Städteregion - „Baustein“ unterstützt Kinder von suchtkranken Eltern

„Baustein“ unterstützt Kinder von suchtkranken Eltern

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Heilpädagogin Kristina Lind (r.) und ihre Kollegin Laura Mertens leiten das „Feuervogel“-Projekt. Foto: Suchtberatungsstelle Alsdorf

Städteregion. Montag, 15 Uhr, in der Suchtberatung „Baustein“ in Alsdorf. Im Gruppenraum der Beratungsstelle, in dem ansonsten Erwachsene und Jugendliche die verschiedenen Angebote der Einrichtung wahrnehmen, haben sich jetzt sechs Kinder zwischen fünf und sieben Jahren eingefunden. Es geht laut zu, während sich alle begrüßen und ihren festen Platz einnehmen.

Dann beginnt die Gruppenstunde, es ist „Feuervogel“-Zeit. „Feuervogel“ ist ein Behandlungsangebot der Suchthilfe in der Städteregion für Kinder suchtkranker Eltern. Träger der Einrichtung ist das Diakonische Werk im Kirchenkreis Aachen in Kooperation mit der Städteregion.

„Aufgrund der Tatsache, dass Kinder aus suchtbelasteten Familien einer höheren Gefahr ausgesetzt sind, später selbst an einer Sucht zu erkranken, haben wir uns vor zwei Jahren dazu entschieden, für diese Zielgruppe ein spezielles Behandlungsangebot zu initiieren“, erläutert Hiltrud Pfeil, Einrichtungsleiterin der Suchtberatung „Baustein“. Montags kommt die Gruppe der Kleinen zusammen, am Donnerstag gibt es zusätzlich ein Angebot für Acht- bis Zwölfjährige.

Begonnen wird immer mit einem Begrüßungsritual, bei dem die Kinder im Kreis sitzen und anhand einer „Wetterkarte“ ihre Stimmung und Gefühlslage zum Ausdruck bringen können. Im Anschluss daran essen alle am Tisch einen kleinen Snack.

„Rituale geben Sicherheit und Verlässlichkeit“, erklärt Laura Mertens, die gemeinsam mit der Heilpädagogin Kristina Lind das Angebot betreut. Die Gruppe bietet jedem Kind die Möglichkeit, seine Sorgen und Ängste offen anzusprechen. „Es wird ihnen vermittelt, dass sie nicht schuld sind an der Suchterkrankung der Eltern und keinerlei Verantwortung für deren oftmals unberechenbares Verhalten haben“, so Mertens weiter. Gleichzeitig sollten die eigenen Bedürfnisse und Wünsche ihren Platz finden und ernstgenommen werden. „Diese Geschehnisse und Erfahrungen in der Gruppe tragen wesentlich zur Stabilität und Entwicklung bei. Die Kinder erfahren Aufmerksamkeit, entfalten ihre Stärken und ein neues Selbstwertgefühl.“

Neben der sozialen Gruppenarbeit gehören regelmäßige Elterngespräche zum festen Bestandteil des Angebotes. „Es geht nur im Dialog, wir wissen um den Wunsch der Eltern, trotz Suchterkrankung gute Eltern zu sein. In den Beratungsgesprächen suchen wir nach Hilfestellungen und ermutigen sie, ihre Elternrolle auszufüllen“, betont Kristina Lind. Die Ergebnisse und Vorschläge können sofort im Alltag umgesetzt werden, versichert Lind: „Eltern werden sich wieder ihrer Rolle bewusst und können mit professioneller Unterstützung zum Gelingen eines ausgeglichenen Familienlebens gelangen.“

Und dann berichten die beiden Pädagoginnen von Scham und Angst, die einen suchtkranken Menschen oft begleiten. Dass manchmal viele Jahre vergehen, bis die betroffene Person sich eingesteht, an einer Erkrankung zu leiden. Jahre, die für die Kinder sehr belastend und entwicklungshemmend sein können. Sucht sei oft noch ein Tabuthema und werde als Charakterschwäche gesehen. „Dabei ist es eine anerkannte Erkrankung, die sowohl für den Betroffen als auch für sein Umfeld erhebliches Leiden verursacht“, stellt Laura Mertens klar.

Die Gründe für eine Suchterkrankung seien so unterschiedlich wie die Personen, die daran leiden. „Meistens ist es eine Ansammlung von vielen Ursachen, die den Weg in eine Suchterkrankung zur Folge haben. Lebenskrisen, Ängste und Überforderung sind nur einige der möglichen Auslöser.“

Mutig sei deshalb der Schritt, den die Eltern der Feuervogel-Kinder gemacht haben – raus aus der Anonymität, hin zu der bewussten Entscheidung, eine Veränderung im Verhalten anzustreben, für die Kinder und mit ihnen. „Wir erleben immer wieder, wie erleichtert Eltern sind, wenn sie diesen Schritt getan haben.“ Er biete die Möglichkeit, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. „So öffnet ‚Feuervogel‘ auch den Eltern eine Tür, die es ihnen ermöglicht, sich der Krankheit zu stellen“, erklärt Kristina Lind.

Maximal zwei Jahre können die Kinder bleiben. Die Finanzierung wird über die zuständigen Jugendämter in der Städteregion geregelt. Derzeit werden zehn Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren betreut, die Altersgrenze liegt bei 17 Jahre. Es gibt noch freie Plätze.

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