Damit die Diagnose Krebs nicht die ganze Familie aus der Bahn wirft

Von: Margot Gasper
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Andrea Schotten, Krankenschwester und Diplom-Sozialpädagogin, berät und begleitet Krebskranke und Angehörige. Foto: Martin Ratajczak

Städteregion Aachen. Seit 15 Jahren gibt es in Aachen den Verein „Pakt“ – Psychosoziale Hilfe bei ambulanter Krebs-Therapie. Die Arbeit wird ausschließlich über Spenden finanziert. Nun ist der Verein akut gefährdet und die Verantwortlichen blicken mit Sorge in die Zukunft. „Wenn wir nicht deutlich mehr Spenden gewinnen können, ist die individuelle Beratung im nächsten Jahr am Ende“, befürchtet der „Pakt“-Vorsitzende Dr. Dirk Tummes. Der Onkologe gehört zu den Gründern der Initiative.

„Pakt“ bietet Krebspatienten und Angehörigen Unterstützung und Beratung. „Patienten mit einer Krebs-Diagnose werden ja in vielen Fällen ambulant behandelt“, sagt Tummes. Neben der medizinischen Behandlung haben Patienten wie Angehörige aber auch viele Sorgen, wenn es um das Leben mit der Krankheit geht. „Diese Beratung ist aber in der ambulanten Behandlung häufig nicht unterzubringen.“ „Pakt“ will hier informieren, begleiten und auch Wegweiser sein zu anderen Einrichtungen, die helfen können.

Die Betroffenen haben viele Fragen, weiß Andrea Schotten, Krankenschwester und Sozialpädagogin. Sie überlegt zum Beispiel gemeinsam mit den Familien, wie der Alltag organisiert werden kann, welche Unterstützung es gibt, welche Anträge gestellt werden können – und wie es überhaupt finanziell weitergeht.

„Eine Krebserkrankung bringt immer auch Geldsorgen“, hat Schotten erfahren. Dazu komme die Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit, die Angst vor dem Tod. „Und in den Familien gibt es häufig Hemmungen, darüber zu sprechen“, sagt Schotten. „Die Dinge müssen aber auf den Tisch.“

Vor fünf Jahren hat sie eine Angehörigengruppe ins Leben gerufen. Denn Angehörige, egal ob Partner, Geschwister oder Eltern, sind enorm belastet. Sie wollen den Kranken stützen, den Alltag irgendwie im Griff behalten und dabei auch noch mit den eigenen Sorgen zurechtkommen. Die Gruppe ist sehr gefragt, es gibt sogar eine Warteliste, berichtet Schotten.

Auch den Kindern von Krebspatienten gilt das Augenmerk von „Pakt“. Elke Mainz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, berät Familien speziell zu diesem Thema. Denn Eltern haben oft große Angst, mit ihren Kindern über die schlimme Diagnose Krebs zu sprechen. „Kinder, auch kleine Kinder, haben aber ein sehr feines Gespür dafür, dass etwas nicht stimmt“, betont Andrea Schotten. „Wir erklären den Eltern, wie wichtig es ist, Transparenz zu schaffen.“

„Wir bieten Eltern und Kindern Strategien, wie sie bestmöglich mit der Situation umgehen können“, sagt Vereinsvorsitzender Dirk Tummes. Auch wegen der Kinder liegt ihm und seinen Mitstreitern so viel daran, dass „Pakt“ weitermachen kann.

Zumindest die Angehörigen-gruppe ist durch eine zweckgebundene Spende für das nächste Jahr gesichert, sagt er. Für die individuelle Beratung aber braucht der Verein weitere Gelder. „Wir sind sehr dankbar für jede Spende“, betont Tummes. „2012 haben wir so gerade vermeiden können, in Schulden zu rutschen.“

Über die Angebote des Vereins, aber auch über die Möglichkeit zu spenden, können sich Interessierte auf der Internetseite von „Pakt“ informieren: http://pakt-aachen.de.

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