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Ein schlichtes Tschüss zum Abschied

Von: Jutta Geese und Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Jürgen Linden / Carl Meulenbergh
Zwei regionale Größen nehmen Abschied: Ex-Landrat Carl Meulenbergh (re.) und Aachens Ex-Oberbürgermeister Jürgen Linden. Foto: zva

Alsdorf. Das letzte Wort an diesem Abend hatte Carl Meulenbergh. Und es war schon typisch für den Landwirt aus Hofstadt, wie er sich am Dienstag in dem von ihm so geliebten Fördermaschinenhaus in Alsdorf von der großen Bühne verabschiedete: ohne Pathos, ohne Tamtam, mit einem schlichten Tschüss.

Aber nicht, und das ist auch typisch für ihn, ohne sich zuvor bei den vielen Weggefährten, Kollegen, Mitarbeitern und Freunden, die in das ehemalige Bergbaugebäude gekommen waren, aber vor allem auch bei seiner Familie bedankt zu haben.

Denn Danke zu sagen, meinte er, das sei ihm besonders an diesem Tag, an dem er den Abschied aus dem Berufs- und dem politischen Leben feierte, „ganz wichtig”.

37 Jahre war Meulenbergh auch im Kreishaus zu Hause - als Abgeordneter, als Fraktionschef, als ehrenamtlicher und schließlich seit 1997 als hauptamtlicher Landrat. Und sein Wirken fasste er knapp in drei Schwerpunkten zusammen: eine solide Haushaltspolitik mit Schuldenabbau, eine bürger- und mitarbeiterfreundliche Verwaltung sowie die Zusammenarbeit in der Region, die schließlich am Dienstag in der Auflösung des Kreises und dem offiziellen Start der Städteregion („Das ist ein ganz toller Tag, ein neuer Anfang”) mündete - darauf sei er besonders stolz .

Ob das nun alles stimme, was seine Vorredner über ihn gesagt hatten, dass wolle er nicht auf die Goldwaage legen.

Aber seine feierliche Verabschiedung, die Wundertüte, die ihm sein Nachfolger und Städteregionsrat Helmut Etschenberg versprochen hatte, habe er genossen - „ es tat gut, es war wunderschön”. Und viel Lob kam aus sehr unterschiedlichen Richtungen. Etwa aus Düsseldorf von NRW-Finanzminister Dr. Helmut Linssen (CDU), der Meulenbergh aus gemeinsamen Zeiten im NRW-Landtag kennt und befand: „Du bist keiner, der Slalom gefahren ist in der Politik. Langfristigkeit ist das einzig Richtige in der Politik.”

Extra aus Straßburg angereist kam Martin Schulz, der eine Plenarsitzung des Europäischen Parlaments unterbrach, um sich von seinem politischen Gegner zu verabschieden.

„Ihre Tage der Triumphe waren meine Tage der Niederlagen”, gab der SPD-Chef im Kreis Aachen unumwunden zu und attestierte Meulenbergh charakterliche Größe: „Sie haben andere Menschen spüren lassen, dass Sie sie respektieren. Das ist Ihre große Stärke.”

Einen noch weiteren Weg hatte Landrat Jacek Wlodiga aus dem polnischen Partnerkreis Jelenia Gora auf sich genommen, der betonte: „Verträge werden schnell unterzeichnet, doch es braucht Menschen wie Carl Meulenbergh, die sie mit Leben füllen.”

Und nicht nur das: „Mit Deinen Visionen hast Du den Kreis verändert und geprägt”, befand CDU-Fraktionschef Klaus Dieter Wolf.

In der Kreisverwaltung habe er eine familiäre Kultur geschaffen, sagte Personalratsvorsitzender Franz-Josef Loch. Dass Meulenbergh die Messlatte hoch gelegt hat, das weiß Helmut Etschenberg nicht erst seit Kurzem.

Mit Überzeugungskraft und Leidenschaft habe er den Kreis „aus dem Mauerblümchendasein herausgeführt und in eine Orchidee verwandelt”, sagte Etschenberg in einer sehr persönlichen Rede zu seinem Freund und Ex-Chef, um zu schließen: „Du wirst uns, Du wirst mir fehlen.”
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