Stolberg - Joel hat jetzt klare Perspektiven

Joel hat jetzt klare Perspektiven

Von: Udo Kals
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Hat „die Kurve gekriegt”: J
Hat „die Kurve gekriegt”: Joel Breuer hegt nach der Teilnahme am Jugendprojekt „Jump” konkrete Berufsvorstellungen. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Joel Breuer hat einen Plan, was er mit seinem Leben anfangen will. Für einen 15-Jährigen einen ziemlich konkreten sogar. Das letzte Jahr in der Förderschule Talstraße in Stolberg, das nun nach dem Ende der Sommerferien für ihn angebrochen ist, ist nur ein Zwischenschritt.

Rettungsassistent will er werden. Dass er den Hauptschulabschluss dazu braucht, weiß er. Und auch die Fortbildung zum Rettungssanitäter steht bei ihm an.

Vor einem Jahr sah das Leben von Joel Breuer noch ganz anders aus. Konkrete Perspektiven hatte er keine. Der Umgang, den er pflegte, war wohl auch nicht der beste. „Ich habe viel gelernt, ich habe ein gutes Jahr gehabt”, sagt er mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate. Und das hören Dr. Christiane Staudte und Beate Lennartz am anderen Ende des Tisches wohl gerne. Denn dass der 15-Jährige die Kurve bekommen hat, liegt nicht unwesentlich an der Aktion „Jump”, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ins Leben gerufen wurde und von beiden Frauen intensiv betreut wird.

„Jump” steht für das Jugendmigrationsprojekt „Miteinander - Füreinander”, das vor rund dreieinhalb in Stolberg gestartet wurde. Staudte ist Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Städteregion, das Projektträger ist, und Lennartz inzwischen „Jump”-Leiterin. Und wenn sie sehen, wie aus dem Jugendlichen ein so offener und positiver Mensch geworden ist, dann wissen sie, „dass sich unsere Arbeit lohnt”.

Vor einem Jahr hatte Joel Breuer den Weg ins „Jump”-Café gefunden, das seine Cousine leitet. Und dort habe er schnell „tolle Menschen kennengelernt und Freudschaften geschlossen”. Seither ist er Stammgast in dem Café, das regelmäßig mittwochs von 17 bis 21 Uhr im Stolberger Jugendtreff Westside stattfindet und dessen Besucher sich vielfältig engagieren. Das sind inzwischen rund 60 Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund.

Kernstück von „Jump” ist die Streitschlichter-Ausbildung, an der auch Joel Breuer in diesem Jahr noch teilnehmen will. „Früher hatte ich immer mal wieder meine fünf Minuten”, sagt er. Heute habe er sich viel besser im Griff, Gewalt sei kein Thema mehr. Neben ihm haben in den vergangenen Jahren rund 150 Jugendliche von Stolberger Schulen an dem Seminar teilgenommen.

Weitere Aktivitäten wie Theaterstücke, Argumentationstraining, Filmdrehs, gemeinsame Fahrten runden das „Jump”-Angebot ab, das vornehmlich den gegenseitigen Respekt, aber auch die Stärkung weiterer sozialer Kompetenzen und der Selbstbehauptungskräfte fördern soll. Leitmotiv ist, Hass und Gewalt in jeglicher Form entgegenzutreten.

Dass der Ansatz von Erfolg gekrönt ist, legt Diplom-Sozialpädagoge Stefan Klein nahe, der eine „Jump”-Umfrage in Schulen ausgewertet hat. „Die Befragung zeigt deutlich, dass die Jugendlichen aktiviert aus den Seminaren gehen”, meint der Experte und er schließt: „Im Hinblick darauf, dass sich das Projekt über sein Ziel hinaus erfolgreich entwickelt hat, besteht meinem Erachten nach nicht die Frage nach der Weiterführung, sondern ganz konkret nach seinem Ausbau.”

Daran arbeiten Staudte und Lennartz beständig, wenngleich die Mittel nicht üppiger geworden sind. Schließlich ist die dreijährige Anschubfinanzierung als Projekt im Rahmen der „Aktion Mensch” Ende Februar ausgelaufen. „Jetzt müssen wir jedes Jahr einen Haushalt stricken, mit dem wir leider nur ein abgespecktes Programm anbieten können”, sagt Lennartz, die froh ist, dass das DRK mit 24.000 Euro einen großen Batzen des auf 60.000 Euro veranschlagten Etats trägt.

„Hinzu kommen zahlreiche Einzelspender, die das wichtige Programm weiterhin ermöglichen. Es lässt sich ganz gut an”, sagt DRK-Chefin Staudte. Und sie hofft auf weitere Sponsoren, damit das Angebot aufrecht erhalten werden kann. „Es lohnt sich.”

Unterstützung für die Aktion „Jump”

Wer die Aktion „Jump” unterstützen möchte Spendenkonto: DRK-Kreisverband Städteregion Aachen, Sparkasse Aachen, Kontonummer 2342566, BLZ 39050000.

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