Aachen - Kleine Auszeit für Eltern und ihre Kinder

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Kleine Auszeit für Eltern und ihre Kinder

Von: Anja Klingbeil
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Aachen. Jakob ist vier Jahre alt. Er spricht kaum, ist entwicklungsverzögert und hat Wahrnehmungsstörungen. Für seine Eltern heißt das, dass sie ihren Sohn nicht eine Minute aus den Augen lassen dürfen.

Jakob braucht einfach noch mehr Aufmerksamkeit als andere Kinder in seinem Alter. Für seine Familie ist das eine ungeheure Belastung. Im Mittelpunkt steht Jakob. Da müssen selbst seine gesunden Geschwister zurückstecken. Mutter und Vater waren so erschöpft von der Betreuung ihres gehandicapten Sohnes, dass sie kurz davor waren, ihn wegzugeben.

Dann kam Stefanie Bahr in die Familie. Seit einigen Wochen übernimmt sie nun für ein paar Stunden am Wochenende jeweils die Betreuung des kleinen Jakobs. So haben die Eltern eine kurze Auszeit von der Pflege ihres Sohnes. Stefanie Bahr ist mit ihrer Kollegin Diana Stiemke Koordinatorin des Projekts „Familienunterstützender Dienst” (FUD).

Das neue Angebot des DRK-Kreisverbandes Städteregion Aachen richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen (körperlich und geistig), die einen erhöhten Unterstützungsbedarf haben. „Unser Angebot, das sich insbesondere an Familien mit Migrationshintergrund wendet, kann diese Familien entlasten”, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Stefanie Bahr. Finanziert wird der FUD unter anderem durch die „Aktion Mensch”.

Keine Therapie

Der FUD schafft Freizeitangebote für Menschen mit Behinderungen und entlastet damit deren Angehörige. Neben Beratung und Elternarbeit ist ein wichtiger Baustein die Übernahme von Betreuungszeiten. „Es geht nicht darum, dass wir eine Therapiestunde anbieten”, betont Diana Stiemke. Das Kind wird für einige Stunden betreut, so dass die Eltern sich eine Auszeit vom Alltag nehmen können oder längst überfällige Termine wahrnehmen können.

Im Mai ist das Angebot gestartet. Seitdem unterstützen Bahr und Stiemke fünf Familien in der gesamten Städteregion. Rund 15 Euro kostet eine Stunde. Abgerechnet werden kann die Leistung unter anderem über die Pflegekasse - bei bestehender Pflegestufe und erhöhtem Betreuungsbedarf. Der Familienunterstützende Dienst ist ein niedrigschwelliges Angebot. „Wir wollen den Eltern die Angst nehmen, dass wir etwas mit dem Jugendamt zu tun haben oder dass ihnen das Kind weggenommen wird”, sagt Stefanie Bahr. Die Zeiten für eine Betreuung werden übrigens individuell abgesprochen. Bisher nutzen die meisten Familien das Angebot am Wochenende.

Um den FUD weiter auszuweiten, werden Ehrenamtler gesucht. Das können sowohl Studenten der Sozialpädagogik, aber auch Hausfrauen und Mütter sein. „Es müssen einfach Menschen sein, die Lust haben, sich um Kinder zu kümmern und die keine Berührungsängste mit Behinderungen haben”, sagt Stefanie Bahr. In einem Vorgespräch wird geklärt, ob die Bewerber geeignet sind. Im Herbst soll es einen ersten Kurs geben, in dem die Ehrenamtler auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet werden. Bevor sie in eine Familie kommen, wird geprüft, ob die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt. „Wenn es nicht passt, ist das auch kein Problem”, sagt Diana Stiemke.

Langfristig soll der Familienunterstützende Dienst noch weiter ausgebaut werden. Geplant sind Gruppen, die etwa gemeinsam ins Kino gehen, sowie Ferienfreizeitmaßnahmen. Ganz wichtig bei allen Angeboten: „Wir gehen nicht mit erhobenem Zeigefinger in eine Familie. Es gilt, eine gewisse Distanz zu bewahren, um für das Kind ein paar schöne Stunden herauszuholen”, sagt Diana Stiemke.

Die hat auch der kleine Jakob. Seitdem Stefanie Bahr den Eltern mit ihrer Arbeit Freiräume schafft, hat sich der Vierjährige gut entwickelt. „Er ist schon sehr viel ruhiger geworden”, sagt Stefanie Bahr, „und er freut sich immer, wenn ich komme.”

Ansprechpartnerinnen und Kontaktadresse

Weitere Informationen zum neuen Familienunterstützenden Dienst gibt es bei Diana Stiemke und Stefanie Bahr, DRK-Kreisverband Städteregion Aachen, Robensstraße 49 in Aachen, Telefon 0241/1802548, E-Mail: diana.stiemke@drk.ac; stefanie.bahr@drk.ac. Bei ihnen können sich auch diejenigen melden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.
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