Whatsapp Freisteller

Interdiszlinäre „Klage der Kunst”

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
Beleben die „Klage der Kunst
Beleben die „Klage der Kunst”: Irene K. (hinten, v.l.), Peter Sonntag, Dr. Nina Mika-Helfmeier, Sebastian Wenzler, Clemens Weiss, Annette Schmidt (vorn, v.l.), Elke Bartholemy und Nadya Bascha. Foto: Sillius

Stolberg/Aachen. Die „Wahre Kunst” fühlt sich missverstanden, nicht anerkannt. Sie erhebt Anklage gegen die „Falsche Freigebigkeit”, die sie nicht achtet. Es sind der bildende Künstler Clemens Weiss, der Musiker Peter Sonntag und Band, die Tanz-Compagnie Irene K. und Schauspielerin Annette Schmidt vom Theater K, die dieser Anklage eine neue Form geben.

In einer einzigartigen Tanz-Theater-Performance bringen sie den mittelhochdeutschen Text „Klage der Kunst”, im 13. Jahrhundert von Konrad von Würzburg verfasst, auf die Bühne. Im Zinkhütter Hof Stolberg werden die Zuschauer am 27. Mai und im Atelierhaus Aachen am 3. Juni mitgenommen in das spannende Dialogfeld der Künste.

„Solche Veranstaltungen ziehen die Menschen aus ihren Höhlen. Für Stolberg und unser Museum ist das ein besonderes Highlight”, sagt Sebastian Wenzler, Leiter des Museums Zinkhütter Hof. Auch Nadya Bascha, Geschäftsführerin des Atelierhauses, freut sich auf das Event: „Es geht um genau das Thema, mit dem sich unsere Künstler konfrontiert sehen.”

Es war Clemens Weiss, der den Jahrhunderte alten Text schon vor über 20 Jahren entdeckte. „Er ist weitgehend unbekannt, nur einige Germanisten kennen ihn”, erzählt Weiss. „Der Text brauchte einen fruchtbaren Boden.” Diesen Boden hat er in der Zusammenarbeit der Vertreter verschiedener Kunstgenres gefunden. Dr. Nina Mika-Helfmeier, Kulturbeauftragte der Städteregion, führte die Akteure zusammen. „Es geht nicht nur um den Text, die Künste sind gleichberechtigt”, sagt Mika-Helfmeier, die auch Initiatorin von „Economy meets Art” ist, des Projekts, in dessen Kontext die Performance steht. „Es ist im vergangenen Jahr erfolgreich gestartet, und es haben sich bereits einige Verbindungen zwischen Kunst und Wirtschaft entwickelt, aber es ist noch ein langer Weg. Noch immer gibt es viele Missverständnisse”, sagt sie. Kunst werde nicht selten auf eine symbolhafte Rolle reduziert, auf Marketingzwecke beschränkt.

Damit ist die Verbindung zum 700 Jahre alten Textmotiv offensichtlich. Im Mittelalter zählte der Künstler wenig. Nicht er, der Schöpfer des Kunstwerks, wurde damit in Verbindung gebracht, sondern der Mäzen, der es finanzierte. Zur Zeit Konrad von Würzburgs wurden die Rollen von Künstler und Gönner erst langsam klarer definiert. Die Talkrunden nach den beiden Aufführungen greifen diese Thematik auf. „Damit ein erfolgreiches Konglomerat zustandekommt, ist es wichtig, über eine Diskussion Gleichwertigkeit zu schaffen. Wirtschaft und Kunst müssen sich auf Augenhöhe begegnen”, erklärt Mika-Helfmeier.

Die Künstler betten die 32 Verse lange „Klage” in eine Handlung aus zwei Szenen ein. Die Akteure haben sich jeweils ihren ganz persönlichen Zugang zu der Thematik gesucht. Für alle ist dieses interdisziplinäre Projekt eine spannende Reise - letztlich auch zu sich selbst und zur eigenen Kunstform. Clemens Weiss schafft mit seinen Skulpturen den Raum, die Projektionsfläche für die „Klage der Kunst”. „Das Thema ist hochaktuell”, findet Irene K. und erklärt, wie es ihre beiden Tänzer aufgreifen. „Es gibt die klassische Ebene und die zeitgenössische.” Ein „danceur noble” aus Dresden verkörpere die klassische, eine japanische Tänzerin das Wechselspiel zwischen beiden Ebenen.

Annette Schmidt hat sich ihren erzählenden Part vor allem mit Peter Sonntag und seiner Band erarbeitet. Den strengen Text haben sie durch humorvolle Elemente erleichtert. „An vielen Stellen war es sinnvoll, beim Mittelhochdeutschen zu bleiben”, sagt Schmidt. Man müsse aber auch „die Sprache der Menschen sprechen”, betont Sonntag, der in seiner Komposition Jazz, klassische Musik, Rock und Minnegesang zusammenfließen lässt, und dabei auch Raum für Improvisation lässt.

Talk mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft

Premiere feiert „Klage der Kunst” am Freitag, 27. Mai, um 18 Uhr im Zinkhütter Hof, Cockerillstraße 90 in Stolberg. Die Performance im Atelierhaus Aachen, Süsterfeldstraße 99, findet am Freitag, 3. Juni, um 18 Uhr, statt.

Anschließend gibt es jeweils eine Talkrunde mit den Künstlern sowie Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft - in Stolberg mit Edgar Janzen (Unternehmer für Kommunikation), Ursula Theissen (Vize-Vorsitzende des Deutschen Kulturrats) und Dr. Nina Mika-Helfmeier, in Aachen mit Prof. Michael Schulze (Leiter des Lehrstuhls für Plastik an der RWTH), Bert Lemmens (Kulturmanager und Leiter der Kunsttour Maastricht) und Dr. Harm Hofmans (Kulturwissenschaftler). In Stolberg moderiert unser Redakteur Robert Esser, in Aachen Lutz Bernhardt, Journalist und Dozent an der FH-Design Aachen. Der Eintritt ist frei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert