Diagnose Krebs muss nicht das Ende bedeuten

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
6337571.jpg
Wollen beim 1. Euregionalen Prostatakrebs-Thementag“informieren und die Selbsthilfegruppe bekannt machen: Bernhard Reimer, Dr. Joachim Steffens, Robert Tillmann und Prinz Charles-Louis de Merode (v. l.).

Eschweiler. Es war der pure Zufall, dass bei Bernhard Reimer der Prostatakrebs überhaupt entdeckt wurde! Nach einem Muskelfaserriß begab sich der Alsdorfer zu seinem Hausarzt und nutzte die Gelegenheit, sich komplett durchchecken zu lassen. Zu dieser Untersuchung gehörte auch die Prostata-Vorsorge.

Als ihm sein Arzt nach der Blutuntersuchung einen stark erhöhten PSA-Wert (einer der wichtigsten Indikatoren für Prostatakrebs) nannte, wusste der Rentner gleich, was das bedeutet. Denn Bernhard Reimer hatte seine Prostata in der Vergangenheit regelmäßig alle zwei Jahre untersuchen lassen. Stets ohne auffälligen Befund.

Fatale Fehleinschätzung

„Als mein Befund im Alter von 68 Jahren erneut in Ordnung war, dachte ich mir, jetzt kann nichts mehr passieren.“ Eine fatale Fehleinschätzung! Im Moment der Diagnose „Prostatakrebs“ brach für Bernhard Reimer die Welt zusammen: „Man weiß, dass Krebs in vielen Fällen tödlich endet und fragt sich, ob das Leben jetzt zu Ende geht?“, erinnert er sich an seine Gefühlslage.

Für den inzwischen 71-jährigen Bernhard Reimer ging und geht das Leben weiter. Eine Operation im St.-Antonius-Hospital war jedoch unumgänglich.

Dort traf er auf Robert Tillmann. Der 57-jährige Aachener hatte ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie begannen, sich auszutauschen. „Das tat gut“, sind sich beide einig. Als sie erfuhren, dass die vor fünf Jahren gegründete „Prostata-Selbsthilfegruppe Eschweiler“ nicht mehr aktiv war, entschlossen sie sich, diese wiederzubeleben.

„Inzwischen begrüßen wir bei unseren Treffen, die am letzten Dienstag im Monat, jeweils ab 18 Uhr, im Elisabethheim am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler stattfinden, bis zu 50 Personen“, berichtet Bernhard Reimer.

Am Freitag, 11. Oktober, veranstaltet die Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Eschweiler nun unter der Schirmherrschaft des belgischen Honorarkonsuls Prinz Charles-Louis de Merode von 14 bis 17 Uhr im „Hotel de Ville“, Dürener Straße 7, den 1. Euregionalen Prostatakrebs-Thementag.

Nach Grußworten des Schirmherren und der Begrüßung durch Moderator Dr. Christian Hermanns werden Professor Dr. Joachim Steffens, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie sowie Leiter des Prostata-Karzinom-Zentrums des St.-Antonius-Hospitals, Oberarzt Oliver Deserno, Peter Gielen (Selbsthilfe in Belgien) sowie Bert Denessen und Gerard van Kasteren (beide Prostatakrebs-Stiftung Niederlande) referieren, bevor eine Diskussion der Gäste und Referenten die Veranstaltung, die kostenfrei ist, abschließen wird. Eine Anmeldung zur Teilnahme am „Prostatakrebs-Thementag“ ist nicht erforderlich.

Mehr als 65.000 Männer erkranken alleine in Deutschland in jedem Jahr an Prostatakrebs. Damit ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes und für etwa 10 Prozent der Krebstodesfälle verantwortlich.

Vorsorge tut also dringend Not! Der Empfehlung der Krankenkassen, sich ab dem 50. Lebensjahr durch das Abtasten der Prostata untersuchen zu lassen, steht Professor Dr. Joachim Steffens allerdings kritisch gegenüber. „Wir Urologen halten dies nicht für ausreichend“, so der Mediziner.

„Was durch Abtasten entdeckt wird, ist lediglich die Spitze des Eisbergs“, betont er. Stattdessen empfiehlt der Chefarzt, ab dem 45. Lebensjahr jährlich den PSA-Wert durch eine Blutuntersuchung feststellen zu lassen. „Studien zeigen, dass so die Sterblichkeitsrate um 20 Prozent verringert werden kann.“

Klar sei, dass man nicht immer alle Patienten heilen könne. „Aber wir können ihre Lebensqualität verbessern“, so der Urologe. Sorgen bereitet den Ärzten aber nach wie vor die geringe Bereitschaft von Männern, die Gelegenheit zu Vorsorgeuntersuchungen zu nutzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert