Aachen - Jugendpsychiatrie und Jugendämter erarbeiten gemeinsamen Leitfaden

Jugendpsychiatrie und Jugendämter erarbeiten gemeinsamen Leitfaden

Von: Amien Idries
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Aachen. Wenn man sich die Versorgung von hilfebedürftigen jungen Menschen als eine Maschine vorstellt, bei der ein Rad ins andere greifen soll, so hat diese Maschine in der Städteregion an den Schnittstellen so manches Mal geknirscht.

Wenn ein Jugendlicher etwa in einem Heim randalierte, wurde er zumeist in der Jugendpsychiatrie vorgestellt. Dort wurde untersucht, ob der Grund für das Randalieren psychiatrischer Natur ist. „Wenn keine psychiatrische Erkrankung, sondern beispielsweise ein familiärer Konflikt vorliegt, dann können wir den Jugendlichen nicht aufnehmen”, erklärt Dr. Ulrich Hagenah, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aachen.

Dies bedeutete für den jeweiligen Sozialarbeiter, dass er schauen musste, was mit dem Jugendlichen passiert. Was wiederum meist zu langen Diskussionen zwischen Psychiater und Sozialarbeiter führte. Und letztendlich zu Frust auf beiden Seiten.

Diese Reibungsverluste sollen nun dank einer interdisziplinären Arbeitsgruppe der Vergangenheit angehören. „Wir haben einen Leitfaden entwickelt, der dazu dienen soll, Abläufe transparent darzustellen und die Kompetenzen festzuhalten”, sagt Herbert Heinrichs. Der Leiter des Jugendamtes Alsdorf hatte vor drei Jahren die Gründung der Arbeitsgruppe angeregt. Der Leitfaden, an dessen Entstehung neben den Jugendpsychiatrien Aachen und Düren auch die Jugendämter der städteregionalen Kommunen beteiligt waren, ist gewissermaßen das Schmieröl für die knirschende Maschine.

In diesem Leitfaden sind Beispiele beschrieben, an denen sich die Arbeit von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie überschneiden. Für jeden Fall ist nun festgelegt, wer welche Funktion hat und bei wem die Fallführung liegt. „Die Mitarbeiter aller Ebenen können sich daran orientieren”, erklärt Heinz Kaldenbach, der das Jugendamt in Eschweiler leitet. Darüber hinaus finde nun in jedem Einzelfall eine frühzeitige Rückkopplung zwischen den beiden Bereichen statt, sodass es nicht mehr zu unterschiedlichen Therapieempfehlungen komme, die Eltern hilfebedürftiger Jugendlicher früher immens verwirrt hätten.

„25 Prozent unserer jährlich rund 400 Patienten nehmen nach dem Klinikaufenthalt stationäre Angebote der Jugendhilfe in Anspruch”, erläutert die Leiterin der Jugendpsychiatrie, Beate Herpertz-Dahlmann, die Überschneidungen. Für die ambulanten Angebote seien die Zahlen noch höher. Und der Bedarf werde in beiden Bereichen steigen. Besonders die Zehn- bis 13-Jährigen machen Psychiatern und Jugendämtern Sorgen. Hier sei prophylaktische Zusammenarbeit besonders wichtig.

„Diese wird sich auch dadurch verbessern, dass sich die beiden Berufsgruppen durch die gemeinsame Arbeit schätzen gelernt und so ein besseres Verständnis für den anderen gewonnen haben”, betont Elke Hüren-Coldewey vom beteiligten Agnesheim in Stolberg.
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