Hauptzollamt Aachen: Mit dem Klemmbrett gegen Schwarzarbeit

Von: Guido Jansen
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Die Männer auf der Baustelle am Aachener Kaiserplatz empfinden den Besuch der Zollbeamten Carolin Sieven und Hans-Jürgen Zuraszek keinesfalls als lästig. Im Gegenteil: Viele begrüßen es, häufiger kontrolliert zu werden. Foto: Guido Jansen

Städteregion. Die Arbeiter auf der Großbaustelle am Aachener Kaiserplatz wissen sofort, was die Stunde geschlagen hat. In dem Moment, in dem der grün-weiße Bus der Zoll-Beamten auf den Eingang des abgesperrten Bereichs zurollt, beginnen sie sofort, in ihren Taschen zu kramen. „Die Meisten kennen das“, sagt Zoll-Inspektor Thomas Müller.

Seine drei Kollegen und er tragen Schutzhelme auf dem Kopf, Pistolen und Handschellen an den Gürteln. „Das mag auf manche etwas martialisch wirken“, weiß Müller.

„Aber es dient dem Selbstschutz. Mehr nicht.“ Verbrecherjagd und spektakuläre Verfolgungsszenen gehören nicht zum Alltag der Mitarbeiter des Hauptzollamtes Aachen. Kugelschreiber, Klemmbrett und ein Stapel Formulare sind viel wichtiger. So wollen die Beamten das Problem Schwarzarbeit bekämpfen.

Das Kramen in den Taschen ist kein Zeichen von Panik. Die Baggerfahrer, Stahlbeton- und Kanalbauer suchen nach ihren Ausweisen. Müller und seine Kollegen Carolin Sieven, Hans-Jürgen Zuraszek und Heinz Jongen schreiben die persönlichen Daten auf.

Dann beginnt die große Fragerunde. „Seit wann arbeiten Sie für diese Firma?“, „Wie viel verdienen Sie?“, oder: „Leben Sie in einer Bedarfsgemeinschaft?“ Die Fragen sind mitunter sehr persönlich. Trotzdem reagieren die Männer gelassen.

Manche sind sogar froh, dass der Zoll vorbeischaut. „Das dient doch nur unserem Schutz“, sagt ein Mann, der kurz zuvor auf einer Baustelle an der Autobahn-Raststätte bei Eschweiler verhört worden ist. „Sonst könnte es wieder so werden wie früher. Das will keiner von uns.“

Der Zollbeamte Hans-Jürgen Zuraszek weiß genau, wovon der Bauarbeiter spricht. Vor zehn Jahren beispielsweise, als Polen noch kein EU-Mitgliedsstaat war, waren viele Arbeiter aus dem östlichen Nachbarland illegal in Deutschland beschäftigt.

Für einen Hungerlohn. „Wenn man sich anschaut, wie diese Männer damals in kleinen Wohncontainern gehaust haben – da hab ich wirklich Mitleid bekommen.“ Die Zeiten sind vorbei. Polen gehört seit 2004 der EU an, wenn eine Firma polnische Arbeiter in Deutschland einsetzt, dann gilt der deutsche Mindestlohn. Das überwachen die Zoll-Beamten.

Genau wie die Container. „Da haben sich die Zustände deutlich gebessert“, berichtet Zuraszek, wie sich die ständige Kontrolle des Zolls auswirkt.

Das Hauptzollamt Aachen ist dafür zuständig, die Schwarzarbeit zu bekämpfen in Aachen, der Städteregion und den Kreisen Euskirchen, Düren und Heinsberg. In dieser Woche waren die Baustellen der Region der Schwerpunkt der Kontrollen. Gastronomie, das Sicherheitsgewerbe oder beispielsweise Pflegedienste sind andere Berufsfelder, die der Zoll ständig im Blick haben muss.

Negative Auswüchse werden seltener. Aber es gibt sie immer noch. Thomas Müller erinnert sich an einen Schnellimbiss, der illegal einen Koch aus Fernost eingesetzt hat. „Wir haben den Koch in Gewahrsam genommen.

Wenig später sind wir noch einmal zu dem Restaurant gefahren, weil wir noch Fragen hatten. Da haben wir festgestellt, dass sie sofort einen neuen Koch hatten, der auch illegal beschäftigt war.“

Vorbei sind die Zeiten der Schwarzarbeit nicht. Das hat auch der Sondereinsatz auf den Baustellen der Region in dieser Woche gezeigt. 69 Baustellen, 100 Unternehmen und 305 Arbeiter hat das Hauptzollamt Aachen innerhalb von zwei Tagen überprüft.

„Bei 15 Firmen haben wir Hinweise auf einem möglichen Verstoß gegen den Mindestlohn gefunden“, berichtet Thomas Müller. Zwei, drei Euro pro Stunde zu wenig, das käme häufiger vor. „Das summiert sich natürlich ganz ordentlich“, weiß Müller.

Und deswegen sei es notwendig, „eine gewisse Prüfdichte zu erreichen.“ Frei nach dem Motto: Vertauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb sind die Beamten täglich auf den Baustellen in der Region unterwegs, auch wenn diese kein Schwerpunkt sind.

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