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Leader-Region „Aachener Revier“: Das Rennen um Fördergelder startet

Von: Thorsten Pracht
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Mittendrin bei der Ideensammlung: Ruth Roelen, Oberbaurätin der Städteregion, nimmt bei der Auftaktveranstaltung zur Leader-Region „Aachener Revier“ in der Baesweiler Burg Anregungen entgegen. Foto: Thorsten Pracht

Städteregion. Es ist eine ungewöhnliche Konstellation, die sich da gefunden hat. Im Wettlauf um Fördergelder aus dem Leader-Programm der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen gehen Hückelhoven, Erkelenz, Geilenkirchen, Baesweiler, Alsdorf, Würselen, Eschweiler und Stolberg gemeinsam ins Rennen.

In der Baesweiler Burg fand am Mittwochabend die Auftaktveranstaltung statt – und knapp 130 Menschen aus der Städteregion und dem Kreis Heinsberg kamen. „Wir sind begeistert von der Resonanz, denn es ist ja keine gelebte Gebietskulisse“, sagt Ruth Roelen, Oberbaurätin der Städteregion. Sie begleitet gemeinsam mit Josef Nießen, Baudezernent des Kreises Heinsberg, die Bewerbung. Arbeitstitel der neu geschaffenen Region ist bislang „Aachener Revier“ – wobei andere Namensvorschläge durchaus willkommen seien, wie Nießen betont.

Beim ersten Treffen wurden Ideen gesammelt. „Ländliche Lebensqualität und Ortsentwicklung“, „Generationenprojekte“, „Mobilitätssicherung/Nahverkehr“, oder „Gesundheit und medizinische Versorgung“ lauteten einige der Oberbegriffe, am Ende sollten in der Bewerbung drei bis sechs Handlungsfelder definiert sein. „Leader fördert fast alles, für das es sonst keine Fördertöpfe gibt. Fangen Sie an zu spinnen und zu fantasieren“, rief Günter Flamm, Beteiligter am Leader-Projekt Eifel, den Zuhörern zu. Auch Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, warb für die Beteiligung der Bürger: „Im ländlichen Raum gehen die Beziehungen unter den Menschen langsam verloren.“ Dem gelte es gegenzusteuern. Für eine erfolgreiche Bewerbung müsse das Alleinstellungsmerkmal der Region betont werden, sagte Conzen.

Genau darin dürfte die Herausforderung bei der Bewerbung bestehen, die vom Beratungsunternehmen Grontmij begleitet wird. Denn das Konstrukt „Aachener Revier“ umfasst knapp 156.000 Einwohner. Erkelenz beteiligt sich mit 46 Dörfern und Weilern, Hückelhoven mit elf Ortsteilen, Geilenkirchen mit 28 Dörfern. Aus der Städteregion kommen Baesweiler mit Beggendorf, Floverich, Love-rich, Oidtweiler und Puffendorf, der Alsdorfer Stadtteil Bettendorf, die Würselener Gemarkungen Bardenberg und Broichweiden, Eschweiler mit Kinz-weiler, Hehlrath, St. Jöris, Röhe, Aue, Stich, Pumpe, Röthgen, Bergrath, Bohl, Volkenrath, Hastenrath, Scherpenseel, Nothberg, Hücheln und Weisweiler sowie die vier Stolberger Ortsteile Büsbach, Münsterbusch, Atsch und Donnerberg hinzu.

Trotz des heterogenen Gebietes zwischen Erkelenz und Stolberg seien die Ansätze doch überall gleich, unterstrich der Geilenkirchener Bürgermeister Thomas Fiedler. „Die Themen im ländlichen Raum sind seit Jahren klar. Leader schafft hier in koordiniertem Rahmen Möglichkeiten der Förderung“, sagte Fiedler. Ihm sei speziell die Erhaltung der Dorfkernstruktur ein Anliegen.

In der Tat zeigte das „Brainstorming“, wo Wünsche und Nöte der Menschen liegen: ÖPNV verbessern, Ehrenamt stärken, Anreize für die Nachfolge von Hausärzten schaffen oder gar mobile Praxen einrichten, Fahrrad- und Wanderwege ausbauen oder ein Dorfcafé gründen. Und wie wäre es mit einer Landesgartenschau entlang der Rur zwischen Hückelhoven und Hilfarth?

Sollte die Region im kommenden Jahr den Zuschlag erhalten, könnten bis zu 3,5 Millionen Euro Fördermittel fließen. Wie die verteilt würden, darüber machen sich die Verantwortlichen bislang noch keine Gedanken. 24 Leader-Regionen wird es in Nordrhein-Westfalen maximal geben, über 40 Bewerbungen sollen bereits in Arbeit sein. Es wird also ein hartes Ringen um die Fördermittel. So geht auch die Eifel wieder ins Rennen. Das „Rheinische Revier an Inde und Rur“ mit den Kommunen Inden, Niederzier, Langerwehe, Linnich, Aldenhoven, Jülich, Titz, Merzenich und den nördlichen Eschweiler Ortsteilen arbeitet seit Monaten an einer Bewerbung.

Neu ist in der kommenden Förderperiode, die bis 2020 dauert, dass der Eigenanteil an den Projekten nicht allein von Kommunen getragen werden muss, sondern auch Sponsoren, Spender oder Stiftungen beteiligt werden können – für klamme Haushalte ein zusätzlicher Anreiz, um die Leader-Mittel zu kämpfen.

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