Keine Zauberei: Kinder und Job unter einem Hut

Von: Matthias Hinrichs
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„Betriebsferien” der anderen
„Betriebsferien” der anderen Art: Bei Saint-Gobain werden mit Unterstützung des Caritas-Familienservice sogar Ferienspiele für Sprösslinge von Mitarbeitern angeboten. Foto: Saint-Gobain Glass

Aachen. Glasklare Sache. Die berühmten Luftschlösser haben bei den Bau-Experten von Saint-Gobain nichts zu suchen. Eigentlich. Schließlich weht der herbe Wind des Wettbewerbs täglich auch durch die Büros und Werkhallen von Saint-Gobain Glass Deutschland.

Eben drum - haben sich die Verantwortlichen allerdings bereits vor rund zwei Jahren gesagt. Deshalb ist mancher Azubi mitunter fleißig damit beschäftigt, in der firmeneigenen Glasschule das eine oder andere Stück quasi in eigener Sache zu bearbeiten - nämlich so, dass auch leidenschaftliche Laien mit reichlich Fantasie, aber ohne jede Gefahr damit hantieren dürfen.

Und zwar solche, die kaum höher sind als ein paar Laibe Käse: „Vergangenes Jahr haben die Kinder von Mitarbeitern bei uns während der Ferien gemeinsam Schlösser und Burgen gebaut, die sie anschließend mit nach Hause nehmen durften”, erzählt Antje Gnauck, Personalleiterin im Werk Herzogenrath des großen Glasherstellers mit Hauptsitz in Aachen.

Möglich gemacht hat das - und manches mehr - der Aachener Familienservice. „Bereits 2009 haben wir dieses Angebot mit dem Fachbereich Wirtschaftsförderung und Europäische Angelegenheiten der Stadt und Fördermitteln von Land und EU in der Stadt Aachen auf die Beine gestellt”, berichtet Melanie Kugelmeier, Sozialarbeiterin und Leiterin des Projekts „Caritas Unternehmensservice”.

Zuschüsse sprudeln inzwischen zwar nicht mehr, aber dafür die Ideen, wenn es darum geht, die viel zitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Praxis jetzt auch in der gesamten Städteregion zu gewährleisten. Inzwischen nehmen knapp zwei Dutzend Sprösslinge von Saint-Gobain-Beschäftigten - siehe oben - zum Beispiel regelmäßig an firmeninternen Ferienspielen teil.

So wie Tim (9) und seine Schwester Hanna (13). „Auch sonst helfen die neuen Möglichkeiten mir und meinem Mann, Arbeit und Kinderbetreuung bestens unter einen Hut zu bringen”, erzählt die stolze Mutter Uta Schmieszek, die als kaufmännische Angestellte 30 Stunden pro Woche bei Saint-Gobain tätig ist. Flexibilität heißt das Motto - und alle Seiten sollen profitieren, gerade angesichts des aktuellen Fachkräftemangels.

„Von potenziellen Bewerbern werden wir heute mehr denn je gefragt, wie familienfreundlich unsere Betriebsstrukturen konkret aussehen”, betont Antje Gnauck. Deshalb wurde bereits vor rund drei Jahren eine Bedarfsermittlung unter den insgesamt rund 600 Mitarbeitern des Unternehmens in der Region veranlasst, um in Kooperation mit dem Caritas-Dienst möglichst maßgeschneiderte Angebote zu gestalten.

So stehen Tagesmütter bereit, die sich in Notfällen um den Nachwuchs kümmern - oder auch dann, wenn die Pforten der Kitas geschlossen sind. Die Eltern müssen zur Finanzierung 2,50 Euro pro Stunde beisteuern. Spezielle Programme wie die firmeneigenen Spiel- und Bastelwochen gibts in der Regel sogar zum Nulltarif, weil Saint-Gobain selbst den Großteil der erforderlichen Mittel aufbringt.

Betreut werden die Kinder dabei von Erziehern der Baesweiler Jugendkunstschule „Aber Hallo”. Inzwischen wurde sogar ein sogenannter Ferienkatalog erarbeitet, der die Beschäftigten auch über Freizeitprogramme externer Veranstalter auf dem Laufenden hält.

Und so ist auch die „Abnabelung” vom Caritas-Unternehmensservice in diesem Jahr ohne Probleme vonstatten gegangen, weiß Gnauck. „Im Sommer und im Herbst setzen wir auch die Ferienspiele komplett in Eigenregie fort.”

Trotzdem bleiben Melanie Kugelmeier und ihre Caritas-Kollegin Simone Holzapfel selbstverständlich weiter am Ball: „Natürlich wollen wir durch unsere vielfältigen Kontakte und Möglichkeiten in wachsendem Maße auch Berufstätige unterstützen, die zum Beispiel pflegebedürftige Angehörige haben.”

Vor allem aber stehen die Leistungen der Vermittler jetzt auch Firmen in der gesamten Städteregion zur Verfügung. Die nächsten Interessenten, erzählen sie, stehen bereits beim Unternehmensservice auf der Matte. Und deren Arbeitgeber - glasklare Sache.
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