Kulturhauptstadt Maastricht gescheitert. Und jetzt?

Von: Andreas Röchter
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Eschweiler. Am 6. September platzte der Traum! Nicht Maastricht wird im Jahr 2018 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ tragen, sondern die friesische Stadt Leeuwarden. Damit ist auch klar, dass das Projekt „Maastricht & Euregio Maas-Rhein 2018“ nicht im geplanten Umfang zur Geltung kommen wird.

Dennoch hoffen die Verantwortlichen der Bewerbung, dass die Dynamik der Bewerbungsphase genutzt werden kann, dem Kulturleben innerhalb der Region neue Impulse einzuhauchen.

Während des von Kulturmanager Max Krieger veranstalteten und vom Redakteur unserer Zeitung, Robert Esser, moderierten „Kulturmanagement-Tags“ im Eschweiler Talbahnhof war mit Manfred Bausch ein Mann zu Gast, der als stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbands Regio Aachen maßgeblich an der Bewerbung beteiligt war.

Nach einer kurzen Rückschau auf einen „vierjährigen intensiven Bewerbungsprozess“ richtete sich sein Blick auf die Zukunft und die Möglichkeiten, die sich der Region durch die Bewerbung bieten.

Warum Leeuwarden?

„Leeuwarden wird Kulturhauptstadt, aber Maastricht und die Region Maas-Rhein sind nicht gescheitert“, so das Fazit von Manfred Bausch.

Als Gründe für die Entscheidung zu Gunsten der friesischen Stadt nannte er drei Aspekte: „Erstens hat uns die Jury der Europäischen Kommission nicht geglaubt, dass wir in der Lage sind, ein solches Projekt in einem komplexen Drei-Länder-Eck mit drei Sprachen und fünf Regionen organisatorisch zu stemmen.“

Zweitens sei der durchaus auch politische Ansatz der Bewerbung, die den Kernpunkt ‚Europa leben und gestalten‘ in den Mittelpunkt gestellt habe, bei den „aus dem engeren kulturellen Feld stammenden Jurymitgliedern“ nicht angekommen.

„Vielleicht war dieser Weg falsch. Aber er war authentisch und passte zur Region“, unterstrich Bausch. „Meiner Meinung nach war aber der Hauptgrund, dass die Jury die Meinung vertrat, dass die Stadt Leeuwarden als Teil der strukturschwächsten Region der Niederlande den Titel ‚Kulturhauptstadt‘ viel dringender benötigt als das ohnehin bereits blühende Maastricht.“

Und nun? „Einen fertigen Plan B haben wir nicht in der Schublade“, räumte Bausch ein. Dennoch gebe es Möglichkeiten, die Bewegung, die durch den Bewerbungsprozess in die Kulturlandschaft der Region gekommen sei, zu nutzen.

Das Ziel dürfe aber nun nicht lauten, Leuchtturmprojekte aus Stein und Beton in die Landschaft zu setzen, sondern Kultur in ihrer Breite als Querschnittsaufgabe für die gesellschaftliche Entwicklung zu vermitteln. Die Zielgruppe sei dabei nicht zuletzt die Generation der 1992 oder später Geborenen.

In praktischer Hinsicht gelte es, unter anderem die Erreichbarkeit der kulturellen Einrichtungen sowie deren Schnittmengen untereinander zu hinterfragen. „Warum fährt der Aachener nicht nach Eschweiler oder Düren? Bald wird das Begas-Haus in Heinsberg wiedereröffnet.

Ist dies in der Region bekannt?“, stellte Manfred Bausch Fragen in den Raum. Entscheidend werde sein, die Mobilität der Menschen zu erhöhen.

Auch gelte es, Netzwerke der Kulturschaffenden untereinander sowie zwischen Kultur und Wirtschaft zu schaffen. Darüber hinaus müsse ein weiterer Schwerpunkt auf die kulturtouristische Vermarktung gelegt werden.

„In dieser Hinsicht ist in der Region noch zu viel Kleinstaaterei vorhanden. Im Oberzentrum ist man sich nicht bewusst, was aus der Region mitvermarktet werden kann“, kritisierte Bausch. Dabei habe die Region insgesamt mehr als genug zu bieten.

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