Die Mähdrescher bleiben in der Halle

Von: Stefan Schaum
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Der Weizen steht - und kann do
Der Weizen steht - und kann doch nicht weg: Gerne würde Landwirt Jürgen Maqua auf seinen Feldern bei Alsdorf-Schleibach ernten, doch müsste dazu der Dauerregen für mindestenzwei Tage eine Pause einlegen. Foto: Stefan Schaum

Aachen/Alsdorf. Es sind nicht die heftigen Wolkenbrüche, vor denen die Landwirte sich fürchten. Es sind diese vielen klammen Tage am Stück, an denen die Sonne einfach nicht durchkommt und die Luft immer ein wenig zu feucht bleibt. So wie jetzt.

Ein paar Tropfen am frühen Morgen reichen schon - und der Mähdrescher kann mal wieder den ganzen Tag in der Halle bleiben. „Derzeit ist einfach kein Erntewetter”, sagt der Alsdorfer Landwirt Jürgen Maqua und lässt den Blick erst über die braunen Weizenfelder an der B 57 schweifen, dann über die grauen Wolkenberge am Himmel. Sieht ganz so aus, als wollte der Regen einfach nicht weichen.

„Die nächsten Tagen wird es wohl auch nichts”, sagt der 43-Jährige und zuckt die Schultern. Er ärgert sich nicht darüber, warum sollte er auch? „Am Wetter kann man ja doch nichts ändern.” Und noch sei die Lage nicht aussichtslos. „Der Weizen könnte zwar so langsam rein, aber ein paar Tage kann er auch noch auf dem Feld bleiben.” Doch nicht länger, denn dann droht der so genannte „Auswuchs” - die Körner fangen an zu keimen und verlieren an Qualität. Der Weizen büßt seine Backqualität ein, wie Fachleute sagen, und taugt am Ende nur noch als Futter. Daran verdient man nicht so gut.

Zwei trockene Tage am Stück, mit etwas Wind - mehr brauchen die Landwirte nicht. Dann müssten die Ähren trocken genug sein, um den Mähdrescher beim Ernten nicht zu verstopfen und gelagert werden zu können. Wobei es so viel zu lagern gar nicht geben wird, sagt Maqua. Denn er hat auch viele Pferde auf dem Hof und ist daher darauf angewiesen, die Halme zu Stroh verarbeiten zu können. Doch sind die in diesem Jahr nicht so hoch gewachsen, dafür war das Frühjahr zu trocken. „Normalerweise kann ich pro Hektar 16 Rollen Stroh einfahren. Diesmal muss es schon gut laufen, damit es acht Rollen werden.” Also müsse er wohl zukaufen, „und der Strohpreis ist momentan jenseits von Gut und Böse”.

Auch Yvonne Hogen würde lieber auf dem Mähdrescher sitzen als am Schreibtisch. Doch bleibe ihr nicht übrig, als „jetzt den ganzen Papierkram aufzuarbeiten, während es draußen regnet”. Dabei sitze sie freilich immer auf heißen Kohlen, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft Aachen. Lieber heute als morgen möchte sie ihren Weizen einbringen. „Man weiß ja, dass die ganze Arbeit noch wartet und man sie erledigen muss. Das sorgt für so ein hektisches Grundgefühl.” Zumal ein Teil der Ernte schon verkauft war, bevor er zu wachsen begann. „Viele Landwirte verkaufen heute einen Teil ihrer Erträge über Contract-Veträge an der Börse.”

So wird im Dezember bereits ein Preis für das ausgehandelt, was im September geliefert wird. In der Regel ist das gut für die Landwirte. Sie profitieren von verlässlichen Preisen. Doch müssen sie auch liefern, wenn ihre Ernte ganz ins Wasser fällt. „Im schlimmsten Fall müsste man dann zukaufen und eventuell draufzahlen”, sagt Hogen. Doch so schlimm dürfte es nicht kommen. „Man schließt nur über die Menge Verträge ab, die man in jedem Fall einfährt.” Und soviel Ertrag dürften die Felder in diesem Jahr trotz des Ungleichgewichts von Trockenheit und Regen liefern.

Was den Getreidebauern ärgert, ist dem Viehwirt übrigens ganz recht. Die Feuchtigkeit hat dafür gesorgt, dass die Wiesen nach der Trockenheit im Frühjahr nun wieder richtig im Saft stehen. „Wir hatten im April nur sehr knappe Vorräte für das Vieh, aber der Regen hat aufgeholt”, sagt Landwirt Wilfried Jansen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Wenn er sich dieser Tage die dunklen Wolken so ansieht, kann er eigentlich nicht klagen.
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