Lehrer darf kein Osterhase sein: Wissen vermitteln, nicht verstecken

Von: Stefan Schaum
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Die können vieles, sogar tanz
Die können vieles, sogar tanzen: In einem Workshop in Kooperation mit der RWTH haben Schülerinnen des Stolberger Ritzefeld-Gymnasiums Roboter selbst gebaut und mit Programmen gefüttert. Foto: Stefan Schaum

Stolberg. Das mit den Robotern sei schon ziemlich cool gewesen. „Hat richtig Spaß gemacht, die mit Programmen zu füttern”, sagt Veronika Jaskulski. Sogar das Tanzen hat die Zwölfjährige ihrem Apparat beigebracht.

Technik, die begeistert - hier passt der Werbeslogan offenbar. Die Schülerin des Stolberger Ritzefeld-Gymnasiums ist beim dritten Zukunftsforum der Städteregion nur ein Beispiel dafür, dass Naturwissenschaften Schülern durchaus gefallen können. Wenn man sie denn richtig rüberbringt.

Im Fokus des Info-Abends im Zinkhütter Hof standen die Schulfächer, die landläufig eher als spröde gelten: Mathematik, Informatik, Naturwisschenschaften und Technik, kurz „Mint”. Die zu vermitteln, tut Not. „Wir steuern auf einen Fachkräftemangel zu”, sagte Petra Pauli, Sprecherin der Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) Aachen, im Bühnengespräch mit Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung.

Vor allem im technischen Bereich blieben Stellen mangels geeigneter Bewerber zunehmend unbesetzt. „Wir müssen ganz früh ansetzen, um die Kinder an die Naturwissenschaften heranzuführen”, betonte Elke Münich, Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen. So werden bereits Erzieherinnen in Kindergärten bei Fortbildungen Wege aufgezeigt, die kindliche Neugier an Phänomenen der Naturwissenschaft zu nutzen, um sie später in der Schule in verwertbares Wissen ummünzen zu können.

Diesen Aspekt stellte die Referentin des Abends, die Lernforscherin Elsbeth Stern, in den Mittelpunkt ihres Vortrags. „In den Schulen wird zu häufig formelhaftes, oberflächliches Wissen gefördert, das von Schülern nur bis zur nächsten Klausur behalten und dann wieder vergessen wird.” Einen schmucken Vergleich hatte die Professorin der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich parat: „Lehrer sind zu oft wie Osterhasen - sie verstecken das Wissen und die Schüler sollen es dann suchen.”

Lehrer müssten fitter gemacht werden, um den Unterricht so zu gestalten, „dass die Schüler das Wissen als Schlüssel nutzen können. Dass sie es anwenden können und sehen, dass die Naturwissenschaften einen praktischen Nutzen haben und nicht bloß graue Theorie sind”. Dafür gab es kräftigen Applaus aus dem Publikum, das großteils aus eben jenen Pädagogen bestand. Ein ausgewogener Mix aus anschaulicher Praxis und Theorie müsse dabei gefunden werden, sagte die Psychologin. „Kinder können nicht nur mit dem Kopf lernen und nicht nur mit der Hand - es muss eine Verbindung her.”

Wie solche Verbindungen aussehen könnten, konnten Besucher auf dem „Markt der Möglichkeiten” entdecken, der die Bühnengespräche abrundete. Neben den Robotern, die Schülerinnen des Ritzefeld-Gymnasiums in einem Workshop gebaut hatten, stellten das Würselener Heilig-Geist-Gymnasium seine Lernkooperation mit einem Informatikunternehmen sowie das Gesamtschule Waldschule Eschweiler „live erlebte Technik” vor.
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