Aachen - Kommunen müssen nachbessern

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Kommunen müssen nachbessern

Von: Jutta Geese
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Mangelware: In den Kommunen im
Mangelware: In den Kommunen im Altkreis gibt es zu wenige Plätze, wo sich ältere Kinder und Jugendliche ungezwungen treffen können, so wie an der Skateranlage in Eschweiler (unser Bild). Das bemängeln 52 Prozent der Familien bei einer repräsentativen Befragung.

Aachen. Die Familie wird gerne als „Keimzelle der Gesellschaft” bezeichnet. Doch so recht weiß niemand, wie die Lebenswirklichkeit von Familien mit Kindern aussieht.


Es gibt zwar unzählige Statistiken auf Landes- oder Bundesebene zu Teilaspekten wie Einkommen, Familienformen oder Vereinbarkeit von Familien und Beruf, aber kaum vernünftige Daten, anhand derer Kommunalpolitiker ihre Entscheidungen zur Verbesserung der Lebenssituation von Familien treffen können. Bislang jedenfalls: Denn jetzt liegen die ersten Ergebnisse einer repräsentativen Familienbefragung in den neun Kommunen des Altkreises vor. Und die lassen erkennen, dass in Sachen Familienfreundlichkeit noch einiges zu tun ist.

Exakt 2706 der 7544 angeschriebenen Haushalte, in denen im vergangenen Sommer mindestens ein Kind unter 18 Jahren lebte, haben den mit 75 Fragen recht umfangreichen Bogen ausgefüllt. Das entspricht einer Rücklaufquote von stolzen 36 Prozent. Der Anteil der Alleinerziehenden liegt mit 15 Prozent etwas niedriger als im Durchschnitt, sagt Annett Schultz, Geschäftsführerin der „Faktor Familie” GmbH Bochum, die vergleichbare Befragungen bereits in 15 Städten und vier Kreisen in NRW durchgeführt hat. Die weitaus meisten Familien in den neun Kommunen - mehr als 80 Prozent - entsprechen dem klassischen Familienmodell mit Vater und Mutter als Ehepaar und ein bis zwei Kindern. Doch ganz gleich, ob klassische Familie, nicht-eheliche Lebensgemeinschaft oder Alleinerziehende, ob mit oder ohne Migrationshintergrund: Viele Familien plagen finanzielle Sorgen, die größer werden, je mehr Kinder vorhanden sind.

„Insbesondere für Hausaufgabenhilfe oder Nachhilfe ist es sehr knapp”, erläutert Annett Schultz. Dafür reiche das Geld überhaupt nicht, hat immerhin jede fünfte deutsche Familie und fast jede zweite Alleinerziehende angegeben. Deren Lage bezeichnet Schultz insgesamt als „sehr prekär”, denn bei jeder zehnten Alleinerziehenden reicht das Monatsbudget nicht mal für Lebensmittel. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass Alleinerziehende zwar zu 64 Prozent erwerbstätig sind, dass aber fast die Hälfte von ihnen ein deutlich unter dem Durchschnitt liegendes Einkommen hat. Ein Grund: Probleme mit der Betreuung der Kinder erlauben es vielen nicht, Vollzeit zu arbeiten. Über fehlende, zu teure und vor allem bei den Öffnungszeiten wenig flexible Betreuungseinrichtungen klagen jedoch auch viele andere Familien.

Handlungsbedarf für die Kommunen belegen auch folgende Zahlen: Während immerhin 84 Prozent der befragten Familien mit ihrer Wohnung zufrieden sind, sind es nur 74 Prozent mit ihrem Wohnumfeld. Treffpunkte für Kinder und Jugendliche fehlen, sagen 52 Prozent, zu wenig Freizeitangebote für Kinder und Erwachsene bemängeln 48 bzw. 43 Prozent, und jede dritte Familie beklagt, dass die Kinder wegen des Autoverkehrs nicht alleine nach draußen können.

Die „Mängelliste” ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich, sagt Annett Schultz. Und Dr. Nina Mika-Helfmeier, Stabsstellenleiterin der Städteregion, betont, dass die Ergebnisse für jede Kommune aufgeschlüsselt werden, damit vor Ort die jeweils notwendigen Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation von Familien eingeleitet werden können.
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