Kreis Aachen kommen Biomüllverarbeitung, Abfallberatung und Nachsorge der Altdeponien hinzu. Der ZEW übernimmt etwa 94 Prozent der Anteile an der AWA.

Zum 1. Januar 2005 wird die AWA Service GmbH als 100-prozentige Tochter der AWA Entsorgung gegründet. Sie ist vor allem für den Bereich Logistik inklusive Fuhrpark zuständig, aber auch für den Betrieb der Entsorgungs- und Logistikzentren Warden und Hürtgenwald-Horm. Ende 2005 gründen die Würselen, Inden, Langerwehe und Linnich den Zweckverband Regioentsorgung. Ihr Ziel ist, in einem gemeinsamen kommunalen Unternehmen - der Regioentsorgung AöR mit Sitz in Würselen - die Sammlung und den Transport des Mülls in ihrem Gebiet zu organisieren und sich so unabhängig von Privatunternehmen zu machen. Zudem soll die Rekommunalisierung der Müllabfuhr die Bürger mittelfristig finanziell entlasten. Mittlerweile haben sich mit Alsdorf, Herzogenrath, Baesweiler, Roetgen, Simmerath und Niederzier sowie Eschweiler und Stolberg (nur Altpapier) acht weitere Kommunen dem Zweckverband angeschlossen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert