Aachen - Ein fast erfüllter Traum aus Kindertagen

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Ein fast erfüllter Traum aus Kindertagen

Von: Jutta Geese und Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Ab dem 1. Januar sein neuer Arbeitsplatz: Günter Schabram wechselt als Sozialdezernent in das Haus der Städteregion. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als Kind wollte Günter Schabram Bürgermeister von Rurberg werden. Am Rursee, dem „schönsten Ort der Welt”, hat er ab dem zweiten Lebensjahr viele Urlaube verbracht. Doch dann wurde Rurberg nach Simmerath eingemeindet, der Bürgermeisterposten fiel weg.

Ein bisschen wird Schabrams Kindheitstraum nun aber doch wahr: Ab dem 1. Januar kann der 56-jährige gebürtige Mönchengladbacher und seit Jahrzehnten Wahl-Aachener die Geschicke von Rurberg zumindest in Teilbereichen mitgestalten - als Sozialdezernent der Städteregion.

„Ich freue mich ehrlich auf die neue Aufgabe”, sagt Schabram, den in Aachen viele nur „Schabbi” nennen. 25 Jahre lang hat der Vater von drei inzwischen erwachsenen Kindern als Vertreter der Grünen ehrenamtlich die Kommunalpolitik in der Kaiserstadt mitgestaltet, davon zwei Jahrzehnte als Geschäftsführer seiner Ratsfraktion, ehe er 2007 hauptberuflich Fachbereichsleiter für Soziales und Integration bei der Stadt wurde.

Schon in dieser Funktion sah sich Schabram eher als Gestalter denn als Verwalter. „Und als Dezernent kann ich die soziale Arbeit noch mehr gestalten”, sagt er, schränkt aber ein, „soweit sie nicht von Berlin vorgegeben ist.”

Dabei verfolgt Schabram mit Sorge insbesondere die Diskussionen um die Neuorganisation der Hartz-IV-Argen. „Ich tue alles dafür, dass die getrennte Aufgabenwahrnehmung von Arbeitsagentur und Kommunen nicht kommt”, sagt er. „Denn wenn wir die Zuständigkeit verlieren, ist das für die Bürger absolut schlecht.” In der Städteregion betreffe das immerhin „rund 53000 Kinder und Erwachsene, die anerkannt arm sind”.

Er sehe das Ganze aus deren Sicht: Die Arbeitsagentur sei gut darin, kurzzeitig Arbeitslose in Stellen zu vermitteln, aber sich um Langzeitarbeitslose zu kümmern, zudem noch um solche ohne Schul- und Berufsabschluss oder mit Problemen wie Schulden oder Sucht, „das können die nicht”, meint Schabram. Man merkt ihm an, wie sehr es ihn wurmt, nicht mitentscheiden zu können, was mit der Arge passiert.

Sein Dezernat versteht der kontaktfreudige und kommunikative Grüne als das „soziale Herz der Städteregion” - und das will er zusammen mit seinen Mitarbeitern und den Sozialverbänden zum Schlagen bringen. „So schnell wie möglich” will Schabram etwa die erste Sozialkonferenz mit den Verbänden einberufen. Die Aufgabe dieses neuen Gremiums beschreibt er so: „Hier sollen die Leitlinien der sozialen Städteregion entwickelt werden, hier soll nicht nur vorgekaut werden, was im Sozialausschuss ansteht.”

Dabei sieht er es als Vorteil an, dass er ein klassisches Sozialdezernat mit Ausländer-, Versorgungs-, Sozial- und Gesundheitsamt sowie dem Amt für Altenarbeit leitet. „Bei jeder Entscheidung geht es um Menschen”, betont Schabram. Und er erwarte von seinen 336 Mitarbeitern (ohne Arge), dass sie sich dessen stets bewusst sind und „dass sie im Interesse der Humanität entscheiden”. Will heißen: Sie sollen sich nicht nur an Richtlinien klammern, sondern ihren Ermessensspielraum nutzen.

„In Artikel 1 Grundgesetz, aber auch im Sozialgesetzbuch ist das Recht auf ein menschenwürdiges Leben festgeschrieben. Das muss man immer im Kopf haben, damit man sich nicht im Klein-Klein verliert. Das ist wichtiger als alles andere”, wird er seinen Mitarbeitern einschärfen. Aber er weiß auch: „Manchmal ist da auch das Wort des Chefs gefordert.” Auch wenn er es schätzt, wenn seine Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln.

Ein Teil der Belegschaft in seinem Dezernat kennt seine Arbeitsweise bereits, denn etliche sind von der Stadt Aachen zur Städteregion gewechselt, weil ihr Amt oder ihr Aufgabenbereich mit dem des früheren Kreises zusammengelegt wurde. Die anderen werden ihn und seinen Führungsstil ab kommender Woche kennenlernen.

Dass da zwei „Kulturen” aufeinanderprallen, schreckt Schabram nicht, es spornt ihn an. Das Beste aus beiden Systemen will er in die Städteregion einbringen. Skeptikern in seinem bisherigen Fachbereich hat er schon bei seinem Amtstritt vor zwei Jahren gesagt, er beglückwünsche jeden, der zur Städteregion wechseln darf. „Die haben gedacht, was ist das für ein Irrer”, erinnert er sich und griemelt. Nein ein Irrer ist Schabram nicht, aber ein überzeugter Anhänger der Städtereregion - und jetzt auch ein kleines bisschen Bürgermeister von Rurberg.
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