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Junges Grenzlandtheater zeigt „Türkisch Gold”

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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„Türkisch Gold”: Shadi Hedayati (oben) und Daniel Heck überzeugen in dem fesselnden Stück über Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der junge Mann lugt aus dem Inneren seines VW-Käfers hervor, das Mädchen beugt sich unversehens vom Dach desselben herab. Beide erschrecken sich, ein Aufprall, ein Aufschrei, wer noch nicht wach war, der ist es jetzt.

In den ersten 60 Sekunden ist „Türkisch Gold”, mit dem das Grenzlandtheater jetzt im Geschwister-Scholl-Gymnasium Premiere feierte, energiegeladen. Und in den verbleibenden 60 Minuten bleibt es genau das. Und die Schüler im Publikum bleiben wach. Denn in dem Stück von Tina Müller prallt so einiges aufeinander.

Zunächst mal die Gefühle von Aynur und Jonas, die sich im Türkeiurlaub ineinander verliebt haben. Und damit erstens die Eifersucht von Jonas„ bester Freundin Luiza heraufbeschwören, dabei zweitens jede Menge gegenseitiger Vorurteile auf den Prüfstand stellen. So mokiert Luiza, selbst brasilianischer Herkunft, sich über „Aynur und ihre Kopftuchfreundinnen”. Die wiederum warnen Aynur vor „der deutschen Liebe und ihrer Sollbruchstelle”. Jonas indes informiert sich nur mit gespielter Gelassenheit über Aynurs Geschwister. Insbesondere über die männlichen. Klischees prallen aufeinander.

Im Geschwister-Scholl-Gymnasium prallt freilich eine anspruchsvolle Inszenierung auf ein wohl zu weiten Teilen theaterunerfahrenes Publikum. „Alter, ich check das nicht”, raunt ein junger Zuschauer, als Shadi Hedayati und Daniel Heck, die einzigen Darsteller, mal wieder flugs die Rollen gewechselt haben.

Das tun sie im Minutentakt. Zeitweise sogar noch wesentlich flotter. Sonnenbrille auf der Nasenspitze, Hände in der Hosentasche, türkischer Akzent: Shadi Hedayati mimt Aynurs Bruder. Aus dessen Haut schlüpft die Aktrice in die von Jonas Vater: schwitzend, breitbeinig und maulend über Aynur.

Hedayatis Gegenüber Daniel Heck indes spielt nacheinander Aynurs Großmutter und Neonazi Marius, dazwischen ist der Nachwuchsdarsteller auch mal tratschender Komparse. Und so, wie die Darsteller munter zwischen den Sprechrollen hin und her springen, ist fliegender Wechsel auch zwischen Gedankenwelt und Wirklichkeit angesagt.

Knallharte Milieuwahrheiten

Konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass knallharte Milieuwahrheiten abgelöst werden von einem gemeinsamen Teppichflug gen Bosporus. Oder dass der gerade durch einen Schuss niedergestreckte Neonazi im nächsten Moment der aus seinen Träumen erwachende Jonas ist.

Nein, sofort „checkt” man das wirklich nicht immer. Und doch, man verzeiht Ingrid Gündisch (Regie und Bühne) und Anja Junski (Dramaturgie) das nur zu gern. Denn bei „Türkisch Gold” geht es nicht darum, eine Liebesgeschichte linear und vorhersehbar zu erzählen. Sondern um den Aufprall zwischen Freundschaft und Hass, Liebe und Gewalt, türkischer und deutscher Mentalität. Und die Konfrontation damit, wie nahe dies alles beieinander liegen kann. „Türkisch Gold” wird noch bis zum 15. September wochentags um 11 Uhr im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Aachen aufgeführt. Eine weitere Vorstellung findet diesen Freitag um 20 Uhr statt. Der Eintritt kostet 4,50 Euro für Jugendliche und 6 Euro für Erwachsene.

Ab dem 15. September ist „Türkisch Gold” in der gesamten Region buchbar. Begleitend werden Unterrichtseinheiten mit der Theaterpädagogin Monika Reichle angeboten. Kontakt: 0241/4746117.
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