Kandidaten für den Städteregionsrat: Uwe Löhr (Linkspartei)

Von: Jutta Geese
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Will sich für 100 Prozent regenerative Energie einsetzen: Uwe Löhr, Spitzenkandidat der Linkspartei. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. „Ich war immer ein interessierter und engagierter Mensch”, sagt Uwe Löhr. Doch dass er als Spitzenkandidat für eine linke Partei antritt, hat selbst seinen Freundeskreis überrascht. Schließlich war Löhr ein Vierteljahrhundert lang Mitglied der CDU, anfangs aktiv, später nur noch als „Karteileiche”.

Für ihn selbst ist dieser politische Seitenwechsel zur Partei Die Linke jedoch stimmig. „Das hat mit meinem Menschenbild zu tun”, sagt der 49-jährige Stolberger. Das sei christlich geprägt. „Aber christliche Politik findet in der CDU nicht mehr statt”, konstatiert er. Als Schüler hat er sich in der Kolpingjugend und in der Pfarrjugend sowie als Klassensprecher engagiert, war in Arbeitsgemeinschaften aktiv. „Solche Leute sprechen politische Jugendorganisationen ja an”, sagt er.

So sei er zur Jungen Union gekommen, die damals ein „linker, kritischer Bestandteil der Partei” gewesen sei. Doch mit der Partei, in die er als 18-Jähriger eingetreten sei, habe die CDU nicht mehr viel gemein, sagt er heute, „irgendwann hat sie sich mehr und mehr zur Wirtschaftspartei entwickelt”. Und das behagte ihm überhaupt nicht. Mitglied ist er trotzdem geblieben. Erst als er für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt werden sollte, sei ihm bewusst geworden, „dass ich da noch drin bin”, sagt Löhr, der seit 21 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Und dann behagte ihm die gesamte politische Entwicklung in Deutschland nicht mehr, „die lief immer mehr meinen Vorstellungen zuwider”. Vor allem die „Geschichte mit Schröder, mit der Agenda 2010, hat mich auf die Barrikaden gebracht”, sagt Löhr, weil „der Staat Unrecht an seinen Bürgern tut”. Das habe er von Anfang an in seiner beruflichen Arbeit gesehen. Der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte bei einer Krankenkasse und studierte Diplom-Betriebswirt ist seit 1994 als selbstständiger Betreuer und Nachlasspfleger tätig. Mit den Folgen von Hartz IV wird er da täglich konfrontiert, sagt er.

Als Unrecht gegenüber den Bürgern empfindet er es etwa , dass Langzeitarbeitslose in Ein-Euro-Jobs gesteckt werden und „selbst Kommunen sie für Arbeiten einsetzen, die Firmen machen könnten”, mit regulären Arbeitskräften. Oder dass den Bürgern „Rechtsmittel gestrichen werden bei Widersprüchen gegen Behördenbescheide”. Oder dass im Bildungssystem die Gelder falsch verteilt werden. Oder dass nicht genug getan wird, um sozialversicherungspflichtige, ordentlich entlohnte Arbeitsplätze zu schaffen. Mit Niedriglohn-Jobs „produzieren wir heute die Sozialhilfeempfänger von morgen”, denn geringe Löhne wirken sich auf die Rente aus, klagt Löhr.

All das „gehört sich nicht für einen Staat wie unseren”, sagt er. Und all das - und noch viel, viel mehr - habe ihn bewogen zu sagen: „Du kannst nicht nur kritisieren, sondern du musst anpacken. Und dann stellt sich die Frage, in welcher Partei.” Da kam für ihn nur Die Linke infrage. Inhaltlich sowieso, aber auch, weil da etwas Neues aufgebaut wurde und weil man „die Richtung mitbestimmen kann, in die es gehen soll”.

Das war 2008. Nur ein Jahr später ist Löhr Spitzenkandidat. Ein rasanter Aufstieg. „In einer jungen Partei kommt man zwangsläufig dazu, sie zu repräsentieren”, meint er. Und davor, Verantwortung zu übernehmen, hat er sich noch nie gedrückt. Und er ist überzeugt, dass er und seine Parteifreunde in der Städteregion einiges bewegen können. In der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik ebenso wie in der Energiepolitik.

Dass Die Linke derzeit eher mit innerparteilichen Flügelkämpfen als mit ihren politischen Ideen Schlagzeilen macht, sei nicht gerade förderlich, räumt Löhr ein, der sich selbst als „pragmatischen Linken”, nicht als radikalen Linken bezeichnet. Aber er ist auch überzeugt: „Im Laufe der Zeit werden die Menschen sehen, dass wir eine politische Qualität haben und dass wir wählbar sind.”
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