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Frederic Fraikin kämpft um den Landestitel im Muaythai

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Boxer
Warmmachen für die große Aufgabe: Frederic Fraikin (links) bereitet sich mit Trainer Frederick Jungheim vor. Foto: Bernd Schneiders

Eilendorf. Am Aschermittwoch musste Frederic Fraikin vortanzen. Mit vier Kollegen kredenzte er der Jury eine Bewegungskreation über 2,30 Minuten. Es war eine Prüfung an der Kölner Sporthochschule, er hat sie bestanden.

Am Samstag geht er erneut in eine Prüfung, wieder hängt die Beurteilung von seiner Bein-, Körper- aber auch Handarbeit ab: Der Aachener muss sich gegen seinen Gegner im Ring durchzusetzen. Im Gym des Tai-Kien-Boxen (Kalkbergstraße 49-53 in Aachen-Eilendorf) werden am Samstag ab 13 Uhr die NRW-Meisterschaften im Muaythai, landläufig bekannt als Thaiboxen, ausgerichtet. Und Fraikin will den Heimvorteil nutzen – der Ausrichter ist sein Verein.

Der Muaythai-Bund fand keine geeignete Halle für seine NRW-Meisterschaften, die meisten sind als Flüchtlingsunterkünfte belegt. Cheftrainer Frederick Jungheim sprang mit seinem Tai-Kien-Gym ein. Umso mehr gilt für Frederic Fraikin das einzige Ziel: „Ich will mich für die Deutschen Meisterschaften in Bremen qualifizieren.“

Fernziel ist, nach dem Sportstudium als Profi-Kämpfer starten zu können. Nicht einfach in Deutschland. Der Stellenwert von Muay-thai oder K1 ist in den Niederlanden etwa wesentlich höher. Doch der 22-Jährige ist fasziniert von seinem Sport. Bis 16 spielte er Fußball, dann schnupperte er ins Boxen rein. „Aber da fehlte mir was.“ Erst der Kampfsport packte ihn. Und Jungheim erkannte sofort sein Talent.

„Der Junge ist so ehrgeizig. Ich muss ihn bremsen, nicht zu viel zu tun.“ Der Stundenplan des Sportstudenten ist vollgepackt: Montags Ringen, Dienstags Thaiboxen, Mittwochs Boxen, Donnerstag erneut Thaiboxen, Freitags Boxen, Samstags Intervall-Training, Sonntags Teutonic (Kraftausdauer-Zirkel mit traditionellen Geräten). In Köln stehen – wenn nicht getanzt wird – neben den Vorlesungen noch Fechten und Judo an.

Und da gibt es eine Wahlverwandtschaft mit seinem Trainer. Jungheim kommt aus dem Judo, und auch sein tänzerisches Können speist sich aus der japanischen Kampfsportart. „Das einzige, was ich auf der Tanzfläche hinbekomme, ist eine Schrittfolge aus dem Judo.“ Umso größer ist sein Variantenreichtum im Ring. Sein Schüler profitiert davon. Ob er sich einmal auf K1 spezialisieren oder mehr Thaibox-Kämpfe bestreiten wird, ist offen.

„Sicherlich werde ich mich auch einmal im MMA versuchen“, sagt Fraikin. Doch im Stehen fühlt er sich eindeutig besser. „Muaythai ist die beste Grundlage“, erklärt Frederick Jungheim. Und in der durch viele Orchideen-Verbände aufgesplitterten Kampfsportszene ist das Niveau und die Konkurrenz im traditionsreichen Thaiboxen wesentlich höher – Weltmeister per Crashkarriere zu werden, ist ausgeschlossen.

Was Fraikin und sein Trainer aus dem philosophischen Überbau des Muaythai mitnehmen, ist vor allem der Respekt, der dem Gegner erwiesen werden muss. Ansonsten bevorzugen sie wie die meisten Kämpfer in Deutschland eine „europäisierte“ Form des Thailand-Imports. Traditionell werden in einem Kampf 80 Prozent Beintechniken angewandt, bei Fraikin & Co. stehen Boxtechniken im Vordergrund.

Und der Wai-Khru, der zeremonielle Tanz im Ring vor dem Kampf, ist wesentlich kürzer als etwa in Thailand oder bei wenigen Schulen in Deutschland – trotz Sportstudium-Auftritts. Verzichten darauf aber wollen Jungheim und seine Schüler nicht, ebenso wenig wie auf den Mongkon, den traditionellen Kopfschmuck.

Ansonsten aber fühlen sich beide vor allem als Aachener. Trotz Studiums in Köln wohnt Frederic Fraikin weiterhin in der Kaiserstadt. „Jeden Tag, wenn ich in Rothe Erde aus dem Zug steige, bin ich glücklich.“ Wenn er Montag aussteigt, ist er womöglich noch glücklicher – als NRW-Meister.

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