Bombardier: 5000 Postkarten auf dem Weg nach Montreal

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
4706521.jpg
Der Protest schwappt über den großen Teich: Schon mehr als 5000 dieser Postkarten sind an den obersten Bombardier-Boss losgeschickt worden. Foto: Ralf Roeger

Städteregion Aachen. Eines will Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz einmal klarstellen: Die störanfälligen, mangelhaften und zu spät ausgelieferten Talent-2-Züge, die momentan auf der Regionalstrecke 9 nach Siegen für Verdruss bei Reisenden sorgen, haben mit dem von Stilllegung bedrohten Bombardier-Werk an der Jülicher Straße nicht viel zu tun.

„Die kommen aus Hennigsdorf. Wir werden sehr häufig darauf angesprochen. Das Einzige, was noch von uns ist, ist der Name. Bei uns wurde die Talent 1 gemacht. Die laufen ohne Ende.“ Die Hennigsdorfer Kollegen hätten die Modular-Bauweise aus Aachen komplett umgestoßen und seien zur Röhrenkonstruktion zurückgekehrt: „Da fing das Fiasko an.“

Kreutz steht in der Mahnwache an der Haupteinfahrt. Immer noch kommen Bürger vorbei, um ihre Unterschrift unter die Solidaritätsadresse gegen die Schließung zu setzen – mehr als 26.000 sind es inzwischen. Oder um ganz praktische Hilfe zu leisten. Über Weihnachten war der Zuspruch besonders groß. Kuchen wurden gebracht, Linsensuppe, türkische Spezialitäten. „Es war eine Riesenmannschaft hier.“ Für den 31. Dezember lädt das Sinfonieorchester Aachen die Talbötter mit Familie und Freunden zu einer Sondervorstellung des Neujahrskonzerts ins Eurogress ein, erinnernd an die enge Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Orchester.

Den Weg über den großen Teich treten zurzeit mehr als 5000 Postkarten aus dem Raum Aachen an – gerichtet an den Vorstandsvorsitzenden Pierre Beaudoin. Insgesamt sind 8000 Karten mit 16 Motiven gedruckt worden. Auf der Vorderseite sind Beschäftigte abgebildet, die ihr Unverständnis über die Firmenpläne äußern. Etwa Detlef Jerusalem (49), seit 34 Jahren bei Talbot/Bombardier: „Warum zerstört ihr unnötig meine Zukunft?“ Oder Herrmann Backhaus (51): „Ich dachte, die Mitarbeiter wären Bombardier wichtig.“

Auf der Rückseite braucht nur der Absender eingetragen zu werden, Datum, Ort und Unterschrift, dazu eine 75-Cent-Briefmarke aufgeklebt zu werden. Der vorgefertigte Text ist zweisprachig und fordert den Bombardier-Boss im fernen Montreal auf, das Aachener Werk zu erhalten: „Die Entscheidung ist falsch, den Standort in Aachen zu schließen.“ Eine Antwort aus der Provinz Québec ist nach dem Wissen von Betriebsratsvorsitzendem Kreutz bislang nicht in Aachen eingetroffen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert