Alsdorf/Aachen - Dieter Kaspari: Neue Geschichten vom „Öcher Bluesman“

Dieter Kaspari: Neue Geschichten vom „Öcher Bluesman“

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Öcher Jong mit Herz für Alsdorf: Auch das Fördergerüst als Erinnerung an die Bergbauvergangenheit gefällt Dieter Kaspari sehr. Schließlich ist er ein „Jong va ‘ne Kullepitt“, wie er in einem Song seiner aktuellen CD singt. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf/Aachen. Nein, der Fototermin soll diesmal nicht in seinem Studio stattfinden. In dem sind zwar die Songs der neuen CD entstanden und dort stehen seine schönen Gitarren griffbereit – doch Dieter Kaspari findet eine andere Kulisse entschieden besser geeignet.

„Lassen Sie uns das Bild doch mal vorm Alsdorfer Fördergerüst machen. Ich bin schließlich ein Bergmannskind!“ Auch darüber singt der 66-Jährige auf seinem neuen Album, und zwar im Song „Jong va ‘ne Kullepitt“. Zum vierten Mal hat er Stücke auf Öcher Platt aufgenommen – und erstmals im Duo. Gemeinsam mit Uwe Böttcher an Geige und Bass hat der Bluesgitarrist und Sänger das Album eingespielt. Die beiden kennen sich schon lange, bei Kasparis Band „Blues mich jet“ ist Böttcher ebenfalls an Bord. Jetzt also als Duo, ganz reduziert, ganz entspannt. „Ist im Grunde so eine Art ‚Unplugged‘“, sagt Kaspari.

Nicht ganz billig

Der reine Blues, der reine Kaspari. „Das sind alles Geschichten von mir und über mich“, sagt er. Offenbar erlebt der Mann recht viel, denn gleich darauf meint er noch: „Ich hab‘ jetzt schon wieder so viele Stücke geschrieben, dass ich gleich eine weitere CD aufnehmen könnte.“

Das wird aber vorerst nicht passieren, denn das sei schließlich eine Menge Arbeit und auch nicht so ganz billig. „Ich bin immer froh, wenn es am Ende kein Verlustgeschäft wird.“ Warum macht er es dann überhaupt? „Ach, das hat wohl auch mit Eitelkeit zu tun“, sagt er und lacht. „Ich bin eben einer, der das Album noch schätzt. Viele Songs, die irgendwie zusammengehören. So muss das sein.“

Wer das neue Album hört, erfährt einiges über dessen Autor. Zum Beispiel, dass der jeden Morgen – sogar im Sommer – so zeitig aufsteht, dass er den Sonnenaufgang miterleben kann. Darüber singt der Ur-Öcher, der seit vielen Jahren in Alsdorf-Busch lebt, im Song „Der nöie Daag“. Nach Alsdorf hat ihn die Liebe verschlagen, von der ebenfalls ein Lied handelt. Zwar heißt Kasparis Frau nicht „Anne-Marie“, wie die Dame im gleichnamigen Titel, „aber so ein Name ist im Liebeslied ja oft nur ein Platzhalter“. Schon klar: Peggy-Sue, Maggie-Mae, Barbara-Ann – der Rock ‘n‘ Roll ist voll davon. Im Stück „Jedderkiehr“ geht es darum, dass Kaspari Small-Talk nicht mag. „Wenn ich rede, dann richtig.“

Blues und Platt – die Kombination sei sehr gefragt. „Die Leute sind regelrecht verrückt danach“, sagt Kaspari, der sich übrigens selbst als „einen der letzten sieht, die noch so richtig echtes Öcher Platt sprechen kennen“. Zwar gibt es jüngere, die es auf Bühnen ebenfalls versuchen, „aber die ahmen das eher phonetisch nach“. Blöd und schade sei das, findet er. Denn schließlich habe der Öcher Dialekt in Deutschland eine „einzigartige Melange von flämischen, französischen und englischen Einflüssen“ zu bieten. „Und singen lässt das Öcher Platt sich auch noch gut.“ Dass einer wie er der diesjährige „Thouet“-Mundart-Preisträger ist, nimmt bei so viel Begeisterung für den Dialekt kaum Wunder.

„Hongsdag“ heißt die CD, also für den Nicht-Öcher: „Hundetage“. „Das sind die heißen Tage von Mitte Juli bis Mitte August“, sagt Kaspari. In dieser Zeit hatte das Duo im vergangenen Jahr die Stücke aufgenommen. Eine schweißtreibende Sache, mit der Kaspari recht zufrieden ist. „Der Sound sollte ganz direkt sein – und das ist er auf geworden.“

„Lola“ auf dem Cover

Dass der professionelle Fotograf das Motiv fürs Album selbst abgelichtet hat, versteht sich. Ein Hund ist darauf zu sehen, und zwar seiner: Labradordame „Lola“ ziert das Cover. „Lola“, sagt Kaspari und summt eine Melodie, „wie der Song der Kinks“.

Dieses Stück mag er natürlich, der alte Beat-Musiker. Aber gecovert wird nicht auf der CD. Alle zehn Stücke hat er selbst geschrieben. Schließlich sollte es diesmal ganz persönlich sein.

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