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Integration von Kindern mit Förderbedarf: Finanzierung nicht gesichert

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Annett Loeck arbeitet seit gut zwei Monaten an der Aachener Grundschule Gut Kullen und ist eine von fünf Inklusionshelferinnen, die die Städteregion für ihr Pilotprojekt eingestellt hat. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Wenn Annett Loeck über die Flure geht, kommt sie oft nicht wirklich von der Stelle. Immer wieder wird sie von Kindern freudig begrüßt und angesprochen. Man kennt sie und man schätzt sie in der Aachener Grundschule Gut Kullen, das ist offensichtlich.

Dabei hat Loeck erst vor zwei Monaten ihre neue Stelle angetreten. Die Sozialpädagogin ist eine von insgesamt fünf Inklusionshelferinnen, die die Städteregion im Rahmen eines Pilotprojektes an ebenso vielen Grundschulen einsetzt – mit dem Ziel, Hilfe nicht nur für ein einzelnes Kind anzubieten, sondern dort, wo sich im Schulalltag ein Bedarf ergibt.

Während sich Annett Loeck mit einer kleinen Gruppe zu Entspannungsübungen in der Bibliothek trifft, kommen im Lehrerzimmer Vertreter von Schule, Schulträger und Schulaufsicht zusammen, um eine erste Bilanz zu ziehen. Ruth Meyering bringt ihre Einschätzung schnell auf den Punkt: „Wir haben in dieser kurzen Zeit wirklich schon sensationelle Ergebnisse erzielt“, stellt die Leiterin des städteregionalen Schulamtes fest und erntet in der Runde breite Zustimmung.

Begeistert zeigt sich auch Friedrich Schmachtenberg: „Der Ansatz, die Inklusionshilfe in das schulische System zu verankern, ist ein völlig neuer“, betont der Leiter der Grundschule Gut Kullen. Er unterscheidet sich von der seit vielen Jahren durch die Sozialgesetzgebung gewährten Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Förderbedarf vor allem dadurch, dass er nicht auf die Betreuung eines einzelnen Kindes durch einen einzelnen Erwachsenen setzt, sondern auf flexible Hilfestellungen, die sich eben nicht auf einen zuvor in einem Verfahren festgelegten Bedarf beschränken.

„Bei körperbehinderten Kindern wird es immer eine Notwendigkeit für die Eins-zu-Eins-Betreuung geben“, ist Schmachtenberg sicher. „Bei verhaltensauffälligen Schülern hingegen können wir mit einer Integrationshelferin, die im Gegensatz zu den Betreuern der Eingliederungshilfe unserem Team angehört, viel früher und schneller reagieren und somit auch präventiv arbeiten.“

„Nicht nur für die Städteregion“

Die Erfahrungsberichte überzeugen. Ulla Roder, als Schulamtsdirektorin für die Fachaufsicht in den Grundschulen der Städteregion verantwortlich, spricht von „einem sehr sinnvollen pädagogischen Konzept“. Aachens Schuldezernentin Susanne Schwier verweist darauf, „dass der Ansatz dem Inklusionsgedanken viel näher kommt als eine exklusive Förderung des Einzelnen“. Und ihr städteregionaler Kollege Markus Terodde stellt fest, „dass dies nicht nur ein Modell für die Städteregion ist, sondern Teil der NRW-Schulpolitik werden muss“.

Genau an dieser Stelle hakt das Pilotprojekt allerdings. Zwar hat die Städteregion die vom Land gewährte Inklusionspauschale in die Integrationshilfe investiert. Am Ende des Schuljahres werden die zur Verfügung stehenden Mittel aber aufgebraucht sein, und eine Folgefinanzierung ist bis dato nicht gesichert. Ruth Meyering betont, dass auch in anderen nordrhein-westfälischen Städten – konkret nennt sie Köln und Bielefeld – mit ähnlichen Modellen sehr gute Erfahrungen gemacht worden seien. Und Susanne Schwier erinnert an „gute Beispiele auch aus anderen Bundesländern“.

Nicht zuletzt, argumentiert Markus Terodde, sei die Inklusionshilfe auch günstiger. „Für die individuelle Eingliederungshilfe sind in der Städteregion 2015 rund fünf Millionen Euro ausgegeben worden. Für das Pilotprojekt liegen die Kosten bei knapp 150.000 Euro“, berichtet der Dezernent. Wobei die Inklusionshilfe schrittweise zunächst auf mehr Grundschulen und später auch auf weiterführende Schulen ausgedehnt werden soll. Und damit natürlich auch mit höheren Ausgaben verbunden sein wird.

Die im Lehrerzimmer Versammelten sind aber dennoch überzeugt: „Dies ist der günstigere und der bessere Weg.“ Mit ihrer Erkenntnis wollen die Initiatoren nun auch in Düsseldorf vorstellig werden. Das Ziel ist, wie Markus Terodde betont, dabei klar: „Der Landesgesetzgeber muss die Voraussetzungen für die dauerhafte Etablierung dieses Modells schaffen.“

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