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Klimaschutz fängt auf der Tischdecke an

Von: Udo Kals
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Diskutieren und notieren: Beim „World-Café” im Energeticon wurden zahlreiche Ideen gesammelt. Foto: Ralf Roeger

Alsdorf. Als die Tischdecken vollgeschrieben waren, war Uwe Zink rundum zufrieden. Nicht dass der Umweltdezernent der Städteregion seine gute Kinderstube vergessen hätte.

Vielmehr gehörte das spontane Niederschreiben und Skizzieren von Ideen und Ansichten auf die papierene Unterlage zur Etikette des Workshop-Formats „World-Café”, auf das sich jetzt 80 Experten aus der Städteregion eingelassen haben. Mehr als zwei Stunden lang saßen Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft im Alsdorfer Energeticon in wechselnden Konstellationen an den Tischen zusammen, um ihre Gedanken zum Klimaschutz zu diskutieren und zu notieren.

„Es ging sehr lebhaft und zum Teil auch kontrovers zu”, bilanziert Zink und berichtet von positiven Reaktionen vieler Gäste: „Die etwas andere Form des Meinungsaustauschs hat vielen Teilnehmern sichtlich gefallen.”

Ein Blick auf die Tischdecken zeigt, dass zu den drei diskutierten Bereichen klimafreundliche Mobilität, erneuerbare Energie und energetische Gebäudesanierung auch viel Inhaltliches zusammengekommen zu sein scheint.

Ob die Forderung nach einer intensiveren Energieberatung, die Diskussion über alternative Antriebssysteme oder die Frage, ob Photovoltaik oder solarthermische Anlagen effizienter sind - ganz im Sinne der von Städteregionsrat Helmut Etschenberg in der Eröffnungrede geäußerten Hoffnung war diese erste Klimakonferenz vor allem auch eine breit angelegte Ideensammlung.

Deren Ergebnisse werden nun ausgewertet und in das städteregionale Klimaschutzkonzept einfließen, das bis zum Sommer mit Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung erarbeitet wird. Schließlich will nicht nur die schwarz-grüne Mehrheit, sondern auch die Opposition mit SPD, UWG und Linkspartei die Städteregion zu einer Modellregion in Sachen Klimaschutzschutz ausbauen.

Politischer Streit

Welche konkreten Schritte auf der Grundlage des Klimaschutzkonzeptes getan werden, entscheidet die Politik - und zwar nicht in dem ursprünglich beschlossenen Projektbeirat, sondern in einem von Schwarz-Grün geforderten und von der Opposition vehement abgelehnten politischen Unterausschuss. Die schwarz-grünen Kooperationspartner wollen ihre politische Mehrheit abgebildet und die politische Verantwortung bei wichtigen Beschlüssen gestärkt sehen. Die SPD befürchtet indes, dass dem Umweltausschuss nach dem Themenkomplex „Mobilität” ein weiterer wichtiger Bereich aus den Händen genommen wird (siehe auch „Nachgefragt”).

Abseits des politischen Zwistes ermuntert der Städteregionsrat alle, selbst aktiv beim Klimaschutz zu werden - ob als Fachmann oder als Laie. Wie einfach das mitunter geht, erläuterten im Energeticon vier Bürger. Etwa die Berufspendlerin Nadine Meier, die inzwischen per Rad und Euregiobahn zum Job und zurück fährt und so den zweiten Wagen abschaffen konnte. Ihr Motto: „Klönen statt sich im Berufsverkehr ärgern.” Oder Johannes Henkens, der ein Niedrigenergiehaus gebaut und dieses inzwischen unter anderem um eine Photovoltaik- und eine thermische Solaranlage ergänzt hat. Oder die Schülerin Anja Schmitz, die im Gegensatz zu zahlreichen Klassenkameraden lieber zusammen mit Freundinnen im Bus oder Pkw zur Schule fährt. Ihre Forderung: „In der Schule werden die Jugendlichen nicht genug über Klimaschutz aufgeklärt - das muss sich ändern.” Oder Susanne Lesmeister, die ein 300 Jahre altes Haus umgebaut und dabei den Wert von herkömmlichen Baumaterialen zu schätzen gelernt hat. Ihre Idee: „Wer als Kind Kontakt zur Natur hatte, will diese als Erwachsener auch erhalten.” Und so bestätigten sie Etschenberg, der zuvor gesagt hatte: „Beim Klimaschutz können wir vieles selber in die Hand nehmen.”
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