Bei Tagespflege zahlen Aachener Eltern drauf

Von: Sabine Kroy
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Käthi Kchirid ist Tagesmutter aus Leidenschaft: Seit mehr als drei Jahren betreut sie liebevoll mehrere Kleinkinder bei sich zu Hause in Herzogenrath. Foto: Ilona Rütten-Sieben

Städteregion. Familie M. wohnt an der Roermonder Straße, genau wie Familie B. Beide geben ihr einjähriges Kind zur Betreuung zu einer Tagesmutter. Die volle Stundenzahl, 45 Stunden.

Allerdings zahlt Familie B. rund 400 Euro monatlich weniger, also 4800 Euro im Jahr, für die Tagespflege als Familie M.. Und das ganz ohne schmierige Tricks. Sie unterscheidet ein wesentliches Kriterium: Familie M. lebt auf Aachener Stadtgebiet, Familie B. auf Herzogenrather.

Bereits seit 2006 machen die sechs Jugendämter im Kreis Aachen bei den Beiträgen keinen Unterschied mehr zwischen Tagespflege und Kindertagesstätten. „Wir haben die Tagespflege auf neue Füße gestellt und sie mit der institutionellen Betreuung gleichgesetzt”, erklärt der Bereichsleiter Jugend vom Jugendamt Herzogenrath, Bernd Krott. Nicht nur für die Eltern sei dieses System eine „sinnvolle überschaubare Sache”, auch für den Verwaltungsaufwand, erläutert Krott. Herzogenrather Eltern zahlen einen Betrag, der nach Einkommen gestaffelt ist, an das Jugendamt. Das Minimum liegt bei null Euro für Familien, die nicht mehr als 12271 Euro jährlich zur Verfügung haben, der Maximalbetrag für Besserverdiener (über 61355 Euro per anno) beläuft sich auf 339 Euro im Monat.

Das Jugendamt wiederum entlohnt die Tagesmutter mit 2,60 bis 3,50 Euro pro Stunde, abhängig vom Alter des Kindes und von der betreuten Stundenzahl. Allerdings liegt der übliche Stundenlohn in Herzogenrath zwischen 4,50 und 5 Euro. Den Rest müssen die Eltern aufstocken. „Der Aufwand ist nicht kostendeckend, daran arbeiten wir”, sagt Krott. Er geht davon aus, dass nach der Sommerpause erste Vorschläge auf dem Tisch liegen werden, wie diesem „unbefriedigendem Zustand” Abhilfe geschaffen werden kann. Trotzdem liegt die Obergrenze im gesamten Kreis momentan nur bei rund 600 Euro - und das für einen Besserverdiener, der sein einjähriges Kind in die Langzeitbetreuung gibt. Besonders kinderfreundlich stellt sich die Situation für größere Familien dar: Die Betreuung ab dem zweiten Kind ist kreisweit kostenlos - egal ob im Kindergarten oder bei der Tagesmutter.

Zuschuss nur für Bedürftige

Davon können Aachener Eltern zurzeit nur träumen. Gut und gerne 1000 Euro und mehr zahlen sie für einen vollen Platz bei der Tagesmutter. Städtische Unterstützung bekommen nur diejenigen, die wirklich bedürftig sind, sprich Studenten, Hartz-IV-Empfänger, Auszubildende etc. Von den 315 Kindern, die momentan von Tagesmüttern betreut werden, bekommen ganze 19 Kinder beziehungsweise deren Eltern einen Aufwendungsersatz.

Für unter Dreijährige stehen in Aachen mittlerweile 24,5 Prozent der Plätze in institutionellen Einrichtungen zur Verfügung, in vier Jahren müssen es 35 Prozent sein. Doch die Realität im Jahr 2009 sieht immer noch so aus, dass diese Plätze zumeist von Geschwisterkindern oder von Kindern Alleinerziehender und Auszubildender belegt sind. „Bis zum Jahr 2013 hat allerdings auch ein unter dreijähriges Kind einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz”, weist Elke Münich, Fachbereichsleitung Kinder, Jugend und Schule, auf die Gesetzesänderung (Kinderförderungsgesetz, kurz KiföG) hin. Die Jugendpolitik schätze die Kindertagespflege, aber sie lege den Schwerpunkt auf die Kindertagesstätten, gibt Münich die Richtung vor, die sich bereits im beitragsfreien ersten Kindergartenjahr widerspiegelt. Doch auch die Stadt Aachen ist laut KiföG verpflichtet, in der Tagespflege sozial gestaffelte Elternbeiträge einzuführen. „Zur Zeit wird gerechnet und geprüft”, verspricht die Fachbereichsleiterin, im Herbst 2009 Ergebnisse auf den Tisch legen zu können. Ob sich mit der Beitragsstaffelung finanzielle Vorteile für die Tagespflege ergeben, möchte Fachbereichsleiterin Münich derzeit nicht garantieren.

„Keine rechtliche Verpflichtung”

Warum im Kreis bereits seit fast drei Jahren ein neues Betreuungs- und Beitragssystem umgesetzt ist und die Stadt Aachen dem bis heute nicht folgen konnte, begründet Münich mit der Gesetzeslage: „Es gab keine rechtlichen Verpflichtungen.” Zudem seien diese Änderungen auch eine Frage der Menge und der politischen Schwerpunkte. Zumindest ersteres ist faktisch belegbar: So werden in Aachen 315 Kinder von Tagesmüttern und einem Tagesvater betreut, in Herzogenrath etwa sind es 31, im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes (Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath) 28). Aachen hat allerdings auch deutlich mehr Einwohner als Herzogenrath (rund 250000 gegenüber etwa 48000) oder die anderen Kreiskommunen mit eigenem Jugendamt.

Der Verein Familiäre Tagesbetreuung, in dessen Händen die Organisation und Vermittlung der Tagespflegepersonen in der Stadt Aachen liegt, wünscht sich jedenfalls eine schnelle Umsetzung des KiföG in der Kaiserstadt. „Für Eltern und für Tagesmütter ist es schon unangenehm, wenn in benachbarten Kommunen andere Regelungen gelten”, meint Geschäftsführerin Bettina Konrath.
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