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Landschaftsplan beunruhigt die Landwirtschaft

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Naturschutz als Belastung und Hemmnis? Beim „Gespräch mit der Landwirtschaft“ baten Vertreter von Kreisbauernschaft und Landwirtschaftskammer darum, ihre Interessen bei der Erstellung des neuen Landschaftsplans angemessen zu berücksichtigen. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Richard Bollig konnte sich entspannt zurücklehnen. Er hatte, wie ihm Städteregionsrat Helmut Etschenberg bescheinigte, am Donnerstag zweifellos den leichteren Part, als beim „Gespräch mit der Landwirtschaft“, zu dem Stadt Aachen und Städteregion gemeinsam eingeladen hatten, der Fokus auf die Landschaftsplanung gerichtet wurde.

„Wir haben eine ruhige Phase vor uns, weil im Altkreis Aachen keine Aufstellungsverfahren anstehen“, stellte der Arbeitsgruppenleiter im städteregionalen Umweltamt fest.

Vor gut 30 Jahren hat der damalige Kreis Aachen damit begonnen, Landschaftspläne auf den Gebieten der ihm angehörenden Kommunen zu erstellen. Sukzessive wurde das Puzzle vollendet. Als siebtes und letztes Teil kam 2014, dann schon unter der Regie der Städteregion, der Landschaftsplan Eschweiler/Alsdorf mit dem Blausteinsee als Kern hinzu. Seitdem gelten alle Pläne, und das dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben.

In Aachen stellt sich die Situation hingegen völlig anders dar. Bis Ende 2018 will die Stadt den Satzungsbeschluss für einen neuen Landschaftsplan fassen. Und schon die ersten Treffen und Besprechungen zur Erstellung einer Vorstudie haben gezeigt, „dass es seitens der Landwirtschaft einen erheblichen Bedarf gibt, sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt einzubringen“, wusste Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereiches Umwelt bei der Stadt Aachen, zu berichten.

Diesen Bedarf untermauerten die Vertreter von Kreisbauernschaft und Landwirtschaftskammer sowie die anwesenden Landwirte am Donnerstag im Haus der Städteregion noch einmal. Sie haben die Sorge, dass der Landschaftsplan, der in erster Linie das Ziel hat, Schutzausweisungen und Maßnahmen zum Naturschutz und zur Landschaftspflege rechtsverbindlich festzulegen und den Biotop- und Artenschutz zu gewährleisten, mit wirtschaftlichen Nachteilen für sie verbunden sein könnte.

„Je mehr wir Flächen, die wir bewirtschaften können, einschränken, desto mehr verlassen wir den Weg der Nachhaltigkeit“, mahnte Wilfried Jansen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Und Geschäftsführer Heinz-Gerd Kleinhans forderte: „Wirtschaften nach guter fachlicher Praxis muss auch weiterhin möglich sein.“

Es sind vor allem Naturschützer und Landwirte, die sich des öfteren widersprechen. Doch Marcel Philipp verwies noch auf einen weiteren Akteur, den es bei der von ihm ausgemachten „Flächenkonkurrenz“ zu beachten gelte: die Wirtschaft mit ihren Expansionsplänen. „Es ist überhaupt nicht unser Ziel, die Landwirtschaft zurückzudrängen“, betonte Aachens Oberbürgermeister. „Aber wir haben die Verpflichtung, alle Interessen abzuwägen.“

Das soll im weiteren Prozess, der eng an den Ablauf eines Bauleitverfahrens angelehnt ist, geschehen. Voraussichtlich bis Ende dieses Jahres, so schätzt Elmar Wiezorek, wird die Sammlung und Ordnung von Fakten und Daten dauern. Die daraus resultierende Vorstudie soll anschließend der Bevölkerung in einer ersten Offenlage präsentiert und in mehreren Bürgerveranstaltungen auch diskutiert werden.

Das letzte Wort in dem Verfahren wird der Rat der Stadt Aachen haben. Er beschließt – nach der Bewertung aller öffentlichen und privaten Belange, wie die Verwaltung betont – den neuen Landschaftsplan als Satzung.

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